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Domenico Quaglio „Die Kathedrale von Reims“ (Öl auf Leinwand, 1833, 94 cm x 74 cm, Museum der Bildenden Künste Leipzig)

Berlin – Die deutsch-italienische Künstlerfamilie Quaglio brachte vom 17. bis ins 20. Jahrhundert eine beeindruckende Zahl erfolgreicher Maler und Architekten hervor. Der bekannteste von ihnen ist der heutige Kandidat unserer biographischen Reihe. Seine stimmigen und atmosphärischen Gemälde gehören zum besten, was die Romantik an Architekturmalerei hervorgebracht hat.

Zur Welt kam Johann Dominicus Quaglio, genannt Domenico Quaglio II. oder der Jüngere, 1787 als eines von elf Kindern in München. Die Familie stammte ursprünglich aus dem norditalienischen Laino. Sein Vater war der klassizistische Maler und Bühnenbildner Giuseppe Quaglio (1747-1828). Unter seinen Geschwistern konnte es vor allem Lorenzo Quaglio II (1793-1869) mit seinen bäuerlichen Genreszene zu eigenem Ruhm bringen.

Der Vater war seit 1801 Dekorateur am kurfürstlichen Hof- und Residenztheater in München, von ihm erhielt Domenico Unterweisung in Perspektive, Baukunst und Theatermalerei, zudem erhielt er an der Münchner Kunstakademie von Johann Michael Mettenleiter und Carl Heß Unterricht in druckgraphischen Techniken.

Im Alter von nur 16 Jahren fand er Anstellung als Dekorationsmaler am Münchner Hoftheater, ab 1808 war er dann als Hoftheatermaler auf architektonische Szenen spezialisiert und entwarf Bühnendekorationen. 1811/12 bereits veröffentlichte er eine Reihe von Radierungen mit Ansichten besonderer Münchner Gebäude, und in den folgenden Jahren bereiste er die Schweiz, Italien, Frankreich und die Niederlande.

Ihn faszinierten Burgen, Schlösser, Kirchen und Marktplätze, insbesondere die Hinterlassenschaften des Mittelalters. 1819 gab er die Stelle am Hoftheater auf, um sich vorzugsweise der Veduten- bzw. Architekturmalerei in Öl zu widmen.

Er brachte es in diesem Metier so weit, daß er mit Recht als größer Vedutenmaler der deutschen Romantik betrachtet werden kann. Als recht typischem Romantiker hatte es ihm insbesondere die Gotik angetan, und wir verdanken ihm Darstellungen so manche gotischen Gotteshauses, etwa der Dome von Köln, Regensburg, Frankfurt, der Münster von Straßburg, Freiburg und Ulm, der Kathedralen von Rouen und von Reims und viele mehr.

1829 führte ihn ein Auftrag des englischen Architekturforscher Henry Gally Knight für fünf Monate nach Italien, wo er u.a in Rom und Florenz zahlreiche Zeichnungen mittelalterlicher Bauten anfertigte, welche von hohem historischem Wert sind.

1832 beauftragte der Kronprinz Maximilian Quaglio mit dem Wiederaufbau des Schlosses Hohenschwangau (welchem heute das erst ab 1869 errichtete Schloß Neuschwanstein gegenübersteht), welches er von einer Ruine in einen neugotischen Prachtbau verwandeln sollte. Der Architekt Friedrich Ziebland war ihm zur Unterstützung beigestellt.

Die umfangreichen Arbeiten ließen Quaglio allerdings kaum noch Zeit zum Malen. Er begann noch die Ausmalung der Innenräume, doch brach 1837, wohl aus Erschöpfung, kurz vor Vollendung des Schlosses auf der Baustelle zusammen und starb bald darauf, im Alter von nur 50 Jahren. Die vorgesehenen malerischen Arbeiten wurden von Moritz von Schwind ausgeführt.

Domenico Quaglio haben wir also einen bedeutenden Beitrag zur Architekturmalerei zu verdanken, und insbesondere seine zahlreichen akribischen Zeichnungen helfen uns, ein realistisches Bild vieler Bauwerke in jener Zeit zu gewinnen.

Erwähnt sei auch, daß er gemeinsam mit Peter von Hess, Friedrich von Gärtner und Joseph Karl Stieler 1823 den Münchner Kunstverein gegründet hatte und damit den ersten Kunstverein Deutschlands und so dazu beitrug, das Interesse an der Malerei in bürgerlichen Kreisen zu wecken. Von seinen sieben Kindern wurde Tochter Agnes (1821–1854) von ihm selbst zur Landschaftsmalerin ausgebildet.

 

Verweise:

http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Quaglio,+Domenico
https://www.deutsche-biographie.de/sfz75363.html
https://www.dorotheum.com/de/k/domenico-quaglio/
http://www.artnet.de/künstler/domenico-quaglio/
https://www.pinakothek.de/kunst/domenico-quaglio/die-koenigliche-residenz-von-nordosten-im-jahr-1827

Domenico Quaglio, Architekturmaler der Romantik https://art-depesche.de/images/Die_Kathedrale_von_Reims.jpg Ruedi Strese