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Vincenzo Cabianca „L'abbandonata“ (Öl auf leinwand, 1858, 43,5 cm x 50 cm, Privatsammlung)

Berlin – Die Macchiaioli waren eine Gruppe italienischer Künstler, welche sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Freilichtmalerei widmeten. Sie könnten als italienische Entsprechung zu den Realisten von Barbizon oder den Impressionisten um Monet gesehen werden; zeitlich lag ihr Ursprung zwischen diesen beiden Gruppen, stilistisch ist eine analoge Entwicklung zu beobachten. Wir wollen unseren Lesern auch einige dieser Künstler näher bringen; der heutige Beitrag befaßt sich mit dem Veroneser Vincenzo Cabianca.

Geboren wurde er 1827 in Verona, er stammte aus einfachen Verhältnissen. Seine künstlerische Ausbildung begann er noch als Jugendlicher an der Kunstakademie seiner Heimatstadt, der Accademia Cignaroli, einer der ältesten Kunstakademien der Welt, als Schüler Giovanni Caliaris, und von 1845 bis 1847 studierte er in Venedig bei Ludovico Lipparini und Michelangelo Grigoletti.

Ergriffen von der jungitalienischen Bewegung Giuseppe Manzinis beteiligte er sich 1848 an der Verteidigung Bolognas gegen die habsburgischen Truppen, wurde jedoch verhaftet, und ging nach seiner Freilassung wieder nach Verona. Ab 1851 hielt er sich als Schüler Domenico Indunos in Mailand auf, bis er 1853 nach Florenz ging, um sich an der Schule Giovanni Signorinis, des Vaters von Telemaco Signorini, einzuschreiben, und sich wiederum dem Zugriff der österreichischen Polizei zu entziehen.

In Florenz kam er schließlich mit Künstlern wie Cristiano Banti, Telemaco Signorini und Odoardo Borrani in Kontakt, welche uns heute als Gruppe der Macchiaioli bekannt sind. Gemeinsam mit Banti und Signorini reiste er nach Paris, wo er sich von den Werken Camille Corots und Gustave Courbets inspirieren ließ. Dieser Einfluß und der seiner Florentiner Freunde führten ihn ab Ende der 1850er Jahre von seinen erdigen Genrebildern zu einem leichteren, freien Realismus. Zahlreiche seiner frühen Landschaften entstanden in der Toskana.

Wie später die Impressionisten war er besonders an der Wirkung des Sonnenlichtes interessiert. Bemerkenswerterweise waren Nonnen ein häufiges Motiv. Die Jahre 1863-68 verbrachte er vornehmlich in Parma, und 1870 ließ er sich dann mit Frau und Kindern in Rom nieder, welches fortan sein Lebensmittelpunkt bleiben sollte.

Er begann, sich mit Aquarellmalerei zu befassen, nahm Einflüsse der Präraffaeliten und Symbolisten auf. 1886 war er an der Illustration eines Werkes von Gabriele D'Annunzio beteiligt. 1893 stellte er die schöpferische Tätigkeit aufgrund gesundheitlicher Probleme ein, und 1902 verstarb er in Rom.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/629-silvestro-lega-zwischen-realismus-und-impressionismus.html
https://art-depesche.de/malerei/488-giuseppe-de-nittis-–-früher-impressionismus-aus-italien.html
https://art-depesche.de/malerei/188-giovanni-boldini-ein-italienischer-portraitkünstler-im-paris-der-belle-époque.html
http://www.artnet.com/artists/vincenzo-cabianca/
https://www.artribune.com/editoria/2021/04/catalogo-ragionato-vincenzo-cabianca-macchiaioli/

Aus der italienischen Freilichtmalerei: Vincenzo Cabianca https://art-depesche.de/images/Labbandonata.jpg Ruedi Strese