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Bruno Krauskopf „Bucht mit Fischern“ (Öl auf Leinwand, 1920, 70 cm x 100 cm)

Berlin – Die Galerie Mutter Fourage, gelegen in Nähe des Wannsees, bietet bis zum 21. August eine Ausstellung, welche zumeist sommerliche Motive von Künstlern aus dem Umfeld der Berliner Secession mit ausgewählten Vertretern der Gegenwart vereint. Soviel vorab: Es gelingt ausgesprochen gut.

Das liegt zum einen am Themenbereich; der Schwerpunkt liegt auf sommerlichen Landschaften und Strandszenen, zum anderen daran, daß die zeitgenössischen Positionen sorgfältig ausgesucht wurden und bei aller Eigenständigkeit auf grobe Stilbrüche verzichtet wird.

Faktisch der Hausmaler der Galerie ist der Impressionist Philipp Franck (1860-1944), welcher vor allem dieser seine posthume Wiederentdeckung verdankt; auch das Werksverzeichnis des Künstlers ist unter ihrer Obhut erschienen. Franck ist mit einem größeren Ölgemälde „Lindenallee“ sowie einem Aquarell „Blick auf den Ätna“ vertreten.

Gleich dreimal begegnet uns Theo von Brockhusen (1882-1919), welcher ab 1906 von Paul Cassirer unterstützt und als „deutscher van Gogh“ vermarktet wurde, wobei dieser Vergleich nicht von ungefähr kommt, denn Brockhusen wandte seine van Gogh entlehnte Malweise bevorzugt auf die brandenburgische Landschaft an. Diese ist jedoch in der Ausstellung nicht zu sehen, stattdessen gibt es Ansichten vom Urlaub am Meer.

Das Kabinett zeigt eine ganze Auswahl von Druckgrafiken und Handzeichnungen Max Liebermanns (1847-1935). Über diesen Künstler müssen wir freilich keine weiteren Worte mehr verlieren, ebensowenig über Walter Leistikow (1865-1908), welcher mit einer einfachen Seenlandschaft dabei ist.

Weitere Künstler der Berliner Secession im Programm sind Rudolf Jacobi (1889-1972), Paul Kuhfuss (1883-1960), Bruno Krauskopf (1892-1960), Max Kaus (1891-1977), Arthur Degner (1888-1972), Erich Büttner (1889-1936) und Jósef Bató (1888-1966). Je ein Bild gibt es auch von Hans Breinlinger (1888-1963) sowie dem schwedischen Expressionisten Berthold Adolfsson (1911-2004).

Vertreten ist auch der vornehmlich als Schauspieler bekannte Albert Steinrück (1872-1929), welcher zugleich ein passionierter Hobbymaler war. Der Münchner Secession gehörten Eduard Aigner (1903-1978) und Charles Crodel (1894-1973) an, wobei letzerer jedoch auch bei den Berlinern ausstellte.

Nun zu den Gegenwartskünstlern: Mit einer recht monumentalen Dünenlandschaft begrüßt uns gleich im Eingangsbereich Christopher Lehmpfuhl (*1972). Der Berliner Freilichtmaler malt mit bloßen Händen, kraftvoll und pastos, und gehört zu den großen Namen unter den Landschaftern der Gegenwart.

Beachtlich auch Thomas Klingenstein (*1961). Der bekannte DDR-Dissident, Schriftsteller und Maler lebte viele Jahre in Japan und ist mit vier Werken dabei, welche ausgesprochen unterschiedlich sind. Ein unbetiteltes Seestück, geschaffen mit Graphit und Pastell auf Papier erst in diesem Jahr, läßt fernöstliche Inspiration vermuten und gehört jedenfalls zu den Höhepunkten der Ausstellung.

Tanja Nittka wurde 1970 in Essen geboren, lebt in Berlin. Die von ihr gezeigten Bilder zeichnen sich durch atmosphärische Dichte aus, ob es sich beim Motiv nun um einen Gebirgssee im Dämmerlicht, einen Blick durch ein Fenster in den Garten oder ein Intérieur eines vornehmen Hauses handelt. Stets hat der Betrachter das Gefühl, dahinter sei eine besondere Geschichte verborgen.

Mit vier Landschaften ist BEZA (*1974 in Warschau) im Programm. Dabei ist eine ein kleines, klassisches, klares Seestück, die anderen drei Bilder sind eher dem fantastischen Bereich zuzuordnen. Ebenfalls sehenswert. Eine rezente Darstellung des Schlosses Charlottenhof gibt es von Caroline Weihrauch, schließlich ist auch der Bereich der Skulptur mit Julia Schleicher (*1983) und Michael Schoenholtz (1937-2019) abgedeckt.

Wie für die Galerie Mutter Fourage gewohnt also eine außerordentlich hochkarätige Ausstellung mit stimmiger Werkauswahl. Vor allem Freunde der Landschaft kommen auf ihre Kosten. Die Galerie befindet sich in der Chausseestr. 15a in 14109 Berlin-Wannsee. Geöffnet hat sie am Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie am Sonnabend und Sonntag von 12 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

 

Verweise:

https://galeriemutterfourage.de/ii-sommer/
https://galeriemutterfourage.de/kuenstler/philipp-frank/
https://www.christopherlehmpfuhl.de/
http://www.tanja-nittka.de/
https://caroline-weihrauch.de/
http://juliaschleicher.de/

Sommerliche Landschaftsmalerei bei Mutter Fourage am Wannsee https://art-depesche.de/images/2022/0713/Bucht_mit_Fischern.jpg Ruedi Strese