static-aside-menu-toggler
gkSearch
Henry Raeburn „Porträt von Ms. Eleanor Urquhart“ (Öl auf Leinwand, ca. 1793, 75 cm x 62 cm, National Gallery of Art Washington)

Berlin – Britische Maler wie Joshua Reynolds, William Hogarth und Thomas Gainsborough hatten sich im 18. Jahrhundert bereits von barocken Vorbildern gelöst und eine neue Entwicklung eingeleitet, welche in die Romantik münden sollte. Etwa 50 Jahre später trat ein Schotte auf den Plan, welcher deren Ansätze fortführte und in seinem Metier der Porträtmalerei unter den Briten seiner Epoche vielleicht die bedeutendsten Leistungen vollbrachte. Heutemöchten wir diesen Mann, namentlich Henry Raeburn, unseren Lesern vorstellen.

Geboren wurde er 1756, also eine Generation vor den ersten echten britischen Romantikern wie John Constable oder William Turner, und zwar im nahe Edinburgh gelegenen und heute zur Stadt gehörenden Dorf Stockbridge. Mit 15 Jahren ließ er sich zunächst in Edinburgh an George Heriot’s School, der um 1600 vom damaligen königlichen Goldschmied George Heriot gegründeten Schule, von James Gilliland, zum Goldschmied ausbilden und kam schließlich über Gravuren zur Malerei, welcher wohl schon länger seine eigentliche Liebe gegolten hatte.

Dabei war er zunächst weitgehend Autodidakt, doch im Alter von 24 Jahren machte er eine gute Partie: Er heiratete eine reiche Witwe, was ihm erlaubte, eine längere Studienreise (1784-86) nach Rom zu unternehmen. Zunächst sprach er jedoch in London bei Sir Joshua Reynolds, dem berühmtesten britischen Porträtisten seiner Zeit und Präsidenten der Royal Academy, vor. Reynolds gab Raeburn Hinweise, worauf er seinen Schwerpunkt legen solle, riet insbesondere zum Studium der Werke Michelangelos, und gab ihm mehrere Empfehlungsschreiben mit.

Er kam in engen Kontakt mit dem bekannten Porträtkünstler Pompeo Batoni sowie seinem schottischen Landsmann, dem akademischen Historien- und Porträtmaler Gavin Hamilton, beide beeinflußten sein Schaffen. 1787 kehrte er nach Edinburgh zurück und begann seine überaus erfolgreiche Karriere als Porträtist.

Er verband schnelles Arbeiten mit Genauigkeit. Das Ergebnis sind sehr natürliche und menschliche Bilder, die der Wirkung des Lichtes große Beachtung schenken und bisweilen an Frans Hals erinnern. Überliefert sind auch Tier- und Genrebilder. Besonders berühmt ist ein unsigniertes Gemälde in der Schottischen Nationalgalerie Edinburg, betitelt „Reverend Robert Walker beim Schlittschuhlaufen“. Allerdings ist ausgerechnet dessen Zuschreibung an Raeburn mehr als fragwürdig, mittlerweile wird eher sein französischer Zeitgenosse Henri-Pierre Danloux, welcher sich für einige Zeit in Edinburgh aufhielt, als Urheber vermutet.

Diese Authentizitätsdebatte des 20. und 21. Jahrhunderts indes interessierte Raeburn zu Lebzeiten überhaupt nicht. Er war ein überaus anerkannter Maler, welcher regelmäßig Werke an die Ausstellungen der Royal Academy of Arts sandte, 1815 auch zum vollen Akademiemitglied und 1820 zum Fellow der Royal Society of Edinburgh gewählt wurde.

1822 wurde er gar von König Georg IV. in den Ritterstand erhoben und erhielt den Titel des „Malers Seiner Majestät in Schottland“. Er starb 1823 in Edinburgh. Trotz seiner engen Beziehung zur Royal Academy in London blieb er seiner schottischen Heimat verbunden, entschied sich, trotz der besseren Karrieremöglichkeiten, gegen eine Umsiedlung nach London. Er zählt zu den beliebtesten schottischen Künstlern, und so wurde die Debatte, ob das Bild des schlittschuhlaufenden Reverend in Wahrheit gar nicht Raeburns Schöpfung sei, in Schottland mit eher mäßiger Begeisterung aufgenommen.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/sir-henry-raeburn/
https://www.nationalgalleries.org/art-and-artists/artists/sir-henry-raeburn
https://www.nga.gov/collection/artist-info.1811.html
http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/scotland/4315433.stm

Henry Raeburn – Porträtist aus der schottischen Vorromantik https://art-depesche.de/images/Portraet_von_Ms_Eleanor_Urquhart.jpg Ruedi Strese