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Pompeo Mariani „Bei den Olivenbäumen“ (Öl auf Leinwand, 1898, Galleria Civica d'Arte Moderna, Genua)

Berlin – Der heutige Kandidat in unserer biografischen Reihe war ein italienischer Freilichtmaler, welcher sich einer Vielzahl von Themen widmete. Vom Garten bis zum Seestück, vom Porträt bis zur orientalischen Genreszene gingen die Interessen Pompeo Marianis. Seine Bekanntheit ist heutzutage auf Italien beschränkt, doch wir sind sicher, daß einige unserer Leser seinem Schaffen etwas abgewinnen können.

Geburtsjahr: 1857. Geburtsort: Monza, in der Lombardei. Der Vater: Leiter einer angesehenen Handelsschule. Ein Onkel, Mosè Bianchi (1840-1904), war ein bereits impressionistisch orientierter Maler. Bianchi wurde später zu einem wichtigen Unterstützer Marianis.

Allerdings ging Mariani zunächst den Weg als Bankier, zeichnete nebenbei zum eigenen Pläsier. Es heißt, eine Karikatur des Bankdirektors habe ihn 1878 die Anstellung gekostet. Unser Held ließ sich davon nicht entmutigen und nahm dies als Anlaß, seiner Berufung zum Maler zu folgen. Dafür nahm er 1878 Unterricht bei dem Romantiker Eleuterio Pagliano in Mailand.

Es heißt, Mariani habe den Lehrer gebeten, seiner Familie nichts über seine Ausbildung zum Maler zu verraten. Berichtet wird ferner, daß der bekannte Impressionist Giuseppe de Nittis Paglianos Atelier besichtigte und, von den Fähigkeiten Marianis angetan, dessen Onkel Bianchi davon erzählte, welcher sich wiederum bei den Eltern des Neffen dafür einsetzte, ihm die Karriere als Maler zu gestatten. Bianchi brachte Mariani auch dazu, zum freien Zeichnen in den Park zu gehen.

1880 reiste er mit zwei befreundeten Künstlern, Uberto Dell’Orto und Sallustio Fornaia, nach Ägypten. Wegen einer Augenverletzung aufgrund eines Sandsturms mußte er bald nach Italien zurück, hatte jedoch zahlreiche Skizzen gefertigt, welche ihm als Vorlage seiner in den beiden Folgejahren mit Erfolg ausgestellten orientalistischen Gemälde dienten.

Bei den Ausstellungen in Mailand, Rom und Nizza (wo er gar eine Goldmedaille gewann) konnte er all seine Bilder verkaufen. An der Küste Liguriens befaßte er sich intensiv mit der Landschafts- und Marinemalerei. Besondere Aufmerksamkeit widmete er den jahreszeitlichen Besonderheiten sowie der Darstellung von Lichteffekten auf der Wasseroberfläche; seine Bilder sind meist sehr stimmungsvoll.

Sein Erfolg blieb bald nicht auf Italien beschränkt: Silbermedaillen gab es auf internationalen Ausstellungen in Liverpool und London; in Paris und Monaco gab es sogar Goldmedaillen. Bald konnte er sich auch als Porträtist eleganter Damen einen Namen machen, und 1889 saß ihm König Umberto in Rom Modell; der König erwarb zudem eine der Landschaften Marianis.

1893 folgte ein weiteres Porträt des Monarchen, und mit seiner Teilnahme an der Weltausstellung in Chicago fand er nun auch jenseits des großen Teiches seine Bewunderer. Erfolg hatte er auch mit Porträts wohlhabender englischsprachiger Reisender. Der Tod des geliebten Onkels Mosè Bianchi 1904 ging ihm sehr nahe; er veranstaltete dazu eine Gedenkausstellung in Mailand.

Die folgenden Jahre verbrachte er teils in Mailand, wo er sein Atelier hatte, teils im ligurischen Ferienort Bordighera. Von 1918 bis 1923 verzichtete er auf öffentliche Auftritte und Ausstellungen, doch arbeitete intensiv an neuen Bildern und neuen Techniken; zwischendurch porträtierte er auch einmal die Königin, welche ihm einen Besuch abstattete.

1923 schließlich trat er mit einer großen Werkschau in Mailand auf; diese umfaßte eine Vielzahl von Gemälden unterschiedlicher Phasen seines Schaffens. 1925 ließ er sich endgültig in Bordighera nieder, wo er 1927, von Frau und Tochter umsorgt, starb. Die feierliche Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof in seinem Heimatort Monza.

Während seiner Schaffensjahre hatte Mariani die italienische Pleinairmalerei mit geprägt, an 480 hochkarätigen Ausstellungen weltweit teilgenommen, dabei elf Gold- und neun Silbermedaillen gewonnen. Überdauert hat sein Name dieser Tage jedoch nur noch in Italien.

 

Verweise:

http://www.artgate-cariplo.it/collezione-online/page45d.do?link=oln82d.redirect&kcond31d.att3=138
https://www.dorotheum.com/de/k/pompeo-mariani/
http://www.artnet.de/künstler/pompeo-mariani/
https://www.tuttartpitturasculturapoesiamusica.com/2016/02/Pompeo-Mariani.html

Der italienische Freilichtmaler Pompeo Mariani https://art-depesche.de/images/2022/0329/Bei_den_Olivenbaeumen.jpg Ruedi Strese