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Attilio Pratella „Capri, Marina Grande“ (Öl auf Leinwand, 40 cm x 60 cm)

Berlin – Das Licht des italienischen Südens hat nicht nur deutsche Künstler wie den Romantiker August Kopisch oder den Symbolisten Karl Wilhelm Diefenbach angezogen, auch Maler aus Italien selbst fanden den unteren Teil des „Stiefels“ zahlreicher Gemälde wert. Der Freilichtmaler Attilio Pratella, der sich in seinen Veduten und Meeresansichten zwischen Realismus und Impressionismus bewegte, ist dabei unbedingt zu erwähnen.

Über seinen Lebensweg gibt es allerhand Unstimmigkeiten; wir bemühen uns um eine in sich einigermaßen schlüssige Version. Er selbst entsprang der Gemeinde Lugo in der heutigen norditalienischen Region Emilia-Romagna, 1856 war er dort zur Welt gekommen. Früh soll seine große Leidenschaft der Malerei gegolten haben, in seiner Schulzeit, so liest man, blieb er oft noch nach dem Unterricht, um an Gemälden zu arbeiten. Im Alter von 16 Jahren illustrierte er ein chirurgisches Buch für einen Arzt in Bologna.

In Lugo lernte er wohl bei Ippolito Bonaveri, einem Realisten, über den wir kaum noch etwas wissen. Ein Stipendium brachte ihn um 1877 an die Accademia di Belle Arti di Bologna. Hier entdeckte er die Landschaftsmalerei Antonio Fontanesis für sich.

1880 gelangte er dank eines weiteren Stipendiums an die Accademia di Belle Arti di Napoli. Neapel sollte für den Rest seines Daseins sein Lebensmittelpunkt bleiben. Während dieser Lehrzeit sicherte er sich den Lebensunterhalt auf verschiedene Weise; er malte für die Werkstatt eines Giuseppe Massa Skizzen für Touristen oder dekorierte Imitate antiker Keramik.

Schließlich konnte er sein eigenes Atelier errichten und wurde recht erfolgreich mit seinen meist kleinformatigen und rasch ausgeführten, aber von sehr geschicktem und ungewöhnlichem Farbeinsatz bestimmten Ansichten von Neapel und dessen Umgebung. Er malte die Märkte und Ufer der Stadt, die Hügellandschaft des nahegelegenen Vomero, die Küste von Sorrento und die Insel Capri.

Nach seiner Hochzeit 1887 zog er mit seiner Frau selbst nach Vomero. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor; die Söhne Fausto und Paolo sowie Tochter Ada wurden ebenfalls Maler. In der Nähe des Anwesens lebte auch sein Freund Giuseppe Casciaro, ein Maler sehr bemerkenswerter Küstenansichten (möglich, daß wir auch diesen demnächst hier vorstellen); aus dem Zusammenwirken der beiden entstand mit der Zeit eine kleine Künstlerkolonie.

Mit Ausstellungsbeteiligungen auf der Biennale in Venedig und auf dem Pariser Salon betrat er auch das internationale Parkett. Pratella starb 1949 in Vomero; in Neapel und Lugo di Romagna wurden Straßen nach ihm benannt, und öffentliche Sammlungen moderner Kunst in Mailand, Neapel und Rom zeigen seine Werke.

 

Verweise:

http://www.artnet.com/artists/attilio-pratella/
https://www.askart.com/artist/Attilio_Pratella/11062630/Attilio_Pratella.aspx
https://www.galleriasantagiulia.com/attilio-pratella.html
https://www.dorotheum.com/de/k/attilio-pratella/
https://www.van-ham.com/de/kuenstler/attilio-pratella.html

Attilio Pratella: Lichtmaler in Neapel https://art-depesche.de/images/2022/0215/Capri_Marina_Grande.jpg Ruedi Strese