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Alexei Petrowitsch Bogoljubow „Schlittenfahrt auf der Newa“ (Öl auf Leinwand, 1854, Tretjakow-Galerie Moskau)

Berlin – Der russisch-armenische Marinemaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski gilt als bedeutendster bildender Künstler der russischen Romantik. Ein sehr begabter Künstler, welcher zunächst in Aiwasowskis Fußstapfen trat, war unser heutiger Kandidat, Alexei Petrowitsch Bogoljubow. Später wandte er sich dem aufkommenden Realismus zu.

Zur Welt kam Bogoljubow 1824 im Dorf Pomerania in der Nähe von Nowgorod. Sein Vater war ein Oberst, Veteran des Krieges von 1812, der Großvater mütterlicherseits, Alexander Nikolajewitsch Radischtschew war ein bekannter Republikaner, Philosoph und Schriftsteller.

Er wurde zunächst in einer Militärschule unterrichtet, und bereits während seiner Kadettenzeit begann er mit der Malerei. Nach Abschluß der Militärschule 1841 diente er in der Marine, war Adjutant seines Vizeadmirals und bereiste als Matrose zahlreiche Länder.

1849 begann er sein Studium an der Kunsthochschule in Sankt Petersburg bei Maxim Worobjow, einem der wichtigsten Landschafter der russischen Romantik. Persönlich beeinflußten ihn, wie viele andere Maler seiner Generation, jedoch insbesondere die mächtigen maritimen Gemälde Aiwasowskis. Marinemotive sollten in seiner Karriere immer wieder eine Rolle spielen.

1853 schloß er das Studium mit einer Goldmedaille ab. Er trat als Marineoffizier zurück und wurde dem Marinehauptquartier als Künstler zugewiesen. Die folgenden Jahre bereiste er Europa, trat in Rom mit seinem Landsmann Alexander Iwanow in Kontakt und nahm von 1854 bis 1856 in Düsseldorf Unterricht bei Andreas Achenbach, den er „Vater Andrej“ nannte; in den 1860er Jahren würde er noch einmal nach Düsseldorf und zu Achenbach zurückkehren; von 1859/60 bis 1869 war er überdies Mitglied des Düsseldorfer Künstlervereins „Malkasten“.

Nach den Düsseldorfer Jahren weilte er in Paris und freundete sich mit den Künstlern der realistischen Schule von Barbizon an, insbesondere mit Camille Corot und Charles-François Daubigny. Für die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale in Paris malte er mehrere Fresken.

1860 kehrte er nach Rußland zurück und erkundete als Landschaftsmaler die Wolgaregion, wandte sich dabei einem mehr und mehr erdigen und realistischen Stil zu. Auch entstanden in den 1860er Jahren einige Historienbilder, welche die Schlachten des Zaren Peter der Große gegen die Schweden darstellten.

1871 wurde er schließlich in die Russische Kunstakademie aufgenommen und erhielt eine Professur. Mit den Realisten der Peredwischniki stand er einige Zeit in gutem Kontakt. Er nahm an deren Ausstellungen teil und wurde zum Vorstandsmitglied gewählt. Allerdings war er weit älter als die meisten Gruppenmitglieder und stand zudem deren sozialrevolutionären Ideen distanziert gegenüber, so daß er die Gruppe 1873 wieder verließ.

Die Akademie verließ er jedoch 1873 ebenso, spielte wohl gar mit Plänen zur Gründung einer eigenen russischen Akademie in Rom, entschied sich jedoch, wieder nach Paris zu ziehen, welches künftig sein Hauptwohnort bleiben sollte und wo sein Haus sich zu einem Zentrum des russischen Kulturlebens entwickelte; zahlreiche prominente Gäste wie Ilja Repin, Iwan Turgenew oder Wssili Polenow gingen dort ein und aus.

1885 eröffnete Bogoljubow in Saratow das nach dem berühmten Großvater benannte Radischtschew-Kunstmuseum: Dies geschah sieben Jahre bevor die Tretjakow-Galerie in Muskau und 15 Jahre bevor das Russische Museum in Sankt Petersburg ihre Tore für die Allgemeinheit öffneten. Die Benennung nach dem republikanischen Revolutionär Radischtschew wurde von den Autoritäten als Provokation gesehen; erst nach einem Rechtsstreit war ihm die Erlaubnis zur Eröffnung gewährt worden.

Bogoljubow starb 1896 in Paris. Sein umfassendes Vermögen überließ er dem Museum und der zu diesem gehörenden Malschule, welche kurz nach dem Tod des Malers als „Bogoljubows Malschule“ eröffnete wurde und wo mehrere bedeutende Künstler der russischen Moderne, darunter Alexej Karew, Wiktor Borissow-Mussatow und Pawel Kusnezow, ihr Handwerkszeug erwerben würden.

 

Verweise:

http://radmuseumart.ru/museum/bogolubov/
https://www.pictorem.com/profile/Alexey.Bogolyubov
https://arthive.com/de/artists/66~Alexey_Petrovich_Bogolyubov

Der Marine- und Landschaftsmaler Alexei Petrowitsch Bogoljubow https://art-depesche.de/images/2022/0326/Schlittenfahrt_auf_der_Newa.jpg Ruedi Strese