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„Bröhan total!“ (Ausstellungsansicht)

Berlin – Das Bröhan-Museum in Berlin-Charlottenburg, das „Berliner Landesmuseum für Jugendstil, Art déco und Funktionalismus“, gehört zu den liebenswertesten Berliner Museen. Regelmäßig werden dort gut gemachte Ausstellungen gezeigt, welche sich mit Kunst und Kunsthandwerk um 1900 befassen. Derzeit schreiben wir das Jahr 2021: In diesem Jahr wäre Museumsgründer Karl H. Bröhan 100 Jahre alt geworden. Grund für eine Jubiläumsausstellung, welche den Anspruch hat, einen möglichst umfassenden Überblick über die eigenen Bestände zu bieten. Noch bis zum 16. Januar 2022 soll „Bröhan total!“ zu sehen sein. Wir waren für Sie vor Ort.

Die Schau geht über drei Stockwerke, beginnend im Erdgeschoß. Hier erwartet uns tatsächlich ein Sammelsurium, insofern, als der Anspruch, möglichst viel von der Sammlung zu zeigen, einen gewissen Depotcharakter mit sich brachte, worunter die Schönheit der Präsentation spürbar leiden mußte, insbesondere, wenn man die Gediegenheit der gezeigten Objekte bedenkt.

Begleitet von lesenswerten Texten über Entstehung und Konzept der Sammlung, welche nach Karl H. Bröhans expliziter Aussage den Zeitraum von 1889 bis 1939 umfassen sollte, kommen vor allem Liebhaber exklusiver Möbel, Nutzkeramik und Dekoration auf ihre Kosten. Deutlich wird vor allem der Ansatz jener Zeit, welcher die bisweilen eifersüchtig gezogene Grenze zwischen Kunst und Kunsthandwerk bewußt ablehnte.

Oft waren es auch im Bereich „ernsthafter“ Kunst tätige Schöpfer, welche sich mit dem Design von Gebrauchsgegenständen befaßten. Dafür stehen etwa eine Holzbank Heinrich Vogelers, Stühle von Richard Riemerschmid, Porzellantiere nach Entwürfen des Bildhauers Max Esser, ein Wandschirm von Hans Christiansen oder ein Wandteppich aus dem „Arts & Crafts Movement“ von William Morris. Jugendstil, Art Nouveau, Art Déco, Arts & Crafts und Funktionalismus sind die vertretenen Strömungen. Malerei gibt es hier kaum, erwähnt sei jedoch eine Gouache mit Mohnblumen von Karl Hagemeister.

Dafür geht es im ersten Obergeschoß in dieser Hinsicht zur Sache; wir bekommen über mehrere Räume einen bedeutenden Teil des ausschließlich Arbeiten von Künstlern der Berliner Secession beinhaltenden Sammlungsbestandes zu sehen. Der erste dieser Räume widmet sich der politischen Grafik u.a. von Hans Baluschek, George Grosz, Julie Wolfthorn, Käthe Kollwitz und Willy Jackel.

Weiter geht es dann mit den Gemälden. Der Symbolist Martin Brandenburg ist mit seinem Hauptwerk „Die Windsbraut“ dabei; das Pastell „Die Stunde der Nacht und des Morgens“ erinnert stark an Odilon Redon. Zu dem stark sozialkritisch orientierten Hans Baluschek gab es im Haus erst kürzlich eine Einzelausstellung; auch diesmal haben es bekannte Arbeiten wie „Berliner Rummelplatz“ und „Eisenwalzwerk“ an die Wände geschafft. Ebenfalls zu sehen sind Bilder von Hugo von Habermann, Paul Bach, Franz Skarbina und Maria Slavona.

Walter Leistikow und Karl Hagemeister gehören zu den bedeutendsten Meistern der deutschen Landschaftsmalerei um 1900. Die Betrachtung ihrer Werke ist jedesmal ein Genuß. Hagemeister fand mit seinen Kleinstausschnitten von Landschaften, welche er etwa in Echtgröße auf die Leinwand brachte, seinen völlig eigenen, grob dem Impressionismus zuzurechnenden, Stil. Das Haus verfügt über eine Reihe bedeutender Arbeiten, darunter das atemberaubende „Teich in der Mark“. Von Leistikow sehen wir u.a. seine melancholisch-zurückhaltenden Darstellungen märkischer Waldseen, doch auch das sichtlich vom japanischen Holzschnitt beeinflußtes Meisterwerk „Der Hafen“; tatsächlich seit Jahren eines der Lieblingsgemälde des Schreiberlings.

Der letzte Raum der Malerei zeigt vor allem Gemälde des Expressionisten Willy Jaeckel und lohnt sich insbesondere wegen der überraschenden Vielseitigkeit der gezeigten Arbeiten, vom zarten Blumenbild bis zur düster-expressiven Vedute. Eine Gebirgslandschaft scheint unmittelbar von Ferdinand Hodler beeinflußt. Ebenfalls sehen wir zwei Bilder Franz Heckendorfs in einem recht rohen, impressionistisch beeinflußten Stil, sowie einige von Bernd Krauskopf, die entfernt an den Blauen Reiter erinnern. Dann geht es wieder zum Kunsthandwerk, dokumentiert wird die Diskussion um die „schöne Linie“ des Jugendstils zwischen ihren Zeitgenossen.

Das dritte Obergeschoß zeigt als Abschluß Produkte der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) unter Leitung von Theo Schmuz-Baudiß, welcher auch mit einem Gemälde vertreten ist und in seiner Funktion als Entwerfer und schließlich künstlerischer Direktor der Werke entscheidend zur Popularisierung des Jugendstils beitrug. Wir verzichten auf weitere Details, doch betonen, daß es hier wirklich Außergewöhnliches zu sehen gibt.

Abschließend sei noch einmal betont, daß ausschließlich Hauseigenes präsentiert wird. Wer das Bröhan-Museum regelmäßig besucht, wird also das Meiste schon kennen. Nichtsdestotrotz für Liebhaber der Epoche empfehlenswert. Das Museum empfiehlt das Buchen von Online-Zeitfenstertickets. Der Preis beträgt regulär 8,-, ermäßigt 5,- €. Das Bröhan-Museum befindet sich in der Schloßstraße 1a in 14059 Berlin (in der Nähe des Schlosses Charlottenburg). Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.broehan-museum.de/ausstellung/broehan-total/
https://www.kulturstiftung.de/der-sammler-karl-h-broehan-der-entdecker/
http://www.broehan.de/Museum/KHBrohan/khbrohan.html
https://art-depesche.de/malerei/642-hans-baluschek-zum-150-retrospektive-im-bröhan-museum.html
https://art-depesche.de/malerei/359-landschaften-von-hagemeister-und-leistikow-im-bröhan-museum.html

Sonderausstellung zum 100. Geburtstag Karl H. Bröhans https://art-depesche.de/images/Broehan_total.jpg Ruedi Strese