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Maurice Quentin de La Tour „Selbstporträt“ (Pastell auf Papier, ca. 1750, 64,5 cm x 53,5 cm, Musée de Picardie, Amiens)

Berlin – Die einzigartige Venezianerin Rosalba Carriera hatte den Grundstein des pastellenen Rokoko-Porträts gelegt. Obgleich ihr Wirken in Paris nur von kurzer Dauer war, fand sie vor allem dort hervorragende Adepten. Dazu gehörte der Schwede Gustaf Lundberg, doch auch unser heutiger Kandidat, Maurice Quentin de la Tour, welcher es zu eigener Meisterschaft brachte und zahlreiche prominente Persönlichkeiten für die Nachwelt festhielt.

Über sein Leben gibt es, wie bei vielen alten Meistern, äußerst widersprüchliche Angaben, so daß wir hier nur versuchen können, eine in sich halbwegs stimmige Version herauszuarbeiten, diese jedoch explizit unter Vorbehalt verstanden wissen wollen.

1704 kam er in Saint-Quentin, Nordfrankreich, zur Welt. Sein Vater war der Trompeter François de La Tour, der als Instrumentalist bei Kirche und Militär Erfolge feiern konnte. Die Behauptung, er habe das Interesse seines dritten Sohnes an der Malerei mißbilligt, taucht auf, könnte jedoch in diesem Fall auch bloßes Gerücht sein.

Für diese Annahme spricht, daß der Junge bereits 1719 in einem Pariser Atelier zu studieren begann; kaum vorstellbar ohne Zustimmung seines Alten. Über seinen ersten Lehrer, einen Maler namens Dupouch, ist uns kaum etwas bekannt. 1720/21 weilte Rosalba Carriera in Paris, in dieser Zeit dürfte auch de la Tour ihr Werk kennengelernt haben. Als prägend erwies sich auch das Schaffen des frühklassischen Malers Jean Restout.

Er ließ sich schließlich dauerhaft in Paris als professioneller Maler nieder, mit einer Unterbrechung durch einen von 1725 bis 1727 währenden Englandaufenthalt. Von seiner Rückkehr nach Paris an begann er, vorwiegend Pastellporträts anzufertigen. Das älteste belegte Werk ist ein Porträt Voltaires, von dessen Existenz wir indes nur durch einen nach diesem gefertigten Stich aus dem Jahr 1731 wissen.

Jedenfalls begann in den frühen und mittleren 1730er Jahren sein Aufstieg, der ihn zu einem in höchsten Kreisen begehrten Porträtmeister werden ließ. Eine Wegmarke des Erfolgs stellte sein Bildnis der Gattin seines Malerkollegen François Boucher dar, welches 1737 auf dem Pariser Salon große Aufmerksamkeit erzielte und das erste von insgesamt 150 Porträts war, welche in den kommenden 36 Jahren zu den verläßlichen Glanzlichtern des Salons gehören würden. Sie sind durch eine Verbindung aus psychologischem Einfühlungsvermögen und sicherer, scheinbar müheloser Handhabung der Technik gekennzeichnet.

Jean-Jacques Rousseau und Madame Pompadour fanden den Weg auf seine Bilder, Ludwig XV. und seine Familie wurden mehrfach gemalt; er wurde einer der beliebtesten Künstler am Hof und erhielt den respektvollen Beinamen „Fürst der Pastellmaler“. Ab 1745 soll er eine Wohnung im Palais de Louvre besessen haben, 1750 stieg er zum Berater an der königlichen Kunstakademie auf und wurde offizieller Hofmaler; den Titel behielt er bis 1773.

Maurice de la Tour zog sich schließlich zurück, ging wieder in seine Heimatstadt St. Quentin, wo er 1788 in geistiger Umnachtung starb. Zuvor hatte der als gutmütiger Exzentriker bekannte Mann seinen Reichtum noch zum Wohle vieler eingesetzt, zur Förderung junger Künstler in Paris und Amiens ebenso wie für karitative Zwecke in St. Quentin.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/706-rosalba-carriera-schöpferin-pastellener-rokoko-porträts.html
https://art-depesche.de/malerei/733-gustaf-lundberg-ein-schwedischer-pastellmaler-in-paris.html
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/La+Tour,+Maurice+Quentin+de
http://www.artcyclopedia.com/artists/la_tour_maurice_quentin_de.html
https://archive.ph/20121209103708/http://wwar.com/masters/l/la_tour-maurice-quentin_de.html

Maurice Quentin de la Tour: Pastellporträts des französischen Rokoko https://art-depesche.de/images/Autoportrait_de_La_Tour.jpg Ruedi Strese