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August Cappelen „Wasserfall in Telemark“ (Öl auf Leinwand, 1852, 102,6 cm x 77,3 cm, Nationalmuseum Oslo)

Berlin - Nicht wenige skandinavische, darunter auch norwegische, Maler des 19. Jahrhunderts durchlebten ihre künstlerische Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie. Dort blühte unter Johann Wilhelm Schirmer die spätromantische Landschaftsmalerei, welche auch die Norweger prägte. Künstler wie Erik Bodom, Adolph Tidemand, Hans Gude, Sophus Jacobsen, Anders Askevold und Morten Müller sind dabei zu nennen, und ohne Zweifel auch August Cappelen.

Dieser, mit vollständigem Namen Herman August Cappelen, wurde 1827 in Skien in der damaligen Provinz Telemark geboren. Der Vater war Eisenhüttenbesitzer, die Mutter Schwester des Unternehmers und Politikers Severin Løvenskiold. Sowohl die Cappelens als auch die Løvenskiolds waren überaus angesehene Familien. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Gutshof Holden in Ulefoss, Telemark.

Die schulische Ausbildung beendete er 1845 in Skien, dann ging er nach Christiania, heute Oslo, um dort an der Königlichen Friedrichs-Universität (heute: Universität Oslo) zu studieren. Er lernte den rund zwei Jahre älteren Hans Gude kennen, welcher ihn überzeugen konnte, mit ihm gemeinsam nach Düsseldorf zu gehen, wo Gude unter der Ägide Johann Wilhelm Schirmers bereits als studentischer Hilfslehrer tätig war.

Cappelen lernte 1845/46 und 1849/50 selbst in Schirmers Klasse für Landschaftsmalerei. Das Verhältnis zwischen dem Studenten und seinem Professor muß ausgezeichnet gewesen sein, und, wie die meisten Schüler Schirmers, nahm auch Cappelen dessen Verständnis romantisch-idealisierter Landschaftskunst mit Begeisterung auf; der Einfluß ist unübersehbar.

Zwischenzeitlich unternahm er, zum Teil gemeinsam mit Gude und Johan Fredrik Eckersberg, mehrere Studienreisen durch Norwegen, auch verbrachte er die Sommer oft malend in der ländlichen Umgebung von Holden. Die unsichere Zeit der deutschen Revolution von 1848 sah er sich lieber mit Abstand von Norwegen aus an.

Der 1848 gegründete und bis heute aktive Düsseldorfer Künstlerverein „Malkasten“ fand ab 1850 auch Cappelen unter seinen Mitgliedern. Diese Zeit war ungemein schöpferisch. Cappelen malte Landschaften, die ihre Herkunft aus der Düsseldorfer Schule nicht verleugneten und doch ganz eigen waren.

Die meisten seiner Gemälde zeigten das heimatliche Telemark. Zweifelsohne waren seine Landschaften auch lyrisch und romantisch, doch zugleich von einer ausgesprochenen Wildheit und Düsternis. Ungestüm, urtümlich und bisweilen morbide und feindlich erscheinen die Wälder und Sturzbäche Cappelens, sein unvollendet gebliebenes Werk „Der sterbende Wald“ ist hierfür ein besonders prägnantes Beispiel.

Diese Bilder sind außerordentlich beeindruckend und nehmen eine Atmosphäre vorweg, die knapp 150 Jahre später ganz andere norwegische Künstler, nämlich aus der Musikrichtung des Black Metal, auf ihre eigene Art ausdrücken sollten. Doch waren sie bereits das Ende einer vielversprechenden Entwicklung, denn Cappelen verstarb 1852, im Alter von nur 25 Jahren, vermutlich an einem Magentumor. Er wurde zunächst in Düsseldorf bestattet, jedoch bald nach Norwegen überführt. Die bedeutendste Sammlung seiner Bilder befindet sich heute in der norwegischen Nationalgalerie in Oslo.

 

Verweise:

https://www.nasjonalmuseet.no/samlingen/sok/?query="august+cappelen"&sort=artifact.ingress.producer&sortDir=desc
https://art-depesche.de/malerei/377-sophus-jacobsen-–-norwegischer-landschaftsmaler-zwischen-romantik-und-impressionismus.html
https://art-depesche.de/malerei/252-peter-nicolai-arbo-–-romantischer-maler-nordischer-göttersagen.html
https://art-depesche.de/malerei/212-ludvig-munthe-stimmungsvolle-landschaften-des-norwegischen-realismus.html
http://www.artnet.de/künstler/herman-august-cappelen/

August Cappelen: Norwegischer Romantik aus der Düsseldorfer Schule https://art-depesche.de/images/Wasserfall_in_Telemark.jpg Ruedi Strese