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Jacopo Amigoni „Bacchus und Ariadne“ (Öl auf Leinwand, ca. 1740, 65 cm x 75,5 cm, Art Gallery of New South Wales)

Berlin – Er sah zu Lebzeiten einen kometenhaften Aufstieg, seine Bilder waren elegant, gefällig und leicht, zierten die Salons des europäischen Adels. Eben jene Gefälligkeit machte seinen Ruhm jedoch vergänglich; unter die ganz großen Meister seiner Epoche wird er nicht mehr unbedingt gezählt. Dennoch sind seine Werke in vielen bedeutenden Sammlungen zu finden.

Über Geburtsjahr und -ort Jacopo Amigonis gibt es Unstimmigkeiten. Älteren Biographien zufolge wurde er 1675 oder 1682 in Venedig geboren, und diese Angaben finden sich auch oft in der gegenwärtigen Literatur. Nach eigenem Zeugnis kam er jedoch 1682 in Neapel zur Welt. Allerdings kam er früh nach Venedig, dem Zentrum des aufkommenden Rokoko. 1711 ist er dort als Mitglied der Malerzunft aufgeführt. Aus jener Zeit ist lediglich ein einziges Bild überliefert. Eine Weile lernte er auch in Flandern und setzte sich mit flämischer Malerei auseinander.

Früh bereits kam er zumindest vorübergehend nach Deutschland, zunächst nach Düsseldorf, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach als Schüler und Gehilfe Antonio Belluccis tätig war. Aus jener Periode sind uns zwar keine Gemälde bekannt, doch sind nicht lange danach in Süddeutschland entstandene Gemälde sehr an Belluccis Stil orientiert.

Nach Süddeutschland, namentlich München, kam Amigoni um 1715, wo damals der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel residierte. Trotz der maroden Staatsfinanzen ließ dieser Herrscher sich nicht davon abbringen, große Summen in Kunstwerke zu investieren, wovon nicht nur Amigoni profitierte. Es entstanden Altarbilder, Tafelgemälde und Deckenmalereien.

Auch nach dem Tod des Kurfüsten 1726 fand Amigoni in Bayern reichlich Arbeit und wurde zum Vorbild heimischer deutscher Künstler wie Johann Baptist Zimmermann, Franz Joseph Spiegler und Franz Anton Erler. Der Kupferstecher Joseph Wagner war sein Schüler.

Gemeinsam mit seiner Schwester Carlotta ging er 1729 nach London; auch Joseph Wagner schloß sich an. In London pflegten Amigoni und Wagner engen Umgang mit dem Komponisten Nicola Porpora. Es wird vermutet, daß sie durch diesen mit Carlo Broschi, besser bekannt als Farinelli, dem berühmtesten Kastratensänger seiner Zeit, der um 1734/35 in London weilte, in Kontakt kamen.

Dieses Umfeld bescherte ihm und Wagner reichliche Aufträge. Vor allem die zahlreichen, mittlerweile europaweit verteilten Farinelli-Porträts und die von Wagner nach diesen gefertigten Kupferstiche fanden reißenden Absatz. Allgemein gab es in England eine weit wohlhabendere und größere Oberschicht als im deutschen Raum, und statt Deckenfresken malte er nun im privaten Auftrag mythologische Tafelbilder und Porträts.

Er kehrte 1739 nach Venedig zurück, und es heißt, Amigoni habe den großen Vedutenmaler Canaletto seinerzeit überzeugt, selbst nach England zu reisen, was dieser 1746 tat. Amigoni selbst konnte sich in Venedig gegen jüngere Konkurrenten wie den genialen Giovanni Battista Tiepolo nicht behaupten und ging 1747 nach Madrid, wo er Farinelli erneut begegnete; dieser erfüllte dort mittlerweile das Amt des Kapellmeisters und Operndirektors.

In Madrid war Amigoni Hofmaler des spanischen Königs Ferdinand VI.; er schuf unter anderem Deckengemälde im königlichen Palast in Aranjuez, Ölgemälde für das Theater des Buen Retiro und wieder zahlreiche Porträts. Bis zu seinem Tod in Madrid 1752 war er ausgesprochen schöpferisch. Er war ein technisch herausragender Künstler, malte verspielt und leicht und wurde einer der Haupteinflüsse späterer Maler des Rokoko; im Vergleich etwa zu Tiepolo wirken die Bilder jedoch sehr unbeschwert und glatt.

 

Verweise:

https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Amigoni.html
https://books.google.de/books?id=P6dTAAAAcAAJ&pg=PA631&dq=amigoni#v=onepage&q=amigoni&f=false
https://books.google.de/books?id=ixcGAAAAQAAJ&pg=PA101&dq=amigoni#v=onepage&q=amigoni&f=false
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Amigoni,+Jacopo
https://www.europeana.eu/de/collections/person/60088-jacopo-amigoni
https://www.kettererkunst.de/bio/jacopo-amigoni-1682.php

Jacopo Amigoni, ein Pionier des Rokoko https://art-depesche.de/images/Bacchus_und_Ariadne.jpg Ruedi Strese