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„Die Sammlung Solly 1821–2021. Vom Bilder-„Chaos“ zur Gemäldegalerie“ (Ausstellungsansicht)

Berlin – Die meisten großen öffentlichen Kunstsammlungen wären ohne die Beiträge privater Sammler und Mäzene wohl bedeutend ärmer; Sammlungsgeschichte ist in der Regel auch die Geschichte von Sammlern.

Im November 1821 hat die Stadt Berlin eine einzigartige Sammlung erworben, nämlich die des britischen Kaufmannes Edward Solly. Sie bildete den Grundstück der heutigen Gemäldegalerie, und angesichts dieses 200jährigen Jubiläums haben wir es nun mit einer bis zum 16. Januar 2022 zu sehenden Sonderausstellung „Die Sammlung Solly 1821–2021. Vom Bilder-„Chaos“ zur Gemäldegalerie“ zu tun, welche die ART DEPESCHE, ihre Vorbildfunktion wahrnehmend, für ihre Leser besichtigte.

Seinen Reichtum hatte Solly (1776-1884) vornehmlich durch den Handel mit Holz und Getreide zusammengetragen, und nun investierte er ihn in Gemälde. Er muß einem wahren Kaufrausch verfallen gewesen sein: Allein in den Jahren 1813-18, welche er in Berlin verbrachte, soll er über 3.000 Gemälde zumeist deutscher, niederländischer und italienischer Künstler erstanden haben.

Sein Interesse galt dabei zunächst der Landschafts- und Genremalerei des 17. Jahrhunderts, doch standen ihm ab 1817 keine Geringeren als Aloys Hirt und Karl Friedrich Schinkel beratend zur Seite, worauf er sein Augenmerk auf die Kunst von Spätmittelalter und Renaissance verlagerte, welche damals durch die Auflösung kirchlicher Bestände sehr günstig zu haben war.

Dennoch schaffte er es, in Geldnot zu geraten, und so verkaufte er seine Sammlung 1819 an den preußischen Staat, wobei beim Einfädeln des Deals wieder Hirt und Schinkel eine wesentliche Rolle spielten. Freilich möchte die ART DEPESCHE nicht unterstellen, daß sie den armen Solly absichtlich in Geldnöte führten, jedoch kann der Nutzen für Berlin und Preußen nicht hoch genug veranschlagt werden.

Die Gemälde aus der Sammlung verteilen sich auf das gesamte Haus, wurden durch kleine Täfelchen kenntlich gemacht, doch in Saal V und Kabinett 5 wurden einige der insgesamt 3012 Werke gezielt zusammengestellt und mit zum Teil sehr interessanten Anekdoten versehen. Insbesondere Aloys Hirt glänzte durch zahlreiche falsche Zuschreibungen. So besitzt die Gemäldegalerie zwei Fassungen von Jan Gossaerts „Adam und Eva“, wobei eine das Original ist und eine eine spätere Kopie. Ursprünglich war das Original für die Kopie gehalten worden, et vice versa. Hans Malers Bildnis der Anna von Ungarn wiederum wurde zunächst für ein Porträt der Anne Boleyn gehalten, gemalt von Holbein.

Aus der Sammlung Solly kommt auch Raffaels frühe „Maria mit dem Kinde“ (1502), der erste Raffael, welcher je in Berlin zur Schau gestellt wurde. Und wie viele bedeutende Werke mit dieser Sammlung nach Berlin kamen! Sandro Botticelli, Giotto, Andrea Mantegna, Giovanni Bellini, Hans Holbein der Jüngere, Tizian, Rogier van der Weyden, Lucas Cranach (beide), Domenico Ghirlandaio, Filippo und Filippino Lippi, Lorenzo di Credi, ...

1821 gingen also nach langen Verhandlungen all diese Gemälde an den preußischen Staat über. Gesichtet und nach Epochen geordnet wurden sie 1823 zunächst von Aloys Hirt, dessen Zuschreibungen ab 1830 durch Gustav Friedrich Waagen revidiert wurden; dieser war zum ersten Direktor der in jenem Jahr gegründeten Gemäldegalerie geworden, welche sich damals im heutigen Alten Museum befand ...

.. und 1998 an ihren heutigen Standort im Kulturforum umzog. Dort sind wir jetzt also, und können dankbar sein, daß Hirt und Schinkel einen englischen Kaufmann dazu gebracht haben, seinen in Gemälde übersetzten Reichtum Preußen zu überlassen.

Derzeit ist der Eintrittspreis für den Besuch des Hauses wegen durch die Erneuerung des Lichtkonzeptes begründete Teilschließung (wir berichteten) auf 8,- bzw. ermäßigt 4,- € reduziert; die Zeitfenstertickets sollten auf der Seite des Museums erworben werden. Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz 1 in 10785 Berlin. Geöffnet hat sie von Dienstag bis Freitag von 10-18 und am Sonnabend und Sonntag von 11-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/die-sammlung-solly-1821-2021/
https://art-depesche.de/malerei/822-neues-lichtkonzept-teilschließung-der-gemäldegalerie-bis-september-2023.html

Ausstellung: Die Sammlung Solly in derGemäldegalerie https://art-depesche.de/images/Solly_18212021.jpg Ruedi Strese