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Nicolai Abildgaard „Der verwundete Philoktet“ (Öl auf Leinwand, 1775, 123 cm x 175,5 cm, Staatliches Kunstmuseum Kopenhagen)

Berlin – Er war nicht nur ein Kind der letzten Epoche, welche das Bild des Universalgelehrten hochhielt, der Zeitgenosse Goethes war auch selbst in den verschiedensten Metiers tätig, verdiente sich seine Lorbeeren als Maler, Bildhauer, Kunsterzieher, Architekt und Anatom. Nicht zuletzt stand er mit an der Wiege der deutschen Romantik. Die Rede ist von Nicolai Abraham Abildgaard; sein Weg ist Thema des heutigen Teils unserer biographischen Reihe.

Geboren wurde er 1743 in Kopenhagen, sein Vater Søren Abildgaard war als Zeichner, Illustrator und Naturforscher bereits ein Mann, welcher die Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft schlug. Seine künstlerische Ausbildung begann mit privatem Malunterricht, von 1764 bis 1772 war er bei dem neoklassischen Maler Johan Edvard Mandelberg und dem ebenso neoklassischen Bildhauer Johannes Wiedewelt Student der Königlich Dänischen Kunstakademie.

Mandelberg, welcher selbst einst in Paris bei François Boucher studiert hatte, wurde stilprägend, vermittelte den Einfluß des französischen klassischen Barock von Nicolas Poussin und Claude Lorrain. Ihn unterstützte er auch 1769 als Gehilfe bei der Ausmalung des Königlichen Palastes in Fredensborg.

Während des Studiums war er mehrfach ausgezeichnet worden, eine große Goldmedaille von 1767 war mit einem Reisestipendium verbunden, welches er jedoch erst 1772 einlöste. Trotz der französischen Vorprägung entschied er sich, für seine Zeit eher unüblich, nicht für das Studium in Paris, sondern ging nach Rom, nahm in gewisser Weise die Italiensehnsucht der deutschen Klassiker und Romantiker vorweg.

Mit dem Porträtmaler Jens Juel machte er auch einen Abstecher nach Neapel, ansonsten studierte er die Fresken Carraccis ebenso wie die Gemälde Tizians, Raffaels oder Michelangelos, befaßte sich mit Architektur und Anatomie wie mit Mythologie und Antike. Er freundete sich mit dem schwedischen Bildhauer Johan Tobias Sergel und dem Schweizer Maler Johan Heinrich Füssli (die Nähe sieht man in einigen Bildern) an, entdeckte folkloristische und nordisch-mythologische Themen für sich. Auch insofern entfernte er sich bereits vom akademischen Klassizismus und wurde zum Wegbereiter der Romantiker.

1777 verließ er Rom und kehrte, mit Zwischenhalt in Paris, nach Dänemark zurück, wo er bereits im Folgejahr eine Professur an der Akademie erhielt. Er vermittelte die Malerei im neoklassischen Stil, doch auch anatomische und mythologische Kenntnisse. Mehrere seiner Studenten wurden selbst berühmte Männer, zu nennen wären die dänischen Maler Asmus Jacob Carstens, Christoffer Wilhelm Eckersberg und Johan Ludwig Lund und der Bildhauer Bertel Thorvaldsen. Lund und Eckersberg taten sich selbst als Kunsterzieher hervor, Eckersberg wurde gar zur Zentralfigur des Goldenen Zeitalters der Dänischen Malerei und als „Vater der dänischen Malerei“ geehrt. Von den Schülern unbedingt erwähnt werden müssen mit Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge zwei der wichtigsten Protagonisten der deutschen Romantik.

Als Künstler schuf Abildgaard monumentale historische und mythologische Gemälde und Wandmalereien (etwa im Rittersaal von Schloß Christiansborg, welche jedoch einem Feuer zum Opfer fielen), doch auch kleinere Arbeiten wie Radierungen und Illustrationen zu Schriften Ossians und Sokrates', entwarf Kostüme nach altnordischer Art, erwarb sich ein umfassendes historisches, biblisches und mythologisches Wissen.

Abildgaard verstarb 1809 in Frederiksdal und wurde auf dem Kopenhagener Assistenzfriedhof bestattet. Seine heutige Rezeption ist zwiegespalten. Unbestritten ist sein großes Verdienst um die dänische Malerei, gleichzeitig wird er bisweilen als allzu nüchterner Theoretiker betrachtet, dessen Gemälde bei aller technischen Meisterschaft die Seele vermissen lassen. Ob dies wirklich so ist, muß wohl jeder Betrachter seiner Bilder für sich selbst entscheiden.

 

Verweise:

https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/nicolai-abildgaard

Nicolai Abildgaard – ein Däne zwischen Klassik und Romantik https://art-depesche.de/images/Der_verwundete_Philoktet.jpg Ruedi Strese