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Carlo Mancini „Sonnenuntergang über den Pyramiden“ (Öl auf Karton, 1875)

Berlin – Der Orientalismus war eine populäre Strömung der Malerei des 19. Jahrhunderts, welche in ganz Europa einschließlich seines nordamerikanischen Ablegers Verbreitung gefunden hatte. So befaßten sich der Russe Wassili Polenow, der Deutsche Eugen Bracht, der Franzose Jean-Léon Gérôme oder auch der Amerikaner Frederick Arthur Bridgman zumindest zeitweise vorrangig mit Motiven Vorderasiens und Nordafrikas. Auch Italien entsandte einen fähigen Vertreter in diesen Reigen. Dieser hieß Carlo Mancini und ist Thema der heutigen Folge unserer Reihe kleiner Künstlerbiografien.

Es finden sich in den Weiten des Netzes selbst auf Italienisch wenige Informationen zu diesem Künstler, doch fassen wir die uns verfügbaren zusammen und liefern damit zwar nichts substantiell Neues, doch immerhin den ersten Text zum Thema in deutscher Sprache.

Geboren wurde er 1829 in Mailand in einer, so heißt es einmütig, „vornehmen und uralten Familie“. Diese Familie war mit zahlreichen bekannten Persönlichkeiten ihrer Zeit verbunden, und die damals bedeutendsten italienischen Komponisten, namentlich Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und Giuseppe Verdi, gehörten zu den regelmäßigen Besuchern. Eine enge Freundschaft entstand mit Arrigo Boito, einem umfassend gebildeten Mann, der heute vor allem noch für seine Libretti zu Verdi-Opern einen Namen hat.

Der heuer völlig vergessene Mailänder Maler Rinaldo Barbiano di Belgioso (1801-1849), ein Onkel mütterlicherseits, soll die Initialzündung geliefert und den Jungen zum Malen inspiriert haben. Über seine Ausbildung wissen wir kaum etwas, der Name erscheint in keiner Studentenliste, das einzige Schriftstück diesbezüglich ist eine Abschlußarbeit eines Kurses bei Giuseppe Bisi, damals stellvertretendem Leiter der berühmten Mailänder Accademia di Brera, von 1857, weshalb eine außerakademische Lernzeit bei Bisi angenommen wird. Ein Porträt von Antonietta Bisi, der Tochter des Lehrers, mag als Indiz dafür dienen.

Studienreisen führten ihn in die Bretagne und die Normandie, und der in jenen Jahren entwickelte Stil lag zwischen zeitgenössischem Realismus und spätromantischer Lichtauffassung, wobei besonders die großen englischen Landschafter seinen Zeit einen nachhaltigen Eindruck hinterließen. Im Jahr 1867 konnte er schließlich ein Werk auf der Pariser Weltausstellung präsentieren, und die nächsten Jahre brachten eine recht erfolgreiche Ausstellungstätigkeit, welche bis 1875 andauerte und ihm wohlwollende Kritiken einbrachte. Auch eine Reise nach Schottland ist überliefert.

Dann zog er sich aus der offiziellen Kunstwelt zurück (beteiligte sich jedoch an weiterhin an Veranstaltungen der Accademia di Brera), und begann ausgiebige Reisen nach Ägypten, Arabien, Indien, Thailand, Burma und China. Dabei blieb er schöpferisch tätig. Hunderte Skizzen entstanden bei diesen Reisen, welche er jedoch zu Lebzeiten in einer Eisentruhe verschlossen der Öffentlichkeit vorenthielt. Erst nach seinem Tod in Mailand 1910 wurden sie entdeckt und 1929 schließlich der Galleria Moderna d'Arte als Spende überlassen. Der Großteil seines Werkes sind Aquarelle, doch sind auch einige Ölgemälde bekannt. Zu sehen sind Mancinis Arbeiten unter anderem in der Gallerie di Piazza Scala (Mailand) und der Pinacoteca di Brera (ebenfalls Mailand).

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/carlo-mancini/
https://www.dorotheum.com/de/k/carlo-mancini/
http://www.hellenicaworld.com/Art/Paintings/en/CarloMancini.html
https://www.compro-antiquariato.it/carlo-mancini-valutazione-dipinti/
https://www.galleriarecta.it/autore/mancini-carlo/
https://www.treccani.it/enciclopedia/carlo-mancini_(Dizionario-Biografico)

Ein italienischer Orientmaler: Carlo Mancini https://art-depesche.de/images/Sonnenuntergang_ueber_den_Pyramiden.jpg Ruedi Strese