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Victor Gabriel Gilbert „Junge Marktfrauen“ (Öl auf Leinwand, 1878, 42 cm x 60,8 cm, Privatsammlung)

Berlin – Die französische Salonmalerei des späten 19. Jahrhunderts hatte ihre Inspiration vornehmlich aus dem Realismus und Impressionismus bezogen, jedoch die Kanten dieser Stilrichtungen weitgehend abgeschliffen und sich stattdessen am Geschmack eines größeren zahlkräftigen Publikums orientiert. Das bedeutet keineswegs, daß es sich deshalb um schlechte Malerei gehandelt hätte. Beleg dafür ist nicht zuletzt Victor Gabriel Gilbert, der sich insbesondere mit seinen Marktszenen einen Platz in der Kunstgeschichte verdient hat.

Er wurde 1847 in Paris geboren und war somit etwas jünger als die erste Generation der Impressionisten. Im Jahr darauf erlebte Frankreich die bürgerliche Februarrevolution. Von Interesse ist dies hier insofern, als dieses Ereignis auch zu einer Neuorientierung des Pariser Salons führte, der nun weit mehr als den strengen akademischen Klassizismus zuließ und thematisch auch Szenen des Alltags mehr Raum gab, wovon später Künstler wie Gilbert profitieren würden.

Da die Eltern nicht über die nötigen Mittel verfügten, um ihn an die École des Beaux-Arts zu senden, begann er seine künstlerische Ausbildung 1860 zunächst als Gehilfe bei einem Dekorationsmaler namens Eugène Adam. Zudem nahm er Abendkurse an der „École de la Ville de Paris“, was seine einzige formale Ausbildung geblieben sein soll. Eine bekannte Online-Enzyklopädie nennt indes Émile Adan, Jules Gabriel Levasseur und Charles Busson als seine Lehrer, das „Benezit Dcitionary of Artists“ wiederum Busson und Victor Adam.

Er konnte sich, ebenso wie sein Zeitgenosse Jean Béraud, als Maler des Pariser Alltags einen Namen machen. 1873, ein Jahr vor der berühmten ersten Impressionisten-Ausstellung, hatte er sein Debut auf dem Pariser Salon, wo er 1880 eine Medaille zweiter Klasse errang. Auf der Pariser Weltausstellung von 1889 brachte er es immerhin zur Silbermedaille; ausgestellt hat er überdies auch im Münchner Glaspalast.

Er verbrachte das ganze Leben in Paris, wo seine Genreszenen entstanden. Gerne malte er Märkte am Morgen, wobei es ihm die Blumenstände, welche er in lebhaften, freundlichen Farben festhielt, offenbar am meisten angetan hatten. Daneben malte er Szenen aus Lokalen und Pariser Stadtansichten, Szenen aus dem Landleben, Porträts und spielende Kinder. Zudem tat er sich als Illustrator des alljährlichen Almanachs „Paris-Noël“ hervor.

Gilbert hatte es zu einem angesehenen Künstler gebracht. 1897 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und 1926 erhielt er den nach einem der bedeutendsten akademischen Maler benannten Léon-Bonnat-Preis. Noch bis in sein Todesjahr 1933 stellte er regelmäßig im Salon aus, dessen Jury er zwischenzeitlich auch angehörte.

 

Verweise:

https://rehs.com/eng/default-19th20th-century-artist-bio-page/?fl_builder&artist_no=39&sold=1
https://www.auktionshaus-stahl.de/de/kuenstler/5931-victor-gilbert
https://www.oel-bild.de/Kuenstler/Bilder/Gemaelde/Victor-Gabriel--Gilbert.htm
https://www.artgalerie.de/kuenstler/victor-gabriel-gilbert
http://www.artnet.de/künstler/victor-gabriel-gilbert/
https://www.sothebys.com/zh/auctions/ecatalogue/2018/european-art-n09869/lot.72.html
https://www.macconnal-mason.com/artist-detail/240430/victor-gabriel-gilbert

Victor Gabriel Gilbert – Marktszenen für den Pariser Salon https://art-depesche.de/images/2022/0614/Victor_Gabriel_Gilbert-Junge_Marktfrauen.jpg Ruedi Strese