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Narcisso Virgilio Díaz de la Peña „Waldinneres“ (Öl auf Leinwand, 1861, 91,5 cm x 112,5 cm, Kunsthistorisches Museum Wien)

Berlin – Die Schule von Barbizon hat eine ganze Reihe wunderbarer Landschaftsmaler zusammen- und hervorgebracht. Wir denken an Théodore Rousseau, Jules Dupré oder Charles-François Daubigny und natürlich den großen „Vater“ der Gruppe, Camille Corot. Auch unser heutiger Kandidat, Narcisso Virgilio Díaz de la Peña, fand in diesem Umkreis seine Bestimmung.

Der Weg dahin war jedoch von Tragödien bestimmt. 1807 in Bordeaux als Kind spanischer Eltern geboren, wurde er im Alter von nur zehn Jahren zum Vollwaisen. Ein protestantischer Pfarrer in Paris nahm sich seiner an. In Folge eines schlecht behandelten Schlangenbisses verlor der Junge schließlich ein Bein; dieses wurde durch einen Holzstumpen ersetzt, der später zu einem Markenzeichen Diaz’ geriet.

Er lernte zunächst autodidaktisch die Malerei, und 1823 trat er in eine Werkstatt für Porzellandekoration in Sèvres ein, wo er Jules Dupré kennenlernte, mit dem eine lebenslange Freundschaft entstand. Unter dem Einfluß von Eugène Delacroix interessierte er sich zunächst für orientalische Motive, Unterricht nahm er bei François Souchon in Paris und kopierte Werke aus dem Louvre.

Zeit verbrachte er aber auch in Barbizon im Wald von Fontainebleau, wo er dem vier Jahre jüngeren Théodore Rousseau begegnete, dessen Werk ihm große Bewunderung abnötigte, und Díaz nahm sich vor, fortan in einem ähnlichen Stil zu malen. Der menschenscheue und schwermütige Rousseau lehnte Díaz zunächst ab, doch dieser blieb hartnäckig, und konnte Rousseaus Herz gewinnen. Die beiden wurden Freunde, und Rousseau wies Díaz in seine Geheimnisse ein.

Der Schüler erwies sich als überaus fähig und konnte bald eigene Werke auf dem Pariser Salon ausstellen. Seine Landschaften folgten im Wesentlichen der Schule von Barbizon, doch bevölkerte er sie in Anlehnung an alte Meister auch gerne mit mythischen Figuren oder fahrendem Volk, was kein Geringerer als Jean-François Millet gelegentlich zur Inspiration nahm.

Schließlich war er als Künstler endgültig anerkannt, so wurde er 1851 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 hielt er sich in Brüssel auf; die folgenden Jahre wurden seine Werke immer beliebter. Er arbeitete kontinuierlich und auf hohem Niveau; seine in recht düsteren Farben gehaltenen Waldbilder und Landschaften bei Sturm, von denen er zahlreiche malte, gelten als Kern und Höhepunkt seines Schaffens.

Als er 1876 das Grab seines Sohnes besuchte, holte er sich eine Erkältung, welcher er schließlich erlag. Er hatte Zeit seines Lebens keine bekannten Schüler, doch haben sich François Visconti und Léon Richet stark von ihm beeinflussen lassen, und Pierre-Auguste Renoir bezeichnete Díaz als „seinen Helden“. Die Werke Díaz sind heute in zahlreichen bedeutenden Sammlungen zu finden, u.a. im Louvre, im Metropolitan Museum of Art, in der National Gallery London und in der Sammlung Wallace.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/225-charles-françois-daubigny-und-die-herbe-schönheit-der-pleinairmalerei.html
https://art-depesche.de/malerei/725-jules-dupré,-landschaftsmaler-des-frühen-realismus.html
https://art-depesche.de/malerei/824-henri-joseph-harpignies-landschafter-im-geiste-corots.html
https://art-depesche.de/malerei/132-théodore-rousseau-pleinairmalerei-am-wald-von-fontainebleau.html
https://www.metmuseum.org/art/collection/search#!?q=Narcisse-Virgile Diaz de la Peña&offset=0&perPage=20&sortBy=Relevance&sortOrder=asc&searchField=ArtistCulture&pageSize=0
https://www.nationalgallery.org.uk/artists/narcisse-virgilio-diaz-de-la-pena

Narcisso Virgilio Díaz de la Peña – Ein Spanier in Barbizon https://art-depesche.de/images/Waldinneres.jpg Ruedi Strese