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John Crome „The River Wensum, Norwich“ (Öl auf Holztafel, ca. 1814, 51,1 cm x 63,5 cm, Yale Center for British Art)

Berlin – Nach deutscher Auffassung würde er nicht mehr zu den alten Meistern gezählt, denn er gehörte der gleichen Generation wie Caspar David Friedrich oder J.M.W. Turner an; die Engländer tun es dennoch. Man muß darob nicht erbost sein, denn seine Malweise orientierte sich stark an alten Niederländern wie Meindert Hobbema oder Jacob Ruisdael.

Geboren wurde er 1768 in Norwich, Norfolk. Oft wird auf ihn auch als „Old Crome“ referiert, um ihn von seinem Sohn, dem Landschafter John Berney Crome (1794-1842), zu unterscheiden. Sein Vater wird wahlweise als Weber oder Gastwirt bezeichnet. Er arbeitete einige Zeit als Laufbursche für einen Arzt, dann wurde er Gehilfe eines Dekorationsmalers namens Francis Whisler.

Bereits in jenen Jahren schloß er Freundschaft mit Robert Ladbrooke, später ebenfalls ein bekannter Maler. Mit diesem erkundete er skizzierend die ländliche Umgebung von Norwich, auch erwarben sie bisweilen einige Stiche, um diese zu kopieren. Er kam mit dem Kunstfreund Thomas Harvey in Kontakt, und so erhielt er Zugang zu dessen Sammlung und begann nun, Werke von Meistern wie Thomas Gainsborough und Meindert Hobbema zu kopieren. Auch Richard Wilson gilt als Inspirationsquelle.

Unterricht erhielt er schließlich auch von dem Historienmaler John Opie aus Cornwall sowie dem Porträtmaler William Beechey, den er dazu in London besuchte. 1792 heiratete er, und aus der Ehe traten zwei Töchter und sechs Söhne hervor, wobei der bereits genannte John Berney und ein weiterer namens William Henry sich gleichfalls der Malerei zuwenden sollten.

1803 riefen Crome und sein Freund Ladbrooke die „Norwich Society of Artists“ ins Leben, welcher sich auch Robert Dixon, Charles Hodgson, Daniel Coppin, George Vincent und David Stark anschlossen. 1805 hatte die Gruppe die erste Gemeinschaftsausstellung; diese gilt als Ursprung der „Norwich School of Painters“, welche etwa 30 Jahre bestehen sollte und sich dadurch auszeichnete, daß Maler, darunter Berufskünstler und Laien, ihre Gegend mit romantischen Augen in Bildern festhielten, wobei der altniederländische Einfluß sehr stark war. Bis zu seinem Tod behielt Crome den Vorsitz über die Gesellschaft.

Erfolge feierte er auch über diese hinaus: Zwischen 1806 und 1818 stellte er dreizehn seiner Werke an der Royal Academy in London aus, dennoch blieb er im Wesentlichen Norfolk verbunden, welches auch den größten Teil seiner Motive stellte. Mit anderen bekannten Künstlern seiner Zeit hatte er kaum Kontakt. 1814, nach der Niederlage Napoleons, besuchte er Paris, von welchem er gleichsam einige Ansichten schuf.

Er gab zudem Zeichenunterricht an der Norwich School, wo Edward Thomas Daniell zu seinen Schülern gehörte, auch unterrichtete er privat. Als er 1821 starb, soll er noch auf dem Sterbebett seine Liebe zu Meindert Hobbema bekundet haben. Kunstliebhaber verstehen das. Noch im gleichen Jahre veranstaltete die von ihm gegründete Gesellschaft eine Gedenkausstellung mit über 100 Werken.

„Old Crome“ gilt als einer der bedeutendsten englischen Landschafter seiner Zeit; seine Einigartigkeit verdankte er der Verbindung des Studiums alter Meister mit genauer Naturbeobachtung. Er schuf über 300 Ölgemälde, dazu Aquarelle und Radierungen. Zusammen mit John Constable gilt er als erster Engländer, welcher in seinen Gemälden nicht nur unspezifische Bäume gemalt hat, sondern solche, die sich explizit einer Art zuordnen ließen. Seine Werke sind Bestandteil namhafter öffentlicher Sammlungen, unter diesen die Tate Gallery und die Royal Academy in London sowie das Castle Museum in Norwich.

 

Verweise:

https://www.sphinxfineart.com/artists/244314/john-crome
https://artuk.org/discover/artists/crome-john-17681821#

John Crome: Die englische Landschaft, romantisch gesehen https://art-depesche.de/images/2022/0226/The_River_Wensum_Norwich.jpg Ruedi Strese