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Wilhelm Marstrand „Gefängnisszene in Rom“ (Öl auf Leinwand, 1837, 62 cm x 50 cm, Nivaagaard Museum Niva, Dänemark)

Berlin – Daß nicht nur die holländische, sondern auch die dänische Malerei ihr „goldenes Zeitalter“ hatte, dürften außerhalb Dänemarks fast nur ausgesprochene Kunstkenner wissen. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war für die Dänen die Zeit einer außergewöhnlichen kulturellen Blüte. Der Künstler, den wir heute vorstellen, machte sich nach dem Italienaufenthalt seiner jungen Jahre in seiner Heimat als vor allem Genremaler und Kunsterzieher einen Namen.

Geboren wurde der Held unserer heutigen Folge kleiner Künstlerbiographien 1810 als Wilhelm (oder Vilhelm) Nicolai Marstrand in Kopenhagen. Sein Vater, Nicolai Jacob Marstrand, war Instrumentenbauer und Erfinder.

Die Schule brach er mit 16 ab, vor allem, da er sich für das Lesen nicht sonderlich erwärmen konnte. Glücklicherweise war der Vater mit dem Maler und Kunstprofessor Christoffer Wilhelm Eckersberg befreundet, und es scheint dieser patente Mann gewesen zu sein, welcher für den Jungen eine Malerkarriere empfahl.

So begann er 1826 sein Studium bei Eckersberg an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Er blieb dort bis 1833. Seine Neigung ging bereits damals zur Genreszene, dennoch versuchte er sich zunächst auch an der Historienmalerei, nicht zuletzt, weil diese den besten Weg zu einer Goldmedaille der Akademie bot, welche üblicherweise Voraussetzung eines Reisestipendiums war.

Zur Goldmedaille reichte es nicht, aber die Akademie war schließlich dennoch ausreichend von Marstrands Fähigkeiten überzeugt, bzw. seine Lehrer ihm gewogen genug, um ihm das Stipendium zu gewähren. So ging es 1836 mit Zwischenhalten in Berlin, Dresden und München nach Italien.

In Italien blieb er ganze vier Jahre und kehrte auch später immer wieder dorthin zurück. Er hielt sich vor allem in Rom auf, doch besuchte auch Turin, Pisa und Siena. Mit seinen Landsleuten Constantin Hansen und Jørgen Roed erkundete er die Umgebung Roms, und vor allem widmete er sich dem Studium alter Meister.

Er hatte eine romantische Sicht auf Italien und den Italienern, und aus dieser heraus schuf er zahlreiche Studien und Gemälde des italienischen Lebens, welche von fröhlicher Stimmung und Freude an starken Farben bestimmt sind. In dieser Zeit entstanden auch die ersten seiner Porträts, darunter eines seines heute noch berühmten Kollegen Christen Købke.

Nach einem Aufenthalt in München und Paris kehrte Marstrand 1841 wieder in die Heimat zurück, wo er rasch ein anerkannter Maler wurde. Bereits 1843 wurde er zum Akademiemitglied, und 1848 gar zum Professor ernannt; später war er auch einige Jahre Leiter der Akademie.

Auch als Kunsterzieher erwarb er sich einen hervorragenden Ruf, und er ermutigte die Studenten zu einer Entwicklung gemäß ihren eigenen Fähigkeiten. Mehrere seiner Schüler konnten sich selbst einen Namen machen, darunter waren Carl Thomsen, Kristian Zahrtmann, Carl Bloch und die beiden bedeutendsten Vertreter der dänischen Freilichtmalerei, die Skagen-Maler Peder Severin Krøyer und Michael Ancher.

Sein Schwerpunkt galt nun der humorvollen und warmherzigen Genremalerei, doch entstanden auch Karikaturen und Zeichnungen. 1850 heiratete er. Aus der Ehe entsprangen fünf Kinder, welche zu einem häufigen Motiv in seiner Kunst wurden. Als „seriöser“ werden realistische Porträts bedeutender Persönlichkeiten seiner Zeit angesehen, auch diese beherrschte er meisterlich.

In späteren Jahren, insbesondere nach dem Tod seiner Frau 1867, wandte er sich vermehrt religiösen Motiven zu, auch historische und mythologische Themen tauchten wieder häufiger auf. Bedeutende Wandgemälde entstanden 1864-66 im Dom zu Roskilde und 1871 in der Festhalle der Universität Kopenhagen.

Kurz nach dieser Arbeit erlitt er eine Hirnblutung und war seitdem teilweise gelähmt, weshalb er nicht mehr viel arbeiten konnte. Er starb 1873. Vielleicht waren es seine oft eher leichten Motive, die bisweilen sentimental wirkende Darstellung, die seinen Ruhm bald verblassen ließen. Dennoch kann er ohne Frage zu den bedeutenden dänischen Künstlern seiner Epoche gezählt werden.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/799-kristian-zahrtmann,-wegbereiter-der-dänischen-moderne.html
https://art-depesche.de/malerei/851-aus-dem-dänischen-realismus-carl-thomsen.html
https://www.nordmus.eu/de/wilhelm-marstrand-den-store-fortaeller/

Wilhelm Marstrand: Genremaler des dänischen Goldenen Zeitalters https://art-depesche.de/images/2022/0225/Gefaengnisszene_in_Rom.jpg Ruedi Strese