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Jean-Paul Laurens „Das Urteil des Papstes Formosus“ (Öl auf Leinwand, ca. 1870, 91,5 cm x 108 cm, Musée des Beaux-Arts de la ville de Paris)

Berlin – Er gilt als einer der letzten bedeutenden akademischen Historienmaler Frankreichs. Unverkennbar von Größen wie Jean-Auguste-Dominique Ingres beeinflußt, entwickelte er doch eine ganz eigene, kühne Weise, weit entfernt von der Altbackenheit, mit welcher die akademische Malerei oft in Verbindung gebracht wird.

Geboren wurde Jean-Paul Laurens 1838 im südöstlich von Toulouse gelegenen Fourquevaux, entstammte also der gleichen Generation wie die Impressionisten Claude Monet oder Pierre-Auguste Renoir, deren Erfolg im wesentlichen das Ende der akademischen Malerei mit sich bringen sollte.

Nachdem er die Kunstschule in Toulouse besucht hatte, ging er nach Paris, wo er Unterricht bei Léon Cogniet und Alexandre Bida nahm. Ab Mitte der 1860er Jahre entwickelte er seinen eigenen Stil der Historienmalerei und wurde bald ein regelmäßiger Gast auf dem Pariser Salon, wo er 1879 für „Die Befreiung der Eingemauerten von Carcassonne“ gar eine Ehrenmedaille gewann.

Laurens bevorzugte tragische und morbide Themen wie Gefangenschaft, Folter und Tod, schuf außerordentlich originelle Historiengemälde, die einerseits in ihrer Überbetonung des Ausdrucks auf den Manierismus etwa eines El Greco zurückweisen, andererseits in ihrer kalten, weltabgewandten Majestät Effekte erzielen, die wir später in den Traumwelten von Symbolisten wie Karl Wilhelm Diefenbach oder dem frühen František Kupka wiedertreffen.

Man beachte hierfür die Wirkung des Gegensatzes zwischen den verlorenen Figuren und dem mächtigen Raum in Gemälden wie „Saint Jean Chrysostome et l'Impératrice Eudoxie“ oder „L'Excommunication de Robert le Pieux“.

Weltanschaulich vertrat er eine dezidiert antiklerikale und republikanische Sicht und gedachte diese durch die Darstellung schrecklicher Ereignisse in der Geschichte der seines Erachtens repressiven Einrichtungen Kirche und Monarchie zu vermitteln. Allerdings sind die Bilder fern von revolutionärem Agitprop, denn dafür sind sie künstlerisch einfach viel zu gut.

Laurens war ein überaus angesehener Maler, obgleich seine Werke in ihrer äußerst realistischen Technik bisweilen als zu lehrbuchhaft betrachtet werden. Andererseits gilt er als Erneuerer, der innerhalb des akademischen Klassizismus, einer Richtung, welche in diesen Jahren bereits in Erstarrung geraten war, noch einmal ungewöhnliche Wege zu entdecken verstand. Zu seinem Werk gehörten auch zahlreiche in staatlichem Auftrag geschaffene Bilder für öffentliche Gebäude der Dritten Republik.

Bedeutend war er auch als Kunstlehrer. Er unterrichtete an der berühmten Pariser Académie Julian, hatte zudem eine Professur an der École nationale supérieure des Beaux-Art, und zahlreiche seiner Schüler konnten sich selbst einen Namen machen; von George Barbier, Georges Dufrénoy oder Angèle Delasalle etwa könnte man schon einmal etwas gehört haben.

Als er 1921 in Paris starb, hatte er der Welt überdies zwei Söhne, Paul Albert Laurens (1870–1934) und Jean-Pierre Laurens (1875–1932), hinterlassen, welche sich ebenfalls als Maler und Lehrer an der Académie Julian Verdienste erwarben.

 

Verweise:

https://www.parismuseescollections.paris.fr/en/node/223013#infos-principales
http://www.artnet.de/künstler/jean-paul-laurens/
https://www.artrenewal.org/artists/jean-paul-laurens/868

Jean-Paul Laurens: später Erneuerer des akademischen Klassizismus https://art-depesche.de/images/2022/0324/Das_Urteil_des_Papstes_Formosus.jpg Ruedi Strese