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Paulus Potter „Ein junger Bulle und zwei Kühe auf einer Weide“ (Öl auf Holz, 1649, 70,2 cm x 63 cm, aus der Sammlung der britischen Krone)

Berlin - Ein hochtrabender Titel für diese neue Folge unserer mittlerweile auf Lexikonumfang angewachsenen biographischen Reihe, aber doch treffend. Paulus Potter war der erste, welche die Tiermalerei auf einen außerordentlichen künstlerischen Rang hob, im Grunde als eigenständiges Genre begründete, und sämtliche späteren westlichen Tiermaler dürfen getrost als seine Erben betrachtet werden.

Getauft wurde Paulus Potter 1625 in Enkhuizen, Nordholland. Wir dürfen annehmen, daß seine Geburt bereits vorher erfolgt war. Die Familie zog 1628 nach Leiden, 1631 nach Amsterdam. Sein Vater Pieter Symonsz Potter war ein wenig bedeutender Genre- und Landschaftsmaler, doch immerhin sein erster Lehrer. Nach dem Tod der Mutter bandelte der Alte übrigens 1636 mit seiner Nachbarin, der geschiedenen Frau des Genremalers Pieter Codde, an. Ein künstlerischer Einfluß Coddes ist dadurch indes eher nicht anzunehmen.

Bei dem Haarlemer Jacob de Wel war er 1642/43 als Schüler verzeichnet, zudem studierte er die Werke von Pieter Lastman und Claes Moeyaert, wobei eine persönliche Beziehung nicht gesichert ist. 1646 wurde er schließlich als Meister in die Delfter Lukasgilde aufgenommen.

1649 mietete er in Den Haag ein Haus von Jan van Goyen, der nun sein Nachbar war und wurde auch Mitglied der Haager Gilde. Er heiratete eine Tochter eines wohlhabenden Hauses und fand Zugang zu noblen Kreisen; so wurden einige seiner Arbeiten vom Haus Oranje erstanden. 1652 kehrte das Ehepaar auf Einladung des Mediziners und Kunstliebhabers Nicolaes Tulp nach Amsterdam zurück; Tulp wurde sein Mäzen und erwarb eine ganze Reihe seiner Gemälde. Außerdem ließ er seinen Sohn als Reiter porträtieren.

Er hatte ein paar Schüler, als Landschafter bekannt wurde Adriaan van de Velde. 1653 ließen der nun wohlhabende Potter und seine Frau ein Testament verfassen, ein Jahr später starb er, nach Ansicht seiner Familie, an „übermäßiger Malerei“, tatsächlich an Tuberkulose; er wurde in der Nieuwezijds Kapel in Amsterdam beigesetzt.

Ungefähr 130 seiner Werke sind erhalten, die frühesten auf 1641 datiert. Paulus Potter war nicht der erste, der Tiere malte, doch hatten sie zuvor meist als Staffage gedient; bei Potter wurden sie die zentralen Figuren der Gemälde und fügten sich natürlich in die Landschaft ein. Er war ein genauer Beobachter und besaß bemerkenswerte anatomische Kenntnisse; in seinen Farben erwies er sich als Meister des Dezenten und Geschmackvollen. Auch eine Reihe erstrangiger Radierungen ist überliefert. Seine Bilder hängen unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam, im Louvre und in der Berliner Gemäldegalerie.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/758-pieter-codde,-maler-von-künstlerszenen.html
https://art-depesche.de/malerei/97-adriaan-van-de-velde-landschaftsmaler.html
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Potter,+Paulus
https://www.deutsche-biographie.de/sfz99463.html
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/potter-paulus
https://www.dorotheum.com/de/l/3894454/
https://www.rct.uk/collection/404585/a-young-bull-and-two-cows-in-a-meadow

Paulus Potter, König der Tiermalerei https://art-depesche.de/images/Ein_junger_Bulle_und_zwei_Kuehe_auf_einer_Weide.jpg Ruedi Strese