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Konrad Witz „Der wunderbare Fischzug“ (linker Außenflügel des Petrusaltars, Tempera auf Tannenholz, 1444, 132 cm × 154 cm, Musée d’art et d’histoire Genf)

Berlin – Erst seit 1897 ist er uns namentlich bekannt, und seither offenbarte er sich als ein außergewöhnlicher Meister der Übergangszeit von der Spätgotik zur Frührenaissance. Ein Zeitgenosse Jan van Eycks, durch den er möglicherweise beeinflußt war, kann er in seiner Bedeutungs für die Fortentwicklung der Kunst als „Jan van Eyck“ Oberdeutschlands betrachtet werden.

Wie bei den Alten Meistern häufig, ist uns der Lebensweg nur bruchstückhaft überliefert. Geboren wurde er um 1400, wahrscheinlich in Rottweil. Über seine Ausbildung ist nichts wirklich bekannt; Wanderjahre in Burgund und den Niederlanden sowie eine Studienreise nach Italien bleiben letztlich Vermutungen.

Jedenfalls war er bereits ein großer Künstler, als er nach Basel kam, wo von 1431-49 das Baseler Konzil tagte. Durch dieses wurde die Stadt zu einer Goldgrube und wohl auch Begegnungsstätte für Künstler aus Landen nördlich und südlich der Alpen, wodurch Ideen der italienischen Frührenaissance in den Norden gekommen sein könnten. In der ältesten bekannten Quelle, den Baseler Urkundenbüchern von 1434, taucht er als „Meister Konrad aus Rottweil“ auf. In jenem Jahr wurde er in die dortige „Zunft zum Himmel“ aufgenommen, und im Folgejahr erhielt er das Baseler Bürgerrecht. Auch in die örtliche Lukasgilde fand er Aufnahme.

1441 beauftragte ihn die Stadt mit Wandmalereien für das Kornhaus, welches jedoch 1936 zerstört wurde; er führte sie gemeinsam mit dem bekannten Maler Niklaus Ruesch aus. 1443 erwarb er in Basel ein Eigenheim, das bis heute bestehende „Haus zum Pflug“. Seit 1445 (auch zu lesen: 1447) zahlte seine Frau Ursula, Nichte Niklaus Rueschs, als Witwe die Wochensteuer. Von den fünf gemeinsamen Kindern erreichte nur eine Tochter das Erwachsenenalter, sie trat in ein Kloster der Dominikanerinnen ein.

Sämtliche bekannten Gemälde Witz' entstanden in seinen letzten zwölf Lebensjahren. Das Werk, welchem er seine Entdeckung als großer Meister verdankte, ist der Petrusaltar, nach seinem Fundort auch als Genfer Altar bezeichnet. Es war der Baseler Kunsthistoriker Daniel Burckhardt-Werthemann, welcher die Inschrift „hoc opus pinxit magister conradus sapientis de basilea mccccxliiii“ („Dieses Werk malte Meister Konrad Witz aus Basel 1444“) entdeckte. Der Altar war ursprünglich für die Genfer Kathedrale St. Peter geschaffen wurden, heutebefindet er sich im Musée d’art et d’histoire zu Genf.

Besonders bemerkenswert ist der linke Außenflügel, „Der wunderbare Fischzug“. Die neutestamentliche Szene, welche eigentlich am See Genezareth spielt, wurde vom Meister an den Genfer See verlegt, im Hintergrund sind die Berge Le Môle und Petit Salève erkennbar. Es handelt sich bei diesem Bild mit dem herrlich stimmungsvollen Landschaftshintergrund um das erste bekannte europäische Landschaftsgemälde, welches eine genaue topografische Zuordnung ermöglicht.

Wir wollen erwähnen, daß dieser Altar das einzige durch Signatur klar zugeordnete Werk Witz' ist, alle anderen sind spätere Zuschreibungen aufgrund stilistischer Nähe und/oder Hinweise in Dokumenten. Bemerkenswert ist die für jene Zeit im deutschen Sprachraum sehr ungewöhnliche Tiefe des Raumes, wenn auch nicht gerade von perspektivischer Genauigkeit gesprochen werden kann.

Neben dem Christusaltar werden Witz die auf verschiedene Museen verteilten zwölf Tafelbilder des „Basler Heilsspiegelaltars“ zugeschrieben, außerdem vier Einzelbilder. Sie finden sich unter anderem im Kunstmuseum Basel und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Weitere Bilder sind unsichere Zuschreibungen oder dürften aus der Werkstatt des Meisters stammen.

Die Frage, ob Konrad Witz den etwa zehn Jahre älteren Jan van Eyck gekannt haben könnte, oder auf eigene Faust seinen verwandten Stil entwickelt haben mochte, wurde diskutiert, doch nicht abschließend geklärt. Möglich auch, daß das die Verbreitung neuer Ideen ermöglichende Künstlernetzwerk damals deutlich stärker war, als allgemein angenommen. Daß wir es bei Konrad Witz mit einem großen Meister und Pionier zu tun haben, ist indes mittlerweile unbestritten.

 

Verweise:

https://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4024238
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Witz,+Konrad
https://www.basler-bauten.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=157:pfluggaesslein&catid=50&Itemid=120

Konrad Witz – deutscher Meister zwischen Spätgotik und Frührenaissance https://art-depesche.de/images/Der_wunderbare_Fischzug.jpg Ruedi Strese