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Otto Sinding „Winter, Reine auf den Lofoten“ (Öl auf Leinwand, 1894, Nordnorsk Kunstmuseum)

Berlin – Nicht, daß es etwas zu bedeuten hätte, doch auf der deutschsprachigen Seite des „Who's Who“ bekommt man als vorherigen Eintrag Frank Sinatra und als nächsten den kommunistischen Funktionär Horst Sindermann vorgeschlagen; es sind dies lediglich die kleinen Beobachtungen am Rande, die einem möglicherweise ein kleines Schmunzeln entlocken. Uns geht es hier um Otto Sinding, einen Maler der norwegischen Nationalromantik, welcher wahrhaft magische kalte Landschaften auf die Leinwand brachte.

Das Licht der Welt erblickte er 1842 im südnorwegischen Kongsberg. Sein Vater war der Bergbauingenieur Matthias Wilhelm Sinding (1811-1860), welcher gleich drei bedeutende Söhne hatte, von welchen Otto der älteste war. Die beiden jüngeren waren der Bildhauer Stephan Sinding (1846-1922) und Christian Sinding (1856-1941), welcher Liebhabern klassischer Musik als Komponist deutlich von Edvard Grieg beeinflußter lyrisch-romantischer Klänge ein Begriff sein sollte.

Der Lebensweg unseres Sinding begann zunächst recht prosaisch mit einem Studium der Rechtswissenschaften (nach einem kurzen Kunststudium? Diese Theorie taucht auf, wir erwähnen sie jedoch nur der Vollständigkeit halber am Rande), wobei er sich jedoch immerhin bereits als Dichter hervortat, und einigen Dienstjahren als Kopist im Innenministerium.

Allerdings ließ der künstlerische Drang sich nicht lange bändigen, und 1867 nahm er zunächst Privatunterricht bei dem Maler Philip Barlag in Kristiania. Er scheint schnell gelernt zu haben, denn bald entschied er sich, seine juristische Laufbahn auslaufen zu lassen und schrieb sich an der Malschule von Johan Fredrik Eckersberg ein. Wobei wir darauf hinweisen, daß es hier sehr widersprüchliche Darstellungen gibt, einer anderen zufolge habe er diese Jahre bei Barlag an Eckersbergs Schule gelernt.

So oder so lag ihm die Landschaftsmalerei so offensichtlich, daß er dafür 1869 mit einem Reisestipendium belohnt wurde, welches er nutzte, um in Karlsruhe bei seinem bereits berühmten Landsmann, dem Landschafter Hans Gude weiterzulernen, dessen Adoptivtochter Anna Christine Nielsen er 1874 heiraten würde. Auch der gemeinsame Sohn Sigmund Sinding sollte sich dereinst als Maler hervortun.

In der Figurenmalerei unterrichtete ihn Wilhelm Riefstahl, und ab 1872 erweiterte er seine Kenntnisse in München bei Karl von Piloty, einem der wichtigsten und heute zu Unrecht verschmähten Vertreter der akademischen Historienmalerei. Neben den mächtigen mythologischen und historischen Darstellungen Pilotys hinterließ auch die Kunst Arnold Böcklins einen bleibenden Eindruck.

1876 kehrte Sinding nach Norwegen zurück und malte das Altargemälde „Christus am Kreuz“ für die Paulskirche in Kristiania, außerdem entstanden in den folgenden Jahren etliche Zeichnungen mit nordisch-folkloristischen Motiven. Das norwegische Nationalmuseum besitzt eine ganze Reihe dieser Arbeiten, welche Bewunderern der Kunst Theodor Kittelsens sicher ebenfalls zusagen werden.

1880 führte eine Reise Sinding nach Italien, und noch im gleichen Jahr ließ er sich in München nieder. Kunstgeschichtlich bedeutender als die Landschaften der Münchner Umgebung wurden aber seine durch seinen alten Kommilitonen Johan Martin Nielssen angeregten Reisen auf die nordnorwegische Inselgruppe der Lofoten.

Nielssen darf als der künstlerische Entdecker dieser gewaltigen Motive gelten, doch Sinding konnte ungleich mehr zu deren Popularisierung beitragen. Erstmals wagte er diese Reise 1881/82, und auf einer weiteren Reise im Winter 1886 entstanden rund 60 Ölgemälde der majestätischen Landschaft, welche in ganz Europa auf Bewunderung stießen. Auf der Berliner Akademieausstellug von 1888 waren diese Werke zu sehen; bereits 1886 hatte Sinding sich in der deutschen Hauptstadt niedergelassen. Weitere Lofotenreisen sollten folgen, auch eine Studienreise in die Umgebung von Bergen führte zu großartigen Landschaftsbildern.

1891 nahm er seinen Wohnsitz wieder in Norwegen, diesmal in Lysaker, welches heute zum Stadtgebiet Oslos gehört. Ein Auftrag der Stadt Leipzig über ein Panorama der Völkerschlacht von 1813 führte ihn 1894 noch einmal zurück zur monumentalen Historienmalerei im Geiste Pilotys, und 1903 ging es wieder nach München, denn dort war ihm nun eine Professur an der Kunstakademie angetragen worden, welche er allerdings nicht lange ausüben sollte, denn er starb dort im Jahre 1909.

 

Verweise:

https://www.dorotheum.com/de/k/otto-sinding/
http://www.sammlung-schirm.de/category/alte-meister/sinding-otto/
https://nbl.snl.no/Otto_Sinding
https://www.nasjonalmuseet.no/en/collection/search/?producer=sinding%2C+otto
https://art-depesche.de/malerei/175-theodor-kittelsen-norwegens-meister-der-mystischen-natur.html

Otto Sinding, Maler des hohen Nordens https://art-depesche.de/images/Winter_Reine_auf_den_Lofoten.jpg Ruedi Strese