static-aside-menu-toggler
gkSearch
Meindert Hobbema „Die Allee bei Middelharnis“ (Öl auf Leinwand, 1689. Nationalgalerie London)

Berlin - Meindert Hobbema gehört zu den bedeutendsten Landschaftsmalern des niederländischen „Goldenen Zeitalters“, der zusammen mit Everdingen und Ruisdael als Vertreter einer sehr stimmungsvollen, gleichsam bodenständigen, „proto-romantischen“ Darstellungsweise genannt zu werden verdient.

1638 wurde er in Amsterdam geboren und als Meyndert Lubbertsz getauft. Er wuchs in Armut auf, und im Alter von 15 Jahren kam er mit seinem jüngeren Bruder und seiner Schwester in ein Waisenhaus.
Sein Freund und seit 1656 vorübergehend auch Lehrer war der große Jacob van Ruisdael, die Nummer eins der niederländischen Landschafter. Trotz dieses Kontaktes scheint er von seinen Bildern nur sehr dürftig gelebt zu haben. Ab 1657/58 begann er, seine Werke mit Hobbema zu unterschreiben. In dieser Zeit hatte er bereits seinen eigenen Stil entwickelt.
Als er 1668 eine ehemalige Küchenmagd des Amsterdamer Regenten Lambert Reynst heiratete, wobei Ruisdael als Trauzeuge fungierte, wurde er durch deren Verbindung zu ihrem vormaligen Arbeitgeber zum städtischen Eichmeister. Keine gewaltige Stellung, doch führte er diese Tätigkeit 40 Jahre, bis zu seinem Lebensende, aus und malte in dieser Zeit nur noch nebenberuflich.
Mit seiner Frau hatte er vier oder fünf Kinder, die Familie lebte in der Zeit in der Rozengracht; ganz in der Nähe verbrachte auch der ins Unglück geratene Rembrandt seine letzten Lebensjahre. Auch Hobbemas Familie scheint es finanziell nicht besonders gegangen zu sein. Seine Frau starb 1704, er überlebte sie um fünf Jahre und wurde in einem Armengrab bestattet.

Inwieweit Hobbemas Werk nun von Ruisdael beeinflußt ist, ist umstritten. Er malte besonders gerne geschickt beleuchtete und detailliert ausgearbeitete Waldszenen, Bäume, Flußlandschaften, gelegentlich Städte. Ruisdael durchaus etwas verwandt, aber volkstümlicher, weniger dramatisch. Einige seiner Arbeiten wurden mit der gefälschten Signatur der teureren Werke Ruisdaels versehen, was zu Verwirrungen führte, doch auch unechte Hobbemas tauchten in nicht geringer Stückzahl auf.
Die Werke sind schön, atmosphärisch dicht, doch auch oft sehr ähnlich. Besonders heraus sticht jedoch das zur Bebilderung dieses Artikels verwendete „Die Allee bei Middelharnis“ von 1689, welches also zu seinen späteren Werken zählt. Die Darstellung der schnurgerade nach hinten führenden Allee schmaler, dürftig belaubter Pappeln steht ganz einzigartig dar, das Ziegelrot der weit im Hintergrund liegenden Häuser bildet einen starken Kontrast. Anders als die meisten Werke Hobbemas nicht nur ein technisch hervorragendes und schönes, sondern auch ein wirklich originelles Gemälde.

Meindert Hobbemas lichte Landschaften https://art-depesche.de/images/Meindert_Hobbema_001_1024px.jpg Ruedi Strese