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Bakhytnur Burdesbekov „Melodie 2“ (Öl auf Leinwand, 2012, 130 cm x 111 cm)

Berlin – Unter dem Titel „Steppenmelodien – Impressionen aus Kasachstan“ wird in der Galerie Ars Pro Dono, spezialisiert auf Kunst aus dem postsowjetischen Raum, bis zum 30. März 2022 eine Ausstellung des Malers Bakhytnur Burdesbekov zu besichtigen sein, welcher mit großer Freude am spielerischen Ausprobieren Eindrücke seiner Heimat wiedergibt. Insbesondere den kasachischen Frauen schenkt er seine Aufmerksamkeit ...

Geboren wurde unser Mann 1962, studierte bis 1981 an der Nikolai-Gogol-Kunsthochschule in Almaty, dann bis 1989 an der Leningrader Hochschule für Kunst und Industrie „V.I. Mukhina“. Bei der „Art Expo 2011“ in New York gewann er die Goldmedaille in drei Kategorien, zudem ist er Mitglied der Akademie der Künste der Republik Kasachstan.

In seiner ersten Berliner Ausstellung sind insgesamt 29 Bilder zu sehen, darunter wenige Landschaften, Stilleben, Pferdebilder; der größte Teil sind Darstellungen von Frauen. Auf den ersten Blick stellt Ihr Schreiberling fest, daß die Bilder sehr „typisch kasachisch“ wirken; Motive und Farbwahl lassen die Verwandtschaft zu Abay Chunchalinov und Madikhan Kalmakhanov, zwei weiteren bei Ars Pro Dono vertretenen kasachischen Malern, erkennen. Was nicht bedeutet, daß diese Künstler nicht ihre je eigene Weise hätten; doch sind auch die Gemeinsamkeiten unverkennbar.

Die Landschaften „Sintflutartige Regenfälle“ (2014) und „Morgendämmerung“ (2018) sind von lichten, frühlingshaften Farben bestimmt, wobei mit wenigen Pinselstrichen viel erreicht wird. Von den zwei Stilleben sei auf „Geschenk an den Tisch“ (2021) hingewiesen, welches mit spärlichen Mitteln, farblich ganz nah am Weiß, eine elegante Stimmung erzeugt. Zwei Bilder zeigen Pferde, „Bogenschütze“ (2019) und „Steppenkrieger“ (2018) beschwören die Geschichte des kriegerischen Reiternomaden.

Ansonsten geht es also vornehmlich um Frauen, und obgleich die individuelle Handschrift stets erkennbar ist, sind die Gemälde sehr verschieden. Burdesbekov mag kunsthistorische Anspielungen: „Blick“ (2008) verweist auf den Kubismus Picassos, „Mädchen mit Zitrone“ (2019) und einige andere sind unverkennbar durch Amedeo Modigliani inspiriert.

Für sich steht das eher dunkel-atmosphärische „Mondgesicht“ (2012), welches altholländische Bezüge vermuten läßt, wenig zeigt und viel Raum für eigene Vorstellungen läßt. Dabei ist dies Unfertige vom Künstler beabsichtigt; der Betrachter selbst soll in seiner Phantasie das Werk vollenden.

Bei mehreren weiteren Bildern, etwa „Junge Schönheit“ (2019) und „Das schöne Mädchen“ (2017), bedient sich Burdesbekov eines auffälligen Gegensatzes zwischen eher rauh ausgeführtem Hintergrund und betont lieblichem Mädchengesicht. Manche der Mädchen tragen typisch kasachische Trachten, und doch scheinen sie eher einen Typus als konkrete Frauen darzustellen, zudem wirken sie sehr weiblich, und doch gleichzeitig sehr vergeistigt, flüchtig.

Die Bilder stellen eine Auswahl aus dem Zeitraum der letzten 15 Jahre dar. Erkennbar ist eine Tendenz zu klarerer Bildstruktur und sparsamerem Einsatz der Mittel. Die Lust am Ausprobieren zieht sich jedoch durch das gesamte Werk.

Die Galerie ARS PRO DONO befindet sich in der Prenzlauer Allee 191 in 10405 Berlin, geöffnet ist sie von Montag bis Freitag von 10-19 sowie am Sonnabend von 11-16 Uhr.

 

Verweise:

https://www.arsprodono.de/shop_content.php?coID=3210127
https://www.arsprodono.de/?cat=c180_Bakhytnur-Burdesbekov-bakhytnur-burdesbekov.html
https://art-depesche.de/malerei/810-„herbstkuss“-–-neue-bilder-von-madikhan-kalmahanov-in-berlin.html
https://art-depesche.de/malerei/687-steppenwind-neue-gemälde-von-abay-chunchalinov.html

Bakhytnur Burdesbekov: Kasachische Malerei in Berlin https://art-depesche.de/images/2022/0215/Melodie_2.jpg Ruedi Strese