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Robert Frederick Blum „The Ameya“ (Öl auf Leinwand, 1893, 63,7 cm x 78,9 cm, Metropolitan Museum of Art)

Berlin – Ein amerikanischer Vertreter der frühen Moderne, dessen Schaffen eine deutliche Verwandtschaft zu jenem John Singer Sargents oder James McNeill Whistlers und doch viel Eigenständigkeit aufwies, war Robert Frederick Blum. Lockerer Pinselstrich und ein beeindruckendes Farbgefühl bestimmen sein Werk. Bedeutung erlangte er vor allem mit den malerischen Schilderungen eines Japanaufenthaltes.

Zur Welt kam er 1857 in Cincinatti, Ohio, als Sohn eines deutschstämmigen Zigarrenfabrikanten und wuchs in einem von deutschen Einwanderern geprägten Umfeld auf. Ab 1873 lernte er in einer Druckerei den Beruf des Lithografen und besuchte zweitweise Abendkurse an der McMicken Art School of Design, der heutigen Art Academy of Cincinnati.

Ab 1874 nahm er auch Unterricht bei Frank Duveneck, einem der bedeutendsten US-Impressionisten, zudem studierte er Malerei und Grafik an der Pennsylvania Academy of Fine Arts in Philadelphia; sein Lehrer dort war der akademische Historienmaler Christian Schussele. 1879 war er in New York als Illustrator für den Verlag „Charles Scribner's Sons“ tätig.

1880 führte ihn eine Reise nach Venedig, die erste einer Reihe von Reisen nach Europa. Er arbeitete dort eng mit seinem Freund William Merritt Chase, einer weiteren Größe des US-Impressionismus, zusammen, und beschäftigte sich vor allem mit Zeichnung und Aquarell. Auch James McNeill Whistler lernte er in Venedig kennen; dieser brachte ihm die Pastellmalerei und den Japonismus näher. Überhaupt war die Kunst auf Papier dem Ausdruck seines künstlerischen Feingefühls besonders dienlich.

1881 ging es erneut nach Venedig; 1882 bereiste er Toledo und Madrid sowie 1884 die Niederlande. Von den europäischen Künstlern jener Jahre, welche ihn inspirierten, sind besonders der italienische Porträtkünstler Giovanni Boldini sowie der Katalane Marià Fortuny zu nennen.

Die Sehnsucht nach dem damals noch reichlich mystischen Japan ließ ihn indes nicht los, und 1890 konnte er sich endlich den Traum erfüllen, das aufstrebende Land im Fernen Osten zu besuchen. Er sollte dort drei Jahre bleiben, und dieser Zeit verdanken wir wundervolle Tuschezeichnungen, Aquarelle und Ölgemälde des japanischen Alltags, von Mädchen wie Märkten, welche einen recht authentischen Einblick in jene im Umbruch befindliche fremde Welt vermitteln.

Seine Zeichnungen wurden in US-amerikanischen Zeitschriften veröffentlicht, auch illustrierte er „Japonica“ (1891), eine Darstellung des dortigen Lebens durch den englischen Journalisten und Dichter Edwin Arnold. „A Daughter of Japan“, eine Gemeinschaftsarbeit mit seinem Freund William Jacob Baer, zierte 1893 als Titelbild „Scribner's Magazine“, und der Verlag brachte auch Blums „Artist's Letters from Japan“ heraus. Zu seinen engen Freunden gehörte weiterhin der brillante Landschaftsmaler John Henry Twachtman.

Für sein Bild „The Venetian Beadstringers“ (1889) wurde er zum assoziierten Mitglied der New Yorker „National Academy“ erwählt, und unser Titelbild, „The Ameya“ von 1893, machte ihn zum jüngsten Vollmitglied des exklusiven Vereins. Bekannt wurde auch sein Gemälde „Moods and Music“, welches er 1895 als Auftragswerk für das Konzerthaus „Mendelssohn Glee Club“ in New York schuf.

Eine weitere Ehrung war die Aufnahme in die „American Academy of Arts and Letters“ 1898, zudem war er Präsident der Vereinigung der Pastellmaler. Er starb 1903 in New York an einer Lungenentzündung. Blum war ein ausgesprochen vielseitiger Künstler, ein begabter Druckgrafiker und Zeichner, doch eroberte er die amerikanische Kunstwelt insbesondere mit der lebendigen Farbigkeit seiner Ölgemälde und Aquarelle.

 

Verweise:

https://www.metmuseum.org/art/collection/search/10186
http://www.artnet.de/künstler/robert-frederick-blum/
https://www.the-athenaeum.org/art/list.php?m=a&s=tu&aid=481

Cincinatti, Venedig, Tokio: Robert Frederick Blum https://art-depesche.de/images/2022/0320/Robert_Frederick_Blum_-_The_Ameya.jpg Ruedi Strese