static-aside-menu-toggler
gkSearch
Alessandro Magnasco „Rast der Banditen“

Berlin - Alessandro Magnasco war zweifelsohne einer der eigenständigsten Maler des späten italienischen Barock; genaugenommen scheint dieser stilistische Exzentriker nicht recht in seine Zeit zu passen.
Geboren wurde Magnasco, später wegen seiner Gestalt auch als „il Lissandrino“ („der kleine Alessandro“) bekannt, im Jahr 1667 in Genua. Sein Vater Stefano war bereits Maler gewesen, er hatte bei Valerio Castello (1624-1659) gelernt und gab nun sein Wissen an den Sohn weiter. Dieser ging später nach Mailand, wo er bei Filippo Abbiati (1640-1715) Unterricht nahm. Bis auf einige Jahre, in welchen er in Florenz im Dienste des Großherzogs der Toskana, Cosimi III. de’ Medici stand, verbrachte er den Großteil seiner Schaffenszeit in Mailand, bis er 1735 zurück in seine Heimatstadt ging, wo er 1749 starb.

Sein Frühwerk soll durch Porträts bestimmt worden sein, von denen jedoch kaum noch etwas erhalten ist - der Nachwelt blieb er durch seine späteren Gemälde ein Begriff. In erstaunlich kleinen Formaten malte er düstere, stimmungsvolle Szenen.
Den Hintergrund bilden schaurige Landschaften, Ruinen, dunkle Interieurs. In Verliesen wird gefoltert, Schausteller üben mit einem sprechenden Raben, Banditen lagern in einem verfallenen antiken Monument. Die Figuren, durch typisches Helldunkel hervorgehoben, wirken oft grotesk verzerrt. Ob Goya Magnascos Bilder kannte? Der Pinselstrich ist wild, spitz und kraftvoll. Es finden sich Ansätze, die später in der Romantik, im Impressionismus, im Expressionismus ihre Fortführung fanden.
Stilistische Verwandtschaft wird zum eher großangelegten Werk Marco Riccis und den stimmungsvollen Arbeiten Francesco Guardis festgestellt. Es ist jedoch umstritten, wer hier wen beeinflußt hat; auch ein wechselseitiger Einfluß liegt ja durchaus im Bereich des Denkbaren.

Das Zeitalter, in welchem die individuellen Genies im Mittelpunkt standen, folgte erst 100 Jahre später, bekannt als Romantik (mit einer Blaupause im Sturm und Drang). Magnasco kann mit seinen außergewöhnlichen, grotesk-mythischen Arbeiten als ein Vorläufer dieser Periode gelten.

Alessandro Magnasco - ein spätbarocker Phantast https://art-depesche.de/images/Alessandro_Magnasco_-_Halt_of_the_Brigands_-_WGA13844_1024px.jpg Ruedi Strese