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Franz Anton Maulbertsch „Christus und der Hauptmann von Kapernaum“ (Öl auf Leinwand, 1750-55, 116 cm x 83 cm, Österreichische Galerie Belvedere)

Berlin – Franz Anton Maulbertsch galt als DER Wiener Maler in der Übergangszeit vom Barock zum Klassizismus, unter weitgehender Aussparung der gefälligen Leichtigkeit des Rokoko. Mit seinem individuellen und ausdrucksstarken Stil gehörte er keiner Schule an, sondern steht als Solitär in der Geschichte der Malerei.

Geboren wurde er 1724 im württembergischen Langenargen am Bodensee; gebürtiger Österreicher war er also nicht. Sein Vater, Anton Maulbertsch, war selbst Maler und hatte dem jungen Mann bereits erste Einweisungen in die Kunst gegeben, als dieser 1739 in Wien eintraf, um an der 1692 von Peter Strudel gegründeten Akademie, der heutigen Akademie der bildenden Künste, zu studieren.

Einer seiner Lehrer dürfte ein aus Antwerpen stammender Peter (?) van Roy gewesen sein, über welchen wir jedoch sehr wenig wissen, ein anderer der kaiserliche Hofmaler und Leiter der Akademie, Jacob van Schuppen. Wir erfahren, daß 1740/41 die ersten Versuche, einen Zeichenpreis der Akademie zu erlangen, fehlschlugen. Aus den Jahren 1745-49 stammen die frühesten erhaltenen Werke.

Beim Akademiewettstreit 1750 war Fortuna ihm gewogener, bzw. konnten seine Fähigkeiten die Preisrichter endlich überzeugen, denn diesmal gewann er mit seiner allegorischen Darstellung „Die Akademie mit ihren Attributen zu Füßen Minervas“ den ersten Platz. 1750/51 entstand auch schon ein Öldeckengemälde für das Schloß Kirchstetten.

1752/53 entstanden die ersten der Bilder, welchen er insbesondere seinen Rang in der Kunstgeschichte verdankt, nämlich die Kuppelfresken der Piaristenkirche Maria Treu in der Wiener Josefstadt. Fresken für Kirchen, Schlösser, Universitäten und Bibliotheken sollten auch in Folge den Schwerpunkt seines Werkes bilden. Dabei scheint ihn neben dem österreichischen Barockmaler Paul Troger auch Giovanni Battista Tiepolo beeinflußt zu haben; jedenfalls hatte er früh einen eigenen Stil entwickelt, welcher sich durch starke Dynamik im Bildaufbau und leidenschaftliche Gestik der fragilen Figuren auszeichnete.

Es nimmt nicht wunder, daß der Vorschlag Maulbertschs für eine Professur an der Akademie 1757 abgelehnt wurde, er wurde als „allzu kühner Geist“ betrachtet. Der schwungvolle Stil mit seiner Betonung von Farbe und Licht war für die Zeit ungewöhnlich „modern“ und nahm impressionistische Tendenzen vorweg. Dies läßt sich allerdings ohne Frage auch von Tiepolo oder Frans Hals behaupten. Oskar Kokoschka würde jedenfalls später, sehr gut nachvollziehbar, Maulbertsch als Vorbild nennen. Diese ungewöhnlichen Tendenzen zeigen sich dabei nicht nur in den Fresken, sondern auch den Leinwandbildern des Künstlers, von welchen allerdings nicht übermäßig viele erhalten sind.

In den 1750er und 1760er Jahren wirkte er vor allem in Ostösterreich und Ungarn, erst 1767 erhielt er wieder größere Aufträge in Wien, wobei er seine Malweise allmählich bändigte und dem vorherrschenden Klassizismus anpaßte. 1770 bekam er dann auch seine Professur in Wien, und 1772 wurde er gar zum kaiserlichen Kammermaler erhoben.

In seinem Spätwerk (ab etwa 1780) ließ er sich verstärkt von Rembrandt inspirieren, griff für die Fresken immer mehr auf Malergehilfen zurück. Die letzten Lebensjahre war er allgemein angesehen. 1788 nahm ihn die Berliner Akademie auf, und der im selben Jahr gegründeten Pensionsgesellschaft bildender Künstler in Wien wurde er erster Direktor. Von den Werken der letzten Jahre fielen die Fresken der Kathedrale von Steinamanger dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer, die Deckenfresken der 1795 geweihten St.-Stephans-Kirche in Pápa (Westungarn) sind hingegen erhalten geblieben. Franz Anton Maulbertsch starb 1796 in Wien.

 

Verweise:

https://sammlung.belvedere.at/people/1385/franz-anton-maulbertsch
https://www.deutsche-biographie.de/sfz70655.html
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_Anton_Maulbertsch

Franz Anton Maulbertsch – Meister des Wiener Spätbarock https://art-depesche.de/images/Christus_und_der_Hauptmann_von_Kapernaum.jpg Ruedi Strese