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Alma del Banco „Taormina“ (Öl auf Leinwand, um 1920, 70,5 cm x 60,5 cm)

Berlin – Bis zum 27. August wird in der Salongalerie „Die Möwe“ eine Ausstellung zu sehen sein, welche den Blick auf die frühe Moderne der Hansestadt Hamburg lenkt. Dort hatten sich damals, analog zu anderen unakademischen Sezessionsbewegungen, Künstler verschiedener Metiers und Stilrichtungen in der „Hamburger Secession“ vereinigt. In der gegenwärtigen Schau werden einige von diesen mit frühen oder späten Arbeiten von der Druckgrafik über das Aquarell bis zum Ölgemälde vorgestellt.

Die bekannteste Künstlerin dürfte vielleicht Gretchen Wohlwill (1878-1962) sein. Ihr Atelier war in den 1920 und frühen 1930er Jahren ein beliebter Treffpunkt der Hamburger Sezessionskünstler. Als die Nationalsozialisten sie wegen ihrer jüdischen Abkunft aus dem Schuldienst entließen, zog sie auf die Hamburger Elbinsel Finkenwerder in die Nähe ihres Freundes Eduard Bargheer. Sie ist mit einem Aquarell von etwa 1930 vertreten, welches ihren Garten in Finkenwerder zeigt.

Bargheer (1901-1979) selbst war von 1929 bis zur Zwangsauflösung 1933 Mitglied der Sezession. Unter dem Eindruck Paul Klees schuf er leichte, mosaikartige Aquarelle, von denen hier einige aus späteren Jahren zu sehen sind. Besonders inspirierte ihn die Insel Ischia, welche er 1939 zum Wohnsitz gewählt hatte. Eher untypisch und besonders reizvoll ist ein Aquarell von 1944, welches Orchideenblüten zeigt.

Alma del Banco (1863-1943) gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Secession und war damals eine der wichtigsten Hamburger Künstlerpersönlichkeiten, die sich u.a von Kubismus und Expressionismus beeinflussen ließ. Nachdem ihre Kunst als „entartet“ eingestuft und aus Hamburger Museen entfernt worden war und ihr als Jüdin schließlich auch die Deportation drohte, entschied sie sich im Alter von 81 Jahren für den Suizid. Das in der „Möwe“ ausgestellte Ölbild „Taormina“ (um 1920) erinnert in Formsprache und Farbe stark an die Landschaften Paul Cézannes; sicher eines der Glanzlichter.

Mit zahlreichen Werken vertreten ist Emil Maetzel (1877-1955), auch er eines der Gründungsmitglieder der Vereinigung. Zunächst vor allem vom Expressionismus der Brücke beeinflußt, nahm er auch kubistische Einflüsse auf, ohne den gegenständlichen Bereich zu verlassen. In den vertretenen Figurenbildern in Öl aus der Nachkriegszeit sehen wir puppenartige Kinderdarstellungen, daneben gibt es einen frühen Akt in Wasserfarbe sowie zwei vom Japonismus inspirierte Lithografien. Glanzstück in der Ausstellung ist nach Ansicht des Schreibers ein recht kubistisches Stilleben von 1955.

Seine Frau Dorothea Maetzel-Johanssen (1886-1930) war ebenfalls von Anbeginn dabei, stand zunächst unter dem Eindruck von Cézanne, der Brücke und dem Kubismus und näherte sich später der Neuen Sachlichkeit an. Zu NS-Zeiten fiel sie posthum unter den Bann der „Entartung“. In der Ausstellung finden sich ein Linolschnitt von 1917 sowie ein verhaltenes Ölgemälde von 1929, „Kassel – Schloßtreppe II“.

Otto Fischer-Trachau (1878-1958) kam aus der Gegend von Dresden, wo er auch sein Studium absolvierte, bis er in Hamburg landete, wo er früh zur Sezession stieß. Er entwickelte einen kubistischen und teilweise stark abstrahierten Stil. In den gezeigten Werken tritt er uns vor allem als Druckgrafiker entgegen.

Ivo Hauptmann (1886-1973) war in Erkner bei Berlin geboren worden und kam erst 1928 zur Hamburger Sezession, welche er ab 1932 bis zu ihrem unfreiwilligen Ende und ab der Neugründung 1945 wieder leitete. Gezeigt werden hier vier Aquarelle mit Ufer- bzw. Hafenszenen, von denen drei 1922 entstanden sind und eines 1956. Der unbeschwerte, farbenfrohe Stil erinnert nicht wenig an Raoul Dufy.

Fritz Kronenberg (1901-1960) gehörte der Sezession von 1931-33 an. Er setzte sich besonders mit der norddeutschen Landschaft auseinander. Ihm verdanken wir ein einsames Prachtstück der Ausstellung, „Treene“ (Aquarell und Tusche, 1947). Das minimalistische und sehr sicher erfaßte Landschaftsbild wirkt ausgesprochen vornehm. In diesem Fall der Hinweis, daß es sich nicht im Hauptausstellungsraum, sondern im ebenfalls öffentlich zugänglichen Büro befindet. Ansehen!

Werke von Künstlern der Hamburger Secession sind in Berlin nur sehr selten zu sehen, insofern gebührt der Galerie hierfür besonderer Dank. Für Kunstfreunde, insbesondere solchen mit Interesse an kleinen Perlen der frühen deutschen Moderne, eine dringende Empfehlung! Salongalerie „Die Möwe“, Auguststr. 50B, 10119 Berlin. Geöffnet von Dienstag bis Sonnabend von 12 bis 18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/ausstellungsdetails/hamburger-sezessionisten.html

Hamburger Sezession zu Gast in Berlin https://art-depesche.de/images/2022/0614/Alma_del_Banco-Taormina.jpg Ruedi Strese