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Paul Weber „Sommerlandschaft mit Bauernhaus und Mühle“ (Öl auf Leinwand, 45 cm x 67 cm)

Berlin – Das Werk des deutschen Landschaftsmalers Paul Weber wird im Wesentlichen dem Realismus bzw. Naturalismus zugerechnet. Hierzulande eher wenig beachtet, konnte er während eines Aufenthaltes in den USA eine ganze Generation von Landschaftsmalern aus der Hudson River School beeinflussen.

Dem mütterlichen Leib entsprang Gottlieb Daniel Paul Weber 1823 in Darmstadt als Sohn des großherzoglichen Hofmusikers und Komponisten Johann Daniel Weber (1784–1848). In frühen Jahren bereits begeisterte ihn das Zeichnen, vor allem die alten Eichen im Stadtpark hatten es ihm angetan. Dabei scheint er ernsthaft genug gewirkt zu haben, so daß die Eltern ihm mit 13 Jahren ermöglichten, Unterricht bei dem romantischen Landschafter August Lucas zu nehmen; mit kolorierten Soldatenporträts soll er sich sein Taschengeld verdient haben.

Von 1842 bis 1844 studierte er in Frankfurt am Main im Städelschen Kunstinstitut bei Jakob Becker, welcher der Schule der Nazarener nahestand. Gemeinsam mit Anton Burger, einem weiteren Becker-Schüler, ging er nach München. Die beiden bezogen eine gemeinsame Wohnung und studierten bis 1848 an der Akademie. In dieser Zeit entdeckte er die Alpenmalerei für sich.

1846/47 begleitete er den Prinzregenten Luitpold von Bayern als Reisezeichner ins östliche Mittelmeer, besuchte Konstantinopel, Kleinasien, Griechenland und Sizilien. Eine letzte Studienphase führte ihn nach Antwerpen; hier lernte er bei dem akademischen Historienmaler Gustave Wappers sowie bei Laurentius Dyckmans, der sich sehr an alten niederländischen Meistern orientierte.

Nach dem Scheitern der bürgerlich-liberalen Revolution in Deutschland 1848/49 begab er sich in die USA. Gemeinsam mit seinem Freund Karl Christian Köhler bereiste er das Land und betrieb Naturstudien. 1850 wurde Sohn Carl geboren, später ebenfalls Maler. 1854 nahm er seinen Wohnsitz in Philadelphia, wo er, künstlerisch mittlerweile ausgereift, zu einem geachteten und erfolgreichen Maler wurde.

Er hatte mittlerweile einen eigenen Stil entwickelt, welcher, analog zu den französischen Realisten von Barbizon, die Kleinlandschaft (paysage intime) abbildete, diese ohne romantische Überhöhung darstellte; der lyrische Charakter ergab sich aus den gewählten Landschaftsausschnitten selbst. Einen wichtigen Einfluß stellte dabei auch der Biedermeier-Künstler Ludwig Richter dar.

Weber konnte seine Werke an wohlhabende Bürger und Museen verkaufen, sie fanden guten Absatz. Mittlerweile rund 30 Jahre alt, nahm er eine Stelle als Dozent an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts an. Hier wurde er ein bedeutender Lehrer, und so mancher seiner Schüler seiner Landschaftsklasse konnte sich selbst einen Namen machen; als bekannteste genannt seien William Trost Richards, William Stanley Haseltine, Edward Moran und Harriet Cany Peale.

1855 ging er, von Heimweh und der Aussicht auf eine Stelle als Hofmaler getrieben, über Paris nach Deutschland zurück. Er hielt sich eine Weile vor allem in Düsseldorf, damals Zentrum der Landschaftsmalerei, auf, begleitet wurde er von seinem Schüler Haseltine. Dann ging es wieder für einige Jahre nach Philadelphia.

1860/61 ging es, mit Zwischenhalt in Schottland und Frankreich wieder in die Heimat, zuerst nach Darmstadt, an dessen Hof er vor allem als Privatdozent der Prinzessin Alice tätig war. Unterricht gab er auch seinem Schwiegersohn Phillip Röth, der später als durchaus begabter Landschafter an der Schwelle von der Romantik zum Impressionismus hervortreten sollte. Röth und der (später) berühmte Eugen Bracht begleiteten Weber in den Semesterferien auf Malreisen.

Von 1864 an bereiste er, gemeinsam mit Adolf Schreyer, mehrfach Paris. Durch seine Freundschaft mit Thude Grönland konnte er mit zwei Landschaftern der Schule von Barbizon, Jean-François Millet und Charles Emile Jacque, in Kontakt treten. Er hatte bald einen guten Stand in Pariser Künstlerkreisen, doch auch den USA blieb er durch Ausstellungen seiner Werke verbunden.

1872 schrieb sich sein Sohn Carl an der Akademie in München ein, damals eine Hochburg der deutschen Malerei, und so beschloß auch Paul Weber, sich dort niederzulassen. München blieb für den Rest seines Erdendaseins sein Lebenszentrum, wo er sich mit Künstlerfreunden umgab, die Stadt und ihre Umgebung in Landschaftsbildern und Genreszenen festhielt. Er starb 1916 in München und wurde auf dem Westfriedhof beigesetzt.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/287-william-trost-richards-–-ein-landschaftsmaler-der-späten-hudson-river-school.html
https://woodmereartmuseum.org/explore-online/collection/artist/paul-weber
http://www.artcyclopedia.com/artists/weber_paul.html
https://journalpanorama.org/article/the-most-perfect-manner/
http://www.artnet.de/künstler/paul-weber/
https://art-depesche.de/malerei/397-william-stanley-haseltine-–-die-hudson-river-school-in-italien.html
https://art-depesche.de/malerei/241-edward-moran-–-historienmaler-der-us-marine.html

Paul Weber: deutscher Naturalist an der Wiege der Hudson River School https://art-depesche.de/images/2022/0731/Paul_Weber_Sommerlandschaft_mit_Bauernhaus_und_Muehle.jpg Ruedi Strese