static-aside-menu-toggler
gkSearch
Martín Rico y Ortega „Ansicht von Paris vom Trocadero aus“ (Öl auf Leinwand, 1883, 79 cm x 160 cm)

Berlin – Im weiteren Sinne mag er den Impressionisten zugerechnet werden: Wie diese malte er vorzugsweise im Freien, legte auf das Einfangen des Lichtes besonderen Wert. Dennoch war er ein ganz eigenes und originelles Gewächs. Bleibenden Ruhm erwarb sich der Spanier Martín Rico y Ortega vor allem mit seinen außergewöhnlichen Veduten Venedigs.

Geboren ward er 1833 in El Escorial, Madrid. Er entstammte einer Künstlerfamilie, ersten Unterricht erhielt er von seinem Bruder Bernardino, einem Druckgrafiker. Professionellen Unterricht als Maler bekam er schließlich an der Escuela de Bellas Artes de San Fernando in Madrid bei Jenaro Pérez Villaamil. Dieser hatte die erste Professur für Landschaftsmalerei an der Akademie inne, und seine romantische Malweise wurde zunächst zum Vorbild Martín Ricos. Auch David Roberts und J.M.W. Turner sollen ihn beeinflußt haben.

1860 erhielt er ein Stipendium der Regierung, welches ihm ermöglichte, nach Paris zu gehen. Er bewunderte die Schule der Pleinairmaler von Barbizon, insbesondere Charles-François Daubigny. Er bereiste die ländlichen Gegenden der Schweiz, Englands und Frankreichs und entwickelte sich zu einem Meister der realistischen Landschaftsmalerei, der sich vor seinen Vorbildern von Barbizon nicht zu verstecken brauchte, wie uns Bilder wie „Die Waschfrauen von La Varenne“ (1865) zeigen.

Ab 1864 hatte er regelmäßig am Pariser Salon ausgestellt, und 1866 konnte er dort eine Silbermedaille erringen. Aufgrund des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 kehrte er ins heimatliche Spanien zurück. Einer Einladung seines vor allem als Vertreter des Orientalismus bekannten Malerfreundes Marià Fortuny folgend ging er nach Granada, wo die beiden sowie Fortunys Schwager Ricardo de Madrazo eng zusammenarbeiteten und sich in zahlreichen Aquarellen derart aufeinander zubewegten, daß auch Fachleute Schwierigkeiten mit der genauen Zuordnung bekommen. Es war jedenfalls Fortuny, der Rico die Faszination für das flimmernde Licht des Südens näherbrachte.

Seine Vollendung fand Ricos Schaffen jedoch in Venedig, welches er 1873 während einer gemeinsamen Italienreise mit Fortuny für sich entdeckte. Sie sahen Rom, Florenz und Neapel, doch es war Venedig, in welches Rico sich unsterblich verliebte. Von nun sollte er bis zu seinem Tod (mit einer einzigen Ausnahme) jeden Sommer in dieser Stadt des Lichtes verbringen.

Viele berühmte Künstler besuchten in jenen Jahren Venedig, darunter Claude Monet, Édouard Manet, John Singer Sargent, Federico del Campo und Pierre-Auguste Rénoir. Martín Rico bewegte sich in diesem Umfeld, verband die Tradition der italienischen Vedute von Canaletto oder Francesco Guardi mit zeitgenössischer Pleinairmalerei, architektonische Akribie (bis hin zum Hyperrealismus) mit impressionistischen Lichteffekten.

Gerne malte er vom Fenster seiner Unterkunft im Stadtteil Dorsoduro oder von einer am Ufer vertauten Gondel aus. Insbesondere mit dem Peruaner Federico del Campo pflegte er einen freundschaftlichen Umgang; die beiden vertraten einen jeweils individuellen, doch mit ihren lichten Pleinair-Veduten verwandten Ansatz.

Rico war also nun ein überaus angesehener und erfolgreicher Künstler. 1878 wurde er auf der Weltausstellung in Paris mit einer Bronzemedaille geehrt und zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, bei der Weltausstellung 1889 gewann er die Silbermedaille. Er starb 1908 in Venedig und wurde auf dem Cimitero di San Michele beigesetzt.

 

Verweise:

https://www.museodelprado.es/en/aprende/enciclopedia/voz/rico-y-ortega-martin/274911df-f921-44de-b06f-81d98c001004
https://trianarts.com/maestros-del-paisaje-martin-rico-y-ortega/#sthash.cqeCppNe.dpbs
http://www.artnet.com/artists/martin-rico-y-ortega/
https://web.archive.org/web/20130305103848/
http://smu.edu/meadowsmuseum/about_Rico.htm
https://rehs.com/eng/default-19th20th-century-artist-bio-page/?fl_builder&artist_no=176&sold=1

Martín Rico y Ortega – Maler des Lichts von Venedig https://art-depesche.de/images/VistaDeParisDesdeElTrocaderoMartinRico.jpg Ruedi Strese