static-aside-menu-toggler
gkSearch
Wolf Huber „Erlösungsallegorie“ (ca. 1543, 154 cm x 130 cm, Kunsthistorisches Museum Wien)

Berlin – Die „Donauschule“ ist als kunsthistorische Bezeichnung umstritten, da zwischen den so bezeichneten Künstler kaum Schüler-Lehrer-Verhältnisse bestanden. Dennoch kann eine gewisse Verwandtschaft festgestellt werden. Festzustellen ist vor allem eine Wertschätzung der Landschaft, die langsam mehr wird als bloßer Hintergrund. Der Alemanne Wolf Huber spielte dabei eine besondere Rolle.

Über sein Leben wissen wir, wie bei den frühesten Meistern üblich, nicht übermäßig viel, und manche Angaben sind widersprüchlich. Geboren wurde er als Wolfgang Huber zwischen 1485 und 1490 in Feldkirch im Allgäu. Die ersten bekanntem Zeichnungen wurden ab etwa 1502/05 geschaffen. Es handelt sich um Landschaften, welche teils topographisch zuzuordnen, teils der Phantasie entsprungen sind. Angenommen wird hierbei ein Einfluß Lucas Cranachs. Manche der Zeichnungen enthalten religiöse Motive, doch andere sind reine Naturdarstellungen ohne Menschen – es handelt sich um die frühesten nördlich der Alpen. Ein Zeichnung des „Mondsees mit Schafberg“ bei Salzburg von etwa 1510 ist exemplarisch zu nennen.

Nach seinen Wanderjahren kam er etwa 1510 nach Passau und bewarb sich bei Fürstbischof Ernst, welcher ihn in den Dienst nahm. Huber eröffnete eine Werkstatt und litt keinen Mangel an Aufträgen. Als besonders bedeutend gilt der acht Tafelgemälde umfassende „Annenaltar“, den er ab 1515 für seine Heimatstadt Feldkirch schuf. Zu diesem Werk ist bemerkenswerterweise der Arbeitsvertrag überliefert.

Ernst von Bayern ernannte ihn schließlich auch zum fürstbischöflichen Hofmaler und Stadtbaumeister von Passau, wobei die Jahresangaben derart brutal auseinandergehen, daß wir sie lieber gar nicht nennen. Zwischen 1529 und 1531 leitete er den Bau zweier zusätzlicher Trakte im Stil der Renaissance am Schloß Neuburg am Inn, und vermutlich war er auch für das monumentale Grabmal von dessen Besitzer, dem Grafen Nikolaus I. von Salm zuständig.

1539 wurde ihm das Passauer Bürgerrecht verliehen, und mit dem Tod des Fürstbischofs Ernst 1540 übernahm ihn dessen Nachfolger, der Fürstbischof Wolfgang Graf von Salm, in seine Dienste. Er muß in hohem Ansehen gestanden haben: Als er 1553 starb, kümmerte der Fürstbischof persönlich sich um das Wohlergehen der Witwe und setzte Vormünder für die Kindes des Paares ein. Er wurde in Passau beigesetzt.

Der Übergang zwischen Spätgotik und Frührenaissance war im deutschen Raum im Grunde nahezu 100 Jahre zuvor bereits von Konrad Witz eingeleitet worden, doch auch die „Donauschule“ war teilweise noch im Gotischen zu verorten. Witz hatte mit seinem „Der wunderbare Fischzug“ (1444) die erste topographisch bestimmbare Landschaft nördlich der Alpen auf ein Gemälde gebracht, für die „Donauschule“ war dies schon Usus. Huber hatte hierin eine neue Qualität hinsichtlich Tiefe, Atmosphäre und Innerlichkeit erreicht, welche bereits auf die Leistungen der Romantiker vorausweist.

Wenn er auch von Cranach, Michael Pacher und Dürer beeinflußt war, schuf er doch sehr eigenständige, bedeutende Werke. Neben dem „Annenaltar“ sind einige weitere Tafelbilder erhalten, außerdem zahlreiche Zeichnungen und ein paar wenige Holzschnitte. Von seinen Wandbildern existieren nur noch spärliche Reste. Er scheint mit Albrecht Altdorfer, dem zweiten großen Meister der „Donauschule“ in gutem Kontakt gestanden zu haben, und Altdorfer dürfte in seinen bedeutenden Landschaften stark unter dem Eindruck Hubers gestanden zu haben.

 

Verweise:

https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/huber-wolf
https://regiowiki.pnp.de/wiki/Wolf_Huber
https://www.deutsche-biographie.de/sfz57182.html
https://art-depesche.de/malerei/826-konrad-witz-–-deutscher-meister-zwischen-spätgotik-und-frührenaissance.html
https://art-depesche.de/malerei/118-albrecht-altdorfer,-begründer-der-landschaftsmalerei.html

Wolf Huber: Landschafter der süddeutschen Renaissance https://art-depesche.de/images/Erloesungsallegorie.jpg Ruedi Strese