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Alfredo Müller „Cléo de Mérode“ (Radierung und Aquatinta, 1900, 36,5 cm x 34,6 cm)

Berlin – Ein weiterer Maler, dessen Schaffen wir unseren Lesern gerne näherbringen möchten, war der Schweizer Alfredo Müller. Stilistisch war er nicht unbedingt ein Neuerer, eher jemand, der sich an verschiedenen bereits populären Stilen seiner Zeit orientierte. So begann er als Impressionist, versuchte sich als Grafiker im Jugendstil und ließ sich zuletzt vermehrt von Cézanne inspirieren. Dabei war er allerdings ein Könner, der immer wieder herausragende Werke schuf.

Festzuhalten ist zunächst, daß er geboren wurde, und zwar 1869 in Livorno (Leghorn) in der Toskana als Sproß einer reichen Schweizer Händlerfamilie. Im zarten Alter von nur 15 Jahren ging er nach Florenz, wo er Unterricht bei dem Genremaler Giuseppe Ciaranfi und dem Porträtkünstler Michele Gordigiani an der Accademia di Belle Arti erhielt.

Bereits 1886 konnte er bei der „Ersten Ausstellung der Bildenden Künste“ in Livorno mit etablierten Künstlern wie Giovanni Fattori oder Silvestro Lega ausstellen. Um 1888 ging im Zuge des Niedergangs der Bank von Livorno das Unternehmen seines Vaters bankrott, und Müller ging (alleine oder mit Eltern, hier gehen die Angaben auseinander) nach Paris, wo er bis 1914 seinen Hauptwohnsitz haben sollte, wenn er auch immer wieder in die Heimat zurückkehrte.

Er studierte dort bei Francois Flameng und ab 1892 bei Carolus-Duran. 1889 konnte er bereits an der Pariser Weltausstellung teilnehmen. Bald entdeckte er den Impressionismus Claude Monets und Camille Pissarros für sich und übernahm die leuchtende Farbigkeit und das flimmernde Licht dieses Stils, weshalb er in Italien als Nachahmer der Franzosen auch ablehnende Kritiken erntete.

Am Montmartre, wo sich sein Wohnsitz befand, lernte er die führenden Künstler Frankreichs kennen, darunter den bereits erwähnten Pissarro, Pierre-Auguste Renoir, Henri de Toulouse-Lautrec und Paul Cézanne. Letzteren betrachtete Müller als seinen Meister, und insbesondere seine Landschaften um 1920 lassen diesen Einfluß erkennen, erinnern damit jedoch auch an den Fauvismus.

Werke um 1900 wiederum, und dabei vor allem die Druckgrafiken, stehen dem Art Nouveau bzw. Jugendstil nahe, neben Toulouse-Lautrec war auch Théophile Steinlen ein Künstler dieser Richtung, von welchem Müller sich beeinflussen ließ, und, wie diese beiden, war auch er offensichtlich der Faszination japanischer Holzschnitte erlegen.

1914 verließ er wegen des Weltkrieges Frankreich, ging nach Rom und dann Florenz, wo er, obgleich nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen war, für viele Jahre bleiben sollte. 1932 erst ging er, auch wenn Mussolini Italiens Künstler weitgehend unbehelligt ließ, von der politischen Entwicklung abgestoßen, wieder nach Paris, wo er 1939 verstarb.

 

Verweise:

https://web.archive.org/web/20110903004836/http://www.800artstudio.com/en/muller.php
http://sagot-legarrec.fr/exposition/alfredo-muller-exposition/
http://www.artnet.de/künstler/alfredo-müller/
https://www.britishmuseum.org/collection/term/BIOG119190

Alfredo Müller: Frühmoderne zwischen Toskana und Paris https://art-depesche.de/images/2022/0628/Alfredo_Mller_Cleo_de_Merode.jpg Ruedi Strese