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Johann Liss „Tod der Kleopatra“ (Öl auf Leinwand, 1622/24, 97,5 cm x 85,5 cm, Alte Pinakothek, München)

Berlin – Er war eine eigentümliche Gestalt in der Geschichte der Malerei. Ein Norddeutscher, der nach Italien ging, sich von den Italienern beeindrucken ließ, in seiner kurzen Lebenszeit ein wenig umfangreiches, aber sehr intensives Werk schuf, welches erst nahezu 100 Jahre nach seinem Tod wiederum jüngere Italiener beeindruckte.

Johann Liss, auch als Jan Lys(s) bekannt, stieg wohl zwischen 1590 und 1597 zur Erde herab, als Landeplatz wählte er das holsteinische Oldenburg. Es wird angenommen, daß seine Eltern als Maler für den Herzog von Holstein-Gottorf tätig waren und ihm erste Kenntnisse vermittelten.

Zwischen 1614 und 1619 hielt er sich zu Studienzwecken in den Niederlanden auf, wo das goldene Zeitalter der niederländischen Malerei mit Künstlern wie Jan van Goyen, Salomon van Ruysdael, Paul Bril und vielen anderen gerade begann. Nach Arnold Houbraken soll er in Haarlem und Amsterdam bei Hendrick Goltzius gelernt haben, auch in Antwerpen hielt er sich zeitweise auf.

Anschließend ging er, mit Zwischenhalt in Paris, nach Italien, wo er zuerst in Venedig und dann für einige Jahre in Rom tätig war. Hier ließ er sich, wie so viele Künstler seiner Generation, von dem zehn Jahre zuvor verstorbenen und auch posthum ruhmreichen Caravaggio und seiner Nachfolger beeinflussen. Auch Rubens und einige mit Venedig verbundene Künstler wie Tizian und vor allem Domenico Fetti inspirierten ihn.

Daraus entstand ein bemerkenswerter Individualstil, welcher den lockeren Schwung Rubens’ mit der bisweilen dunklen Majestät des venezianischen Barock verband; sein Schwerpunkt galt mythologischen und biblischen Themen.

Etwa 1627(29?) ging er wieder nach Venedig, wo er sich zeitweise mit dem aus Frankfurt stammenden Joachim von Sandrart d.Ä. ein Atelier teilte. Einem Bericht Sandrarts verdanken wir einen guten Teil dessen, was wir über Liss wissen. Etwa, daß er an der Akademie gerne nach nackten Modellen zeichnete, und vor allem, daß er einen ungesunden Lebenswandel pflegte, wobei er zwei, drei Tage außer Haus war und anschließend nächtelang mit wenig Schlaf und Essen durcharbeitete. Empfehlungen zu einer gesünderen Lebensweise ignorierte er.

Sein Ende ist ebenfalls nicht ganz geklärt. 1629 brach in Venedig die Pest aus, und nun gehen die Versionen auseinander, hier heißt es, er sei 1629/30 in Venedig der Seuche erlegen, dort wiederum, er sei noch nach Verona geflohen, um dort dem schwarzen Tod zu begegnen.

Eindeutiger ist indes, daß er in seinen wohl nur etwas über 30 Lebensjahren ein kleines, aber erhabenes Werk geschaffen hat, welches den Meistern des italienischen Hochbarock vorzugreifen scheint. In Bildern wie „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ läßt sich bereits Giovanni Battista Tiepolo erahnen ...

 

Verweise:

https://www.deutsche-biographie.de/sfz51905.html
https://www.kettererkunst.de/bio/johann-liss-1595.php
https://www.pinakothek.de/kunst/johann-liss/versuchung-des-hl-antonius

Johann Liss: Ein Holsteiner auf venezianischen Spuren https://art-depesche.de/images/Johann_Liss_-_Death_of_Cleopatra.jpg Ruedi Strese