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Anna Boberg „Nordlichter, Studie aus Norwegen“ (Öl auf Leinwand, 97 cm x 75 cm, Nationalmuseum Stockholm)

Berlin – In ihrer Heimat Schweden war ihr Schaffen zu Lebzeiten wenig beachtet, dagegen fand es in Frankreich und den USA seine Bewunderer. Anna Boberg war eine sehr eigenwillige frühmoderne Landschaftsmalerin von großer Schöpferkraft, die erst in jüngerer Zeit auch in ihrem eigenen Land zum verdienten Ansehen gekommen ist.

1864 kam sie als Anna Katarina Scholander als sechstes von sieben Kindern des Architekten Fredrik Wilhelm Scholander zur Welt, welcher unter anderem die Stockholmer Synagoge und das einstige Königliche Technische Institut ersonnen hatte. Von ihrer Kindheit und Jugend ist sonst nicht allzuviel bekannt, doch starb der Vater bereits 1881.

Da sie Französisch lernte, ging sie zum Üben nach Paris und schrieb sich für einige Zeit zum Kunststudium an der Académie Julian ein, wo sie die Einflüsse des gerade arrivierten Impressionismus aufgenommen haben dürfte. In Paris begegnete sie Ferdinand Boberg, welcher später ein prominenter Architekt werden sollte, und 1884 verlobten sich die beiden; 1888 heirateten sie schließlich. Die Ehe blieb kinderlos, sollte aber doch wohl glückliche 50 Jahre halten.

Anna Boberg hatte 1887 mit der ernsthaften Malerei begonnen, im Jahr darauf ihre erste eigene Ausstellung, wobei sie zunächst vor allem Aquarelle malte. Eine andere Säule ihres Schaffens war dekorative und angewandte Kunst; so schuf sie als „Tapisserien“ bezeichnete Ölgemälde, welche an eben solche erinnerten und als Wanddekorationen Verwendung fanden; auch malte sie direkt auf Wände, entwarf Glaskunst und Textilien. Für die Oper „Trifing“ des nationalromantischen Komponisten Wilhel Stenhammar gestaltete sie das Bühnenbild.

Entscheidend für ihren weiteren künstlerischen Weg wurde das Jahr 1901, als sie gemeinsam mit ihrem Gatten Nordschweden und Norwegen bereiste; insbesondere die Lofoten mit ihren schroffen Gebirgszügen und dem gleißenden Sonnenlicht faszinierten sie. In den nächsten 33 Jahren pilgerte sie immer wieder dorthin, meistens alleine, um deren Landschaften und Bewohner zu malen.

Ihr Mann entwarf 1904 sogar eigens ein kleines Haus für sie, welches auf der Insel Fyrön errichtet wurde, wo sie sich bei ihren Lofotenreisen aufhalten konnte. Eine erste Ausstellung ihrer Lofotenbilder in Stockholm 1903 führte zu verhaltenen Reaktionen, weit erfolgreicher war eine Schau in Paris 1905. Die überwältigende Zustimmung markierte den Grundstein eines anhaltenden Erfolges.

Auch die amerikanische Presse war begeistert, sprach von „Schwedens großartigster Künstlerin“, der „schwedischen Frau, die barfuß im Polarschnee der Kälte trotzt, um arktische Effekte zu erzielen“. Die meisten der Bilder bleiben Studien, und sind doch viel mehr als das. Die Majestätik der Kälte ist perfekt eingefangen; entfernt fühlt man sich vielleicht an Ferdinand Hodler oder van Gogh erinnert. Eine Reise, welche sie ebenfalls malerisch festhielt, führte sie nach Jerusalem. Ihre letzte Ausstellung hatte sie 1927.

1915 zog sich ihr Mann von seiner Karriere als Architekt zurück und begann ein neues Projekt, wobei er mit einem Kleinbus Schweden erkundete und etliche Gebäude skizzierte, die er für wichtiges Kulturerbe hielt und von denen er fürchtete, daß sie bald verschwinden könnten. Anna Boberg begleitete ihn dabei und machte Notizen, welche später auch veröffentlicht wurden.

1925 mußte das Paar sein seit 1903 bewohntes Haus verkaufen und zog nach Paris, kehrte jedoch 1929 nach Stockholm zurück. Dort starb sie 1935; bei ihrem Begräbnis war unter anderem der schwedische Kronprinz Gustav Adolf zugegen. Große Bestände ihrer Arbeiten besitzt das schwedische Nationalmuseum in Stockholm.

 

Verweise:

http://nationalmuseum.diva-portal.org/smash/get/diva2:1611806/FULLTEXT01.pdf
http://www.artnet.de/künstler/anna-boberg/
http://collection.nationalmuseum.se/eMP/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=21310&viewType=detailView
https://artherstory.net/anna-boberg-artist-wife-polar-explorer/

Anna Boberg – postimpressionistische Malerin der Lofoten https://art-depesche.de/images/2022/0307/Nordlichter_Studie_aus_Norwegen.jpg Ruedi Strese