Ambroise Dubois „Allegorie von Malerei und Bildhauerei“ (um 1600, 169 cm x 133 cm, Schloß Fontainebleau)

Berlin – Wenn wir das Wort „Fontainebleau“ im Zusammenhang mit Malerei hören, denken wir wohl zuerst an die französischen Realisten des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts aus der Schule von Barbizon, die sich im Wald von Fontainebleau trafen und dort als so ziemlich erste die Pleinairmalerei pflegten. Daß es allerdings bereits rund 300 Jahre zuvor eine manieristische „Schule von Fontainebleau“ gab, ist dagegen vergleichsweise wenig bekannt. Einen ihrer vordersten Vertreter möchten wir heute unseren Lesern vorstellen.

Dieser hieß Ambroise Dubois (bisweilen auch „du Bois“ geschrieben) und wurde etwa 1542/43 als Ambrosius Bosschaert im flämischen Antwerpen geboren. Ansonsten ist über sein Leben sehr wenig bekannt. Wir wissen, daß er irgendwann nach Paris gekommen ist, doch die Angaben hierüber gehen außerordentlich weit auseinander, von 1568 oder von 1585 ist zu lesen.

Als Einflüsse werden die italienischen Manieristen Niccolò dell'Abbate und Francesco Primaticcio genannt. Er war vorrangig als Porträtist tätig, doch ein bedeutender Teil seines Werks entfällt auf mythologische und literarische Szenen. 1595 wurde auf ihn als „erster Maler des Königs“ referiert. Er erhielt eine ganze Reihe von Aufträgen für die Ausmalung des Schlosses Fontainebleau, knapp 60 Kilometer südlich von Paris.

In der Stadt Fontainebleau sollte sich nun der Großteil seines Lebens und künstlerischen Wirkens abspielen. Er soll zuerst mit der Tochter eines Malers Maugras verheiratet gewesen sein, und später, nach deren Tod ab 1601 mit Françoise d'Hoey, Tochter von Jean de Hoey, mit welchem er bei manchem Werk kooperierte. 1601 erhielt er auch die französische Staatsbürgerschaft. 1606 fand er Anstellung als Maler der Königin Marie de Médici, deren Kammer er mit Motiven aus Tankred und Clorinda schmückte und die er auch porträtierte.

Ambroise Dubois wird der „Zweiten Schule von Fontainebleau“ zugerechnet, welche ab etwa 1594 unter der Herrschaft von Henri IV. im Schloß Fontainebleau tätig war und die eleganten, gestreckten Formen und dichten Kompositionen des italienischen Manierismus mit einer als flämisch geltenden Auffassung von Licht und Schatten verband; sie galt als Blüte der französischen Frührenaissance, geriet jedoch spätestens mit dem Auftreten Nicolas Poussins in Vergessenheit.

Dubois starb 1614/15 in Fontainebleau; seine Witwe Françoise heiratete später den Maler Martin Fréminet. Als Maler tätig wurden auch sein Sohn Jean Dubois der Ältere (1604-1674) sowie seine Enkel Jean Dubois der Jüngere (1645 - 1694) und Louis Dubois (1646 - 1702), jedoch ist auch über diese nicht allzuviel bekannt.

 

Verweise:

http://www.artnet.com/artists/ambroise-du-bois/
https://www.fujibi.or.jp/en/our-collection/profile-of-works.html?work_id=1135
https://archives.seine-et-marne.fr/fr/ambroise-dubois

Nördlicher Manierismus aus Fontainebleau: Ambroise Dubois https://art-depesche.de/images/Allegorie_von_Malerei_und_Bildhauerei.jpg Ruedi Strese
©2021 ART-Depesche.