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Jan Toorop „Hetäre“ (Öl auf Leinwand, 1890, Alte Nationalgalerie Berlin)

Berlin – Das sind wirklich einmal wunderbare Neuigkeiten: Die Alte Nationalgalerie hat einen Neuzugang zu verzeichnen, und zwar ein Werk des holländischen Symbolisten Jan Toorop aus dessen Hauptschaffensphase.

Toorop wurde 1890 auf Java im damaligen Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, als Sohn eines niederländischen Kolonialbeamten und seiner britischen Frau geboren. Während seiner Studienjahre in Amsterdam und Brüssel kam er mit dem Symbolismus von James Ensor und Fernand Khnopff in Berührung.

Dazu kamen Einflüsse des Pointillismus und Impressionismus, von James McNeill Whistler und aus der javanischen Volkskunst, woraus Toorop seinen ganz eigenen Weg innerhalb des Symbolismus fand. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Die Dame in Weiß“ (1886); hier ist insbesondere der Einfluß Whistlers unverkennbar.

„Hetäre“ wiederum ist 1890 entstanden und nun, im Jahr 2022, in die Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin gelangt. Wir finden es in der Alten Nationalgalerie im Raum des Symbolismus, gemeinsam mit Werken von Giorgio de Chirico, Franz von Stock, Ludwig von Hofmann und Max Klinger.

Im Mittelpunkt steht eine entrückt wirkende Frauengestalt, demgegenüber steht der unbändige und wilde Farbauftrag, der von Ensor inspiriert sein mag und im Frühwerk Ernst Noldes einen Wiedergänger findet. Die Gesamtatmosphäre ist zugleich kraftvoll und mystisch. Der Titel verweist auf eine Tempelprostituierte des Altertums, doch ist das Bild auch unter „Venus des Meeres“ und „Die Frau vom Meer“ bekannt.

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie, kommentiert: „Besonders in den Arbeiten um „Hetäre“ scheint Toorop Einflüsse der Kultur Javas verarbeitet zu haben. Das Gemälde ist, vergleichbar den Werken Paul Gauguins, ein überragendes Zeugnis der Verflechtung der europäischen Moderne mit außereuropäischen Kulturen und ergänzt die Sammlung der Nationalgalerie um ein differenzierteres Verständnis dessen, was wir heute als „europäische“ Moderne bezeichnen.“

Erworben wurde das Werk mit Mitteln der Stadt Berlin und der Ernst-von-Siemens-Stiftung. Deren Generalsekretär gibt zu Protokoll: „Toorop hat noch gefehlt! Die hochkarätige Sammlung der Nationalgalerie kann es sich erlauben, wählerisch zu sein bei ihren Neuerwerbungen. Die geheimnisvolle „Hetäre“ des niederländischen Symbolisten Jan Toorop ergänzt den Bestand jedoch trefflich und gern unterstützen wir diesen Dank eines privaten Gönners möglich gewordenen Ankauf.“

Der Eintritt für die Alte Nationalgalerie kostet 12,-, ermäßigt 6,- Euro. Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Alte Nationalgalerie, Bodestraße, 10178 Berlin. Geöffnet hat das Haus von Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr. Der Montag ist Schließtag.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/nachrichten/detail/schluesselwerk-des-europaeischen-symbolismus-jan-toorops-hetaere-ergaenzt-die-sammlung-der-nationalgalerie/
https://art-depesche.de/malerei/168-jan-toorop,-ein-wanderer-zwischen-impressionismus-und-jugendstil.html

Neuzugang in der Alten Nationalgalerie: Jan Toorops „Hetäre“ https://art-depesche.de/images/2022/0517/Jan_Toorop_Hetaere.jpg Ruedi Strese