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Domenico di Bartolo „Madonna dell' Umiltà“ (Fresko, 1433, Pinacoteca Nazionale, Siena)

Berlin – Die Schule von Siena wirkte vom späten 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, in der Übergangsepoche von der Spätgotik zur Frührenaissance. Einer ihrer späteren Vertreter war Domenico di Bartolo, dem unser heutiger Teil unserer kunstgeschichtlichen Lebensbilder gewidmet ist.

Zur Welt kam Domenico Ghezzi di Bartolo um das Jahr 1400, vielleicht auch 1405, wie bei den meisten seiner Zeitgenossen wissen wir es nicht genau, in der Gemeinde Asciano bei Siena, im Herzen der Toskana. Laut Giorgio Vasari soll er Neffe und Lehrling von Taddeo di Bartolo in Siena gewesen sein. Angenommen wird auch eine Zeit als Gehilfe von Lorenzo di Pietro, besser bekannt als Vecchiatta.

Die erste Urkunde, welche vermutlich auf ihn Bezug nimmt, stammt von 1420. Demnach müßte er an der Ausmalung des Doms von Siena beteiligt gewesen sein. 1428 tritt er dann als selbständiger Künstler in der Malerzunft von Siena in Erscheinung, und von da an wird die Quellenlage dichter. Er gilt als am stärksten von der um diese Zeit aufkommenden Florentiner Schule beeinflußter Künstler aus Siena und als einziger, welcher selbst Aufträge aus Florenz erhielt.

1433 malte er ein Gemälde, welches nicht nur als sein erstes dokumentiertes Auftragswerk gilt, sondern als eines der bedeutendsten Tafelbilder der Frührenaissance, die „Madonna dell' Umiltà“. Diese gilt zudem als bester Beleg für die Beeinflussung Domenicos durch die Florentiner Schule; die Nähe zu Donatello, Masaccio oder Filippo Lippi. Das Werk befindet sich heute in der Pinacoteca Nazionale Siena.

1434 fertigte er den Entwurf für das Fußboden-Sgraffitto des Doms von Siena, welches Kaiser Sigismund auf seinem Thron zeigt, und im Folgejahr begann er seine Fresken für die Sakristei des Doms, unterbrach diese Arbeiten jedoch 1438, um nach Perugia zu gehen, wo er den Auftrag über Altargemälde für die Klosterkirche Santa Giuliana erhalten hatte; diese Arbeit ist heute in der Galleria Nazionale dell'Umbria ausgestellt. In Perugia soll er auch Domenico Veneziano begegnet sein.

1437 war zudem ein Altarstück für Asciano enstanden, und 1439/40 begann er seine Fresken für das Hospital Santa Maria della Scala in Siena, welche als seine Meisterstücke betrachtet werden. Der eher zweitrangige Maler Priamo della Quercia soll ihm dabei zur Seite gestande haben. Sie behandeln unter anderem Szenen aus der Geschichte der Institution, welche heute als Museum genutzt wird. Es sind dort Arbeiten zahlreicher alter Meister zu betrachten.

1440 heiratete er eine Antonia di Pace Pannilin, und um 1444 erhielt er den Auftrag für die Überarbeitung älterer Fresken im Palazzo Pubblico zu Siena, doch vollendet wurden diese später von Sano di Pietro, einem weiteren Sieneser Maler. Es gibt Dokumente, die Antonia di Pace Pannilin 1445 als Witwe nennen.

Es sind insgesamt nur wenige Fresken und Tafelbilder Domenicos erhalten. Ihre Bewertung durch Kunsthistoriker geht überraschend weit auseinander. Die einen sehen sie als unoriginell, altbacken, ja ausdrucksarm, andere betonen die Rolle des Künstlers als Wegbereiter der Renaissance und betrachten ihn als einen der interessantesten Künstler der Schule von Siena.

 

Verweise:

http://www.travelingintuscany.com/art/domenicodibartolo.htm
https://artmuseum.princeton.edu/collections/objects/28956
https://artuk.org/discover/artists/domenico-di-bartolo-c-1400c-1445

Aus der Schule von Siena: Domenico di Bartolo https://art-depesche.de/images/Madonna_dell_Umilta.jpg Ruedi Strese