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Ippolito Caffi „Venedig, Festival auf der Via Eugenia bei Nacht“ (Öl auf Leinwand, 52 cm x 66 cm, Privatsammlung)

Berlin – Italien hat wohl die größte Tradition der Vedutenmalerei in Europa; denken wir nur an die alten Meister Canaletto, Belloto, Guardi, Pannini, Piranesi. Doch auch in der Zeit der Romantik war die Vedutenmalerei nicht tot, und als herausragendster Vertreter kann Ippolito Caffi genannt werden, den wir heute unserer Leserschaft vorzustellen gedenken.

Zur Welt kam er 1809 in Belluno, Norditalien. Mit dem Erwerb malerischer Kenntnisse begann er in seiner Heimatstadt, ging dann nach Padua, wo er bei seinem Cousin, dem Freskenmaler Pietro Paolétti (1801-1847), weiteren Unterricht nahm. Von 1827 bis 1831 studierte er unter anderem bei Teodoro Matteini, Francesco Nagnara und Tranquillo Orsi an der Akademie in Venedig; aus jenen Jahren stammen auch die ersten überlieferten Werke.

Nach Abschluß der Akademie ging er 1832 nach Rom, wo sein Cousin bereits tätig war. Mit seinem Studium antiker römischer Architektur und seiner Behandlung der Perspektive konnte er ebenfalls Aufmerksamkeit erzielen. Beeinflußt haben dürften ihn dabei ausländische Maler, welche unter freiem Himmel die Landschaft in und um Rom studierten, wie Carl Blechen, Simon Denis oder Jean-Baptiste Camille Corot; es sind zahlreiche derartige Zeichnungen Caffis erhalten.

In Rom wurde er ein recht erfolgreicher Künstler, reiste jedoch häufig, wenn etwa Aufträge und Ausstellungen in Triest, Mailand, Venedig oder Padua winkten oder das Fernweh ihn in den Orient zog; so besuchte er 1843 Griechenland, Malta, die Türkei, Syrien und Ägypten, wobei er auf diesen Reisen zahlreiche Skizzen anfertigte, welche ihm später als Vorlagen seiner Gemälde dienten.

Wie mancher Künstler wurde auch Caffi vom romantischen Nationalismus des Risorgimento gepackt und zog 1848 gegen das Habsburgerreich in den ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg. Bei Kämpfen im Friaul nahmen ihn die Österreicher gefangen; er konnte jedoch fliehen und hielt sich bis zur Rückeroberung der Stadt 1849 durch Österreich in Venedig auf, dann ging es über Genua und die Schweiz nach Turin.

Nach Aufenthalten in London, Paris (wo er sich mit einer Karnevalsszene aus Venedig auch mit Erfolg an der Weltausstellung beteiligte) und Spanien kehrte er 1855 nach Rom zurück und konnte mit eigenem Atelier Fuß fassen, zog jedoch 1858 wieder nach Venedig, wo er nun einerseits endgültig ein etablierter Maler wurde, andererseits wegen seiner politischen Aktivitäten mit den Autoritäten des Habsburgerreiches in Konflikt geriet und einen Prozeß wegen des „Verbrechens öffentlicher Gewalt“ erlebte, 1860 gar für drei Monate in Haft kam, da seine häufigen Reisen nach Mailand und Turin Verdacht erregt hatten.

Nach seiner Haft ging er erst nach Mailand, dann nach Neapel, wo er sich den Truppen Garibaldis anschloß. Im Kontext seiner patriotischen Aktivitäten entstand auch ein weiterer gewichtiger Teil seines Werkes, welcher der Historien- und Schlachtenmalerei zu gerechnet werden kann. Neben Francesco Hayez kann er als einer der bedeutendsten Maler der italienischen Unabhängigkeitsbewegung betrachtet werden.

Die Tätigkeit als Kriegsmaler brachte ihn 1866 auch an Bord des Kriegsschiffes Re d’Italia, welches in der Seeschlacht von Lissa versenkt wurde, wobei Caffi gemeinsam mit seinen Kameraden ertrank.

Seine Veduten, die den wichtigsten Teil seines Werkes ausmachen, nehmen klar die Tradition barocker Meister wie Canaletto und Guardi auf, sind in ihrer Atmosphäre jedoch bereits von der Romantik geprägt und verblüffen insbesondere mit ihrer meisterlichen Behandlung der Wetter- und Lichtverhältnisse.

 

Verweise:

https://www.dorotheum.com/de/k/ippolito-caffi/
https://www.kollerauktionen.ch/de/120988-0001-----1158-CAFFI_-IPPOLITO-_Belluno-1809-1158_48263.html
https://www.tuttartpitturasculturapoesiamusica.com/2016/09/Ippolito-Caffi.html

Ippolito Caffi – Wiedergänger Canalettos im 19. Jahrhundert https://art-depesche.de/images/2022/0528/Venedig-Festival_auf_der_Via_Eugenia_bei_Nacht.jpg Ruedi Strese