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Georges Lebacq „Schnee in Brügge“ (Ölskizze, 1919)

Berlin – Seine Bekanntheit beschränkt sich auf Belgien und Frankreich, in Deutschland dürften wohl allenfalls Spezialisten mit seinem Werk vertraut sein. Bewunderern spät- und postimpressionistischer Malerei dürften die liebenswerten Landschaften und Stilleben aber zusagen, und so möchten wir unsere Lesern ermutigen, dem Schaffen von Georges-Émile Lebacq ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Geboren wurde er 1876 in der wallonischen Stadt Jemappes. Er war zunächst Autodidakt, begann 1896 zu malen, wobei die frühesten Werke vornehmlich Porträts waren. In frühen Jahren (die genaue zeitliche Einordnung ist uns leider nicht bekannt) teilte er sich das Atelier in Brügge mit Louis Reckelbus, dem späteren Kurator des Groeningemuseums. Gleichzeitig versuchte er sich als Dichter, seine Gedichte erschienen in der symbolistischen Zeitschrift „Le Coq rouge“. In diesem Zusammenhang machte er auch die Bekanntschaft mit James Ensor.

1899 war er an der Gründung der in Brüssel herausgegebenen Zeitschrift „Le Thyrse“ beteiligt und war somit bestens in avantgardistische Schriftstellerkreise eingebunden. In jenen Jahren veröffentlichte er auch zwei Gedichtbände, „Nuits Subversives“ und „Irrésolvables“. 1907 verließ er jedoch „Le Thyrse“, um sich nun ganz der Malerei zu widmen.

Mit seiner Familie bereiste er Italien, Algerien und den Nahen Osten und ließ sich schließlich in Frankreich, genauer in Cagnes-sur-Mer bei Cannes, nieder. Er freundete sich mit dem lokalen Maler Louis Pastour an, einem ebenfalls weitgehend vergessenen Postimpressionisten, wohnte in der Nähe eines Olivenhains, den Pierre-August Renoir gekauft hatte, um ihm die Fällung zu ersparen. Überhaupt sollte sich seine malerische Karriere hauptsächlich in Frankreich abspielen, nur bisweilen durch Aufenthalte in Belgien unterbrochen.

Der größte Einschnitt war der Weltkrieg. Er meldete sich 1915 als Freiwilliger und fand Verwendung als Kriegsmaler in der künstlerischen Abteilung des belgischen Heeres; als solcher nahm er 1917 in der Schweiz auch an einer Ausstellung belgischer Kriegsmaler teil. Als er nach dem Krieg sein Atelier in Brügge aufsuchte, fand er dies zerstört, und seine Arbeiten waren von deutschen Soldaten gestohlen worden.

Dennoch ließ er sich nicht entmutigen, begann 1920 sogar eine späte Ausbildung an der Académie Julian in Paris. Sein Werk stellt sich uns als recht vielgestaltig dar, umfaßt Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle, Kirchenglasfenster und Ölbilder. Er schuf Veduten, verschiedenste Landschaften, Stilleben, Porträts. Der Hauptteil der uns bekannten Arbeiten kann irgendwo zwischen spätem Impressionismus und Postimpressionismus eingeordnet werden, wobei Lebacq ein eher zurückhaltender Maler war. Die Bilder sind zumeist schlicht, unaufdringlich und harmonisch. Georges-Émile Lebacq starb 1950 in Brügge.

 

Verweise:

http://www2.culture.gouv.fr/public/mistral/joconde_fr?ACTION=CHERCHER&FIELD_2=AUTR&VALUE_2=LEBACQ GEORGES
http://www.artnet.com/artists/georges-emile-lebacq/
https://hmongwiki.de/wiki/List_of_paintings_by_Georges_Lebacq

 

Der wallonische Postimpressionist Georges Lebacq https://art-depesche.de/images/Schnee_in_Bruegge.jpg Ruedi Strese