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Ferdinand Keller „Lady Absinth“ (Öl auf Leinwand, 1901, 89 cm x 119 cm, Palais Dorotheum Wien)

Berlin – Er beherrschte das Exotisch-Lichte wie das Klassisch-Heroische und das Unheimlich-Mystische. Ferdinand Keller gehörte zu den führenden deutschen Malern des Historismus. Wie andere Vertreter seines Metiers war er ein äußerst akribischer Techniker. Thematisch war sein Werk durchaus vielseitig: Antike und Mythologische Themen behandelte er gerne in einem düsteren Symbolismus im Geiste Böcklins, doch verdanken wir ihm ebenso repräsentative Salonmalerei oder Darstellungen tropischer Strände.

Geboren wurde er 1842 in Karlsruhe als Sohn eines Bauingenieurs. Als dieser 1857 nach Brasilien ging, wo er Flußregulierungen und Brückenbauten durchführen sollte, ging der Sohn mit ihm. Fasziniert von der exotischen Landschaft, begann er zu zeichnen; bereits als 15jähriger zeigte er hierin außergewöhnliche Begabung. Hunderte von präzisen und gleichzeitig stimmungsvollen Zeichnungen soll er in den vier Jahren angefertigt haben; sie sollten später als Vorlage so manchen Gemäldes dienen.

Nach Karlsruhe zurückgekehrt, begann Keller 1862 sein Studium an der dortigen Kunstakademie. Er besuchte zunächst die Zeichenklasse Karl Schicks, dann die Landschaftsklasse des Direktors Johann Wilhelm Schirmer, eines der bedeutendsten deutschen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Nach Schirmers Tod 1863 besuchte er Kurse bei dem norwegischen Landschafter Hans Gude sowie dem Historienmaler Ludwig Des Coudres, fand jedoch daran keinen rechten Gefallen, setzte stattdessen ab 1864 seine Studien bei dem Wiener Hans Canon fort, welcher sich stark an alten Meistern orientierte, wobei sowohl von Privatunterricht als auch von Unterricht an der Akademie zu lesen ist. Canon führte Keller in die Figurenmalerei ein und prägte sein Verständnis von Farbgebung nachhaltig.

Auf Studienreisen nach Frankreich und in die Schweiz 1866 folgte 1867-69 ein Aufenthalt in Rom. Victor von Scheffel machte ihn mit Anselm Feuerbach bekannt, der ihn nicht nur stilistisch stark beeinflußte, sondern mit welchem er sich auch privat anfreundete. Beide malten zusammen das Monumentalgemälde „Das Urteil des Paris“, welches 1870 auf der Berliner Herbstausstellung zu sehen war und sich heute in der Hamburger Kunsthalle befindet.

1870 wurde Keller eine Lehrstelle für Porträt- und Historienmalerei in Karlsruhe angeboten. Er nahm an und blieb dem Haus den Rest seines Lebens treu, obgleich mehrere andere Lehranstalten ihn ebenfalls für sich gewinnen wollten. 1873 erhielt er den Professorentitel. Unter seinen bekannteren Schülern in den Jahren würden Carl Geist, Wilhelm Nagel, Karl Rauber und Erwin Emerich sein. 1880 bis 1913 war er gar Direktor der Akademie.

Sein Werk läßt sich in Folge in zwei Hauptgruppen einteilen: Auf der einen Seite steht repräsentative Malerei, welche mit der Kunst Hans Makarts oder Karl von Pilotys zu vergleichen ist. Es entstanden historische Szenen und Porträts bekannter Persönlichkeiten, darunter der drei deutschen Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. Auf der anderen Seite stehen mythisch aufgeladene Landschaften bzw. mythologische Szenen, welche unverhohlen von Arnold Böcklin beeinflußt sind, etwa „Insel der Toten“ oder unser Titelbild „Lady Absinth“, ebenso „Böcklins Grab“ (1901-02).

Mit all diesem Schaffen war er überaus erfolgreich, was ihm auch die Adelung durch den württembergischen König ausdrückte. Er starb 1922 in Baden-Baden. Wir hatten mehrfach darauf hingewiesen: Der Eklektizismus der akademischen Malerei der Gründerjahre hat heute einen eher schlechten Ruf. Doch malen konnten Künstler wie Karl von Piloty, Anton von Werner oder eben Ferdinand von Keller, und üblicherweise waren sie in ihrem Schaffen auch keineswegs auf die gewaltigen Repräsentationsgemälde beschränkt. Es lohnt sich, sich vom derzeit üblichen Urteil nicht allzusehr beeindrucken zu lassen und selbst einen Blick auf ihre Gemälde zu werfen.

 

Verweise:

https://www.deutsche-biographie.de/gnd118561065.html#ndbcontent
https://ka.stadtwiki.net/Ferdinand_Keller
https://online-sammlung.hamburger-kunsthalle.de/de/objekt/HK-1465/das-urteil-des-paris?term=&filter%5Bfacet_obj_artistName%5D%5B0%5D=Anselm Feuerbach&context=default&position=0

Ferdinand von Keller – zwischen Böcklin und Wilhelminismus https://art-depesche.de/images/Lady_Absinth.jpg Ruedi Strese