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Christian Mølsted „ An Bord der Fregatte Niels Juel bei der Seeschlacht von Helgoland am 9. Mai 1864“ (Öl auf Leinwand, 1897/98, Frederiksborg Palast)

Berlin – Die Marinemalerei wird in der Kunstgeschichte allgemein etwas stiefmütterlich behandelt. Das dürfte allerdings eher am Thema als an den Fähigkeiten der Künstler liegen, welche sich ihr in der Vergangenheit zugewandt haben. Für den bürgerlichen Realismus des 19. Jahrhunderts war die Schiffahrt noch ein völlig legitimes Thema, und zu den beachtenswerten Vertretern gehörte unser heutiger Kandidat.

Dieser hieß mit vollständigem Namen Christian Ferdinand Andreas Mølsted und kam 1862 in Dragør, einer Kleinstadt unweit Kopenhagens zur Welt. Der Vater war Fischer und Schiffsbauer, womit dem Jungen sein Lieblingsthema schon in die Wiege gelegt war.

Seine künstlerische Ausbildung begann er, mit finanzieller Unterstützung eines Verwandten, 1879 an der Kunsthochschule der Technischen Gesellschaft („Det tekniske Selskabs Skole“) in Kopenhagen. Er blieb dort bis 1880. Berichtet wird von einer anschließenden Reise auf der Fregatte Jylland, welche ihn nach England, Madeira und St. Petersburg führte, wobei diese zum Teil auch für 1890 angegeben wird. Seien Sie also immer vorsichtig, Biografien im Internet (wie auch diese hier) zu sehr für bare Münze zu nehmen.

Nach der Rückkehr führte er noch im selben Jahr sein Studium fort, und zwar an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Unter seinen Lehrern waren bekannte Künstler wie Carl Bloch, Frederik Vermehren, Julius Exner, Niels Simonsen und Jørgen Roed. In diese Periode fielen auch zwei Studienreisen, die eine führte ihn nach Paris, die andere nach London. Seinen Abschluß machte er 1885.

Bereits 1884 hatte er in der Dezemberausstellung im Schloß Charlottenborg, welches schon seit 1754 Sitz der Kunstakademie war und dies bis heute geblieben ist, seinen ersten erfolgreichen Auftritt. Von 1885 bis 1931 (nach seinem Tod) war er dann jedes Jahr auf der Frühjahrsausstellung der Institution vertreten; ausgestellt hat er u.a. auch in Lübeck, Glasgow und Chicago.

Zusätzlich zum Unterricht an der Akademie soll er, bereits fest entschlossen, sich der Marinemalerei zu widmen, noch bei zwei lokalen autodidaktischen Malern in Dragør, dem Kommandanten Peder Foss (1821-1882) and dem Piloten Hendrik Strømberg (1840-1916), Unterricht genommen haben. Für sein Gemälde „Schiffe im Hafen bei Larsens Plads“ wurde er 1889 mit dem Neuhausen-Preis geehrt.

Allgemein malte er vor allem Ansichten der Küsten um Kopenhagen und Jütland, wobei Figuren von Fischern und Seeleuten zumeist nur als Staffage dienten. Beliebt wurden vor allem seine Gemälde historischer Seeschlachten, darunter sein bekanntestes Werk, unser Titelbild, welches das Innere der Fregatte Niels Juel während der Schlacht um Helgoland im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 darstellt.

Dabei hatte er nicht nur in der künstlerischen Ausführung einen perfektionistischen Anspruch. Für historische Einzelheiten und die korrekte Darstellung der Schiffe ließ er sich von Otto Dorge, einem lokalen Historiker in Dragør, beraten. In späteren Jahren ergänzte er sein Themenspektrum um Genrebilder. Er starb 1930 in Dragør und wurde auf dem dortigen Kirchhof beigesetzt. Sein einstiges Atelier wurde 1974 als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist dem Museum Amager zugeordnet und zeigt eine Auswahl seiner Arbeiten.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/christian-ferdinand-andreas-molsted/
https://www.hopegallery.com/php/search.php?artist=138
https://www.gravsted.dk/person.php?navn=christianmoelsted
https://www.askart.com/artist/Christian_Molsted/11055312/Christian_Molsted.aspx

Christian Mølsted, Marinemaler des dänischen Realismus https://art-depesche.de/images/2022/0501/An_Bord_der_Fregatte_Niels_Juel_bei_der_Seeschlacht_von_Helgoland_am_9Mai_1864.jpg Ruedi Strese