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Ernest Meissionier „1814“ (Öl auf Leinwand, 1862, 32,4 cm x 24,2 cm, Walters Art Museum)

Berlin – In Frankreich genießt die repräsentative akademische Malerei heute noch einen weit besseren Ruf als in Deutschland. Künstler wie Léon Bonnat oder Jules Joseph Lefebvre haben als Maler und Kunsterzieher ihren unbestrittenen Platz im kunstgeschichtlichen Kanon. Auch Ernest Meissonier war ein sehr fähiger Künstler, welcher vor allem mit Motiven des späten Absolutismus und um Napoleon Erfolge errang.

Jean Louis Ernest Meissonier wurde 1815 in Lyon als Sohn eines wohlhabenden Fabrikbesitzers geboren. Eigentlich (so beginnen viele Künstlerbiographien) sollte er in die Fußstapfen des Vaters treten, doch war seine bereits in früher Kindheit ausgeprägte Leidenschaft für die Malerei so stark (und sein Talent unverkennbar), daß er die Eltern schließlich erweichen konnte, ihn Malerei studieren zu lassen.

Mit etwa 17 Jahren kam er nach Paris und lernte im Atelier des Klassizisten Léon Cogniet. Besonderen Einfluß hatten auch Holländer wie Anthonis van Dyck oder Peter Paul Rubens, deren Werke im Louvre er kopierte. 1834 begann er, im Pariser Salon auszustellen. Das Gemälde „Bourgeois flamands“ (heute in der Sammlung Wallace) war eine altmeisterlich orientierte Genreminiatur und erfolgreicher Auftakt einer Reihe von Salonbeteiligungen.

Trotz des Respekts der Fachwelt hatte Meissonier zunächst Absatzschwierigkeiten, so daß er sich vor allem als Buchillustrator über Wasser hielt. Seinen finalen Stil und die technische Meisterschaft hatte er Anfang der 1840er Jahre gefunden, und Bilder wie „Die Schachpartie“ (1841) oder „Maler in seinem Atelier“ (1843) fanden begeisterte Aufnahme beim Publikum.

1846 konnte er bereits ein großes Eigenheim in Poissy erwerben, welches als „Grande Maison“ bekannt wurde und gleich zwei Ateliers enthielt, eines für den Sommer und eines für den Winter. Wegen seiner Genre-Miniaturen wurde er auch, nach dem holländischen Genremaler Gabriel Metsu, als „der französische Metsu“ bezeichnet. Dabei orientierte er sich nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch an Vorstellungen bürgerlichen Lebens des 17. und 18. Jahrhunderts; er selbst war der Ansicht, in der falschen Zeit zu leben.

Ein weiteres bedeutendes Gemälde war „La Rixe“ (1855) welches Napoleon III auf der Weltausstellung erwarb und dem englischen Hof vermachte. Königin Victoria schrieb dazu in ihrem Tagebuch: „Wir aßen mit Kaiser und Kaiserin. Die beiden überreichten Albert freundlichst Geschenke, der erstere ein schönes Bild von Meissonier namens „La Rixe“, das schönste Stück der Ausstellung, über welches Albert so entzückt gewesen war ...“

Als Napoleon III 1859 gemeinsam mit Victor Emmanuel II versuchte, die Habsburger aus ihren norditalienischen Territorien zu vertreiben, engagierte er Meissonier als Schlachtenmaler. Dieser war mit dem grausigen Thema gut vertraut; im Bürgerkrieg 1848 hatte er selbst auf republikanischer Seite gefochten und in Folge Szenen von Krieg und Tod auf die Leinwand gebracht.

Das erst 1863 fertiggestellte Auftragswerk „Napoleon III bei der Schlacht von Solférino“ wurde allerdings nicht besonders gut aufgenommen, doch war dies ein Auftakt zu einer ganzen Zahl von Historien- und Schlachtenbildern um Napoleon I und III, und bald war er nicht nur als Genre- sondern auch als Historienmaler etabliert.

1861 wurde er in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen. Er sollte recht wenige Schüler aufnehmen, unter diesen waren Jean Baptiste Édouard Detaille, der deutsche Genremaler Fritz Werner und sein Sohn Jean Charles Meissonier. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 befehligte er ein Regiment. Ab etwa jener Zeit wurde er von der Galerie Georges Petit vertreten, welche sich sehr um seine Promotion bemühte und einige reiche US-Amerikaner als Kunden gewinnen konnte. Auch John Ruskin, der berühmteste britische Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts, war ein Bewunderer Meissoniers und erwarb eine Darstellung Napoleons.

Ein großer Erfolg sollten auch Druckgraphiken nach Vorlagen Meissoniers werden, welche von Frankreichs besten Stechern gefertigt wurden und sich bei Sammlern großer Beliebtheit erfreuten. Seit 1846 Ritter der Ehrenlegion, stieg er in den Jahren danach kontinuierlich auf, und 1889 erhielt er das Große Kreuz. Als 1890 die Société Nationale des Beaux-Art reaktiviert wurde, wurde Meissonier zu ihrem ersten Vorsitzenden ernannt. Allerdings starb er schon im Folgejahr; sein Nachfolger wurde Puvis de Chavannes.

 

Verweise:

https://rehs.com/eng/default-19th20th-century-artist-bio-page/?fl_builder&artist_no=349&sold=1
https://artuk.org/discover/artworks/dutch-burghers-209387
https://www.rct.uk/collection/404872/la-rixe-the-brawl
https://artuk.org/discover/artworks/napoleon-on-horseback-143393

Ernest Meissonier: Aus Frankreichs akademischem Klassizismus https://art-depesche.de/images/Jean-Louis-Ernest_Meissionier.jpg Ruedi Strese