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William Logsdail „St Martin-in-the-Fields“ (Öl auf Leinwand, 1888, 144 cm x 118 cm, Tate Gallery, London)

Berlin – Ein akademisch-technischer und doch recht unkonventioneller Maler war der Engländer William Logsdail. Im späten 19. Jahrhundert konnte er durch seine nahezu fotorealistischen Stadtansichten und Genreszenen von London und Venedig einiges Aufsehen erregen.

Geboren wurde er 1859 in Lincoln, Lincolnshire, als eines von sieben Kindern des Küsters der städtischen Kathedrale. Als Kind soll er sich sein Taschengeld verdient haben, indem er als Führer Besuchern den Turm des Gotteshauses näherbrachte.

Er schrieb sich an der Kunstschule seiner Stadt ein und fühlte sich zunächst zur Architektur hingezogen, doch wählte auf Anraten des Schuldirektors Edward R. Taylor die Malerei. Während eines Wettbewerbs, an dem auch Studenten anderer englischer Kunstschulen teilnahmen, konnte er eine Goldmedaille erringen. John Ruskin äußerte sich wohlwollend über ein Werk des Studenten und riet ihm später, zum weiteren Studium nach Verona zu gehen, was Logsdail jedoch ignorierte.

Es schloß sich Unterricht bei Charles Verlat an der École des Beaux-Arts in Antwerpen an, wo er als erster Engländer mit dem ersten Preis der Hochschule ausgezeichnet wurde. Eines der Werke jener Periode, „Der Fischmarkt“ (1880) wurde im Namen von Königin Victoria gekauft. Darauf angesprochen, soll Logsdail gesagt haben, dies zeige „den gesunden Menschenverstand ihrer Majestät“.

Im Herbst 1880 reiste er nach Venedig, wo er, von gelegentlichen Aufenthalten in England und Reisen auf den Balkan, nach Ägypten und in den Nahen Osten, bis 1900 bleiben würde. Er stand dort in Kontakt mit weiteren bedeutenden Künstlern der Zeit wie Frank Duveneck, James McNeill Whistler und John Singer Sargent.

Die Werke jener Jahre waren meisterlich gezeichnet, fast fotorealistisch, sachlich und kühl, legten den Schwerpunkt auf die minutiöse Darstellung von Architektur. „Der Platz des Hlg. Markus, Venedig“ (1883) wurde bei seiner Ausstellung in London von der Royal Academy zum Bild des Jahres gewählt.

Eine Serie 69 kleiner Gemälde für die Londoner Galerie „Fine Art Society“ zeigte Ansichten der französischen und italienischen Riviera, sieben davon erstand der damalige Herzog von Westminster. 1893 gewann Logsdail eine Medialle auf der „World's Columbian Exposition“ in Chicago.

Nach zwei Jahren Aufenthaltes auf Sizilien kehrte er mit seiner Familie nach England zurück und ließ sich im Londoner Stadtteil West Kensington nieder. Ein Bildnis seiner Tochter im viktorianischen Kostüm fand großen Anklang und markierte den Beginn einer erfolgreichen Karriere als Porträtmaler, wobei er so viele Aufträge bekam, daß er sich seine Kundschaft frei aussuchen konnte. 1912 wurde er zum Mitglied der „Royal Society of Portrait Painters“ gewählt.

In späteren Jahren entdeckte Logsdail zudem die Blumenmalerei für sich. 1922 bezog er dann mit den Seinen ein Herrenhaus in Noke bei Islip, Oxfordshire, wo er den Rest seines Lebens bis zu seinem Hinscheiden 1944 leben sollte. Eine Gedenktafel erinnert dort heute noch an ihn.

 

Verweise:

https://www.tate.org.uk/art/artworks/logsdail-st-martin-in-the-fields-n01621
https://artuk.org/discover/artworks/search/actor:logsdail-william-18591944
http://oxonblueplaques.org.uk/plaques/logsdail.html
http://www.artnet.com/artists/william-logsdail/

Der englische Realist William Logsdail https://art-depesche.de/images/2022/0316/St_Martin-in-the-Fields.jpg Ruedi Strese