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Anton Mauve „Häuser an einem Graben“ (Öl auf Leinwand, 36 cm x 49 cm, Rijksmuseum Amsterdam)

Berlin – Wenn der Name Anton Mauve heutzutage auftaucht, dann zumeist wegen seiner Rolle als früher Förderer Vincent van Goghs, doch gehört sein eigenes Schaffen, welches vorrangig melancholische Kleinlandschaften umfaßt, zum Besten, was die holländische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts zu bieten hat. Hier nun unser Blick auf den Lebensweg dieses Mannes.

Geboren wurde Anthonij Rudolf Mauve 1838 in Zaandam, Nordholland. Der Vater war Kaplan der Mennoniten und wurde, als Anton ein Jahr alt war, nach Haarlem gesandt, wo der Junge aufwuchs. Als er 16 Jahre alt war, erhielt er ersten Unterricht bei dem Tiermaler Pieter Frederik van Os, welcher ihm die Liebe zu Tiermotiven (insbesondere Schafen) näherbrachte.

Diesem Unterricht folgten Lehrstunden bei Wouterus Verschuur, einem weiteren Tiermaler, wodurch er begann, sich besonders für Pferde zu interessieren. Bedeutend wurde für ihn die Freundschaft mit Paul Gabriël, einem frühen Vertreter der Haager Schule, mit welchem er die Natur malerisch erkundete. Die beiden hielten sich zusammen in dem ostniederländischen Dorf Oosterbeek auf, welches als „holländisches Barbizon“ bezeichnet wird.

Barbizon mag auch als stilistischer Anhaltspunkt herhalten, um den Stil Mauves zu beschreiben. Der Künstler gehörte spätestens seit seinem Umzug nach den Haag 1872 der Haager Schule an, welche oft als holländische Version des Impressionismus bezeichnet wird, allerdings ist, was die Farben angeht, oft die Ähnlichkeit zu den Realisten von Barbizon größer.

Auch Mauve pflegte die intime Kleinlandschaft und bediente sich feinfühlig abgestufter, vorsichtiger Farben, gerne eines melancholisch wirkenden Silbergrau; er bewies in seinen Ölbildern wie Aquarellen ein außerordentliches Talent als Kolorist. Befreundet war er auch mit anderen Künstler der Schule wie Jozef Israëls und Willem Maris, deren Beispiel ihn zu einem lockeren Pinselstrich führte.

Vincent van Gogh war der Cousin seiner Gattin; Mauve griff im Oktober 1881 schicksalhaft in das Leben des mit 28 Jahren gar nicht mehr so jungen Mannes ein, indem er ihm seinen ersten Kasten mit Ölfarben schenkte, den van Gogh in Mauves Nähe wohl zunächst gar nicht anzurühren wagte. Im November gab er ihm in seinem Haager Atelier zudem drei Wochen Unterricht in der Aquarellmalerei, welche van Gogh jedoch nicht besonders lag.

Zudem brachte Mauve van Gogh, um eine Zweitmeinung einzuholen, mit seinem Freund Jan Hendrik Weissenbruch zusammen, welcher sich, obgleich allgemein als strenger Lehrer bekannt, überaus freundlich über van Goghs Federzeichnungen äußerte und diesen somit zum Fortsetzen seiner Karriere ermunterte.

Van Gogh bewunderte Mauve, doch bereits 1882 trennten sich die Wege der beiden Künstler; Mauve litt an depressiven Verstimmungen, wozu van Gogh notierte, sie stünden darin einander nichts nach. Ursprünglich sollte es nur eine vorübergehende Pause sein, doch vermied Mauve später den Kontakt, nachdem er erfahren hatte, daß van Gogh mit der Prostituierten Clasien Hoornik („Sien“) zusammenlebte.

Anton Mauve starb 1888 in Arnheim. Van Gogh schuf als Tribut an seinen angeheirateten Cousin und frühen Lehrer das Gemälde „Souvenir de Mauve“ mit den blühenden Pfirsichbäumen, wohl eines seiner eindrucksvollsten Werke. Arbeiten Mauves befinden sich heuer u.a im Rijksmuseum Amsterdam, in der Tate Gallery, im Musée d'Orsay Paris, im Metropolitan Museum of Art in New York und vielen weiteren.

 

Verweise:

https://www.simonis-buunk.de/kuenstler/anton-mauve/kunstwerke-zu-verkaufen/377/
https://art-depesche.de/malerei/727-der-niederländische-freilichtmaler-jan-hendrik-weissenbruch.html
https://art-depesche.de/malerei/704-johannes-warnardus-bilders-zwischen-romantik-und-haager-schule.html
https://art-depesche.de/malerei/593-der-niederländische-porträtmaler-jan-veth.html
https://art-depesche.de/malerei/581-das-stilleben-bei-vincent-van-gogh-sonderausstellung-im-museum-barberini.html
https://www.rijksmuseum.nl/en/rijksstudio/artists/anton-mauve
http://www.artnet.de/künstler/anton-mauve/

Anton Mauve, ein Landschaftsmaler der Haager Schule https://art-depesche.de/images/2022/0801/Anton_Mauve_Haeuser_an_einem_Graben.jpg Ruedi Strese