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Das Schloß Rheinsberg

Rheinsberg – Kurz habe sie sich in einer Märchenwelt gefühlt, schrieb mir eine Freundin, nachdem ich ihr einige Fotografien des Schlosses Rheinsberg im Ruppiner Land geschickt hatte. Und tatsächlich gehört das Bauwerk am Grienericksee mit dem zugehörigen Park zu den schönsten Flecken Brandenburgs. Doch es besitzt auch eine Gemäldesammlung, welcher wir dort selbstverständlich einen Besuch abgestattet haben.

Wo heute das Schloß steht, befand sich ursprünglich eine Wasserburg, und es ist ungeklärt, inwieweit noch Reste von dieser in das spätere Schloß eingebaut wurden. Das wiederum wurde 1566 unter der Familie von Bredow als Renaissanceschloß errichtet, doch erlitt es im Dreißigjährigen Krieg so starke Schäden, daß die heutige Version im Wesentlichen aus einer späteren Zeit entstammt ...

... und zwar der des preußischen Königreichs. Zwischen 1736 und 1740 ließ es der damalige Kronprinz Friedrich durch die Baumeister Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausbauen und erweitern. Die Zeit des Kronprinzen in Rheinsberg endete jedoch 1740, als er als Friedrich II. von Preußen den Thron bestieg. Rückblickend betrachtete er die wenigen Jahre in Rheinsberg als die schönsten seines Lebens.

Das Schloß gilt als erstes Bauwerk des Friderizianischen Rokoko und diente als Vorbild für das berühmtere Sanssouci. Theodor Fontane ging in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ausführlich auf die Anlage ein. Antoine Pesne, bereits seit 1711 Maler des preußisches Königshofes, schuf im Spiegelsaal des Schlosses zwischen 1738 und 1740 das bis heute erhaltene Deckengemälde „Venus“.

1744 schenkte Friedrich das Schloß seinem jüngeren Bruder, dem Prinzen Heinrich. Dieser ließ Schloß und Park zusätzlich vergrößern und ausgestalten und zeichnete sich als großer Kunstliebhaber für den Hauptteil der Sammlung verantwortlich. Die Bilder finden sich auf zahlreiche Zimmer verteilt, in einigen auch in dichter barocker Hängung.

Dabei spielt vor allem der bereits genannte Pesne mit zahlreichen Porträts eine Rolle, sowie dessen Schüler Frédéric Reclam. Auch der vornehmlich als Architekt in die Geschichte eingegangene Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff steuerte manches bei, genau wie der bedeutendste deutsche Porträtist des Rokoko, Anton Graff. ebenso genannt sei die in den letzten Jahren zu vermehrter Würdigung gekommene Anna Dorothea Therbusch.

Neben Porträts gibt es auch ein paar Genreszenen und Landschaften, so von Knobelsdorff eine „Ansicht von Rheinsberg“ von 1937, zu welcher Pesne die Staffage beigesteuert hat. Erwähnt sei auch, daß Kronprinzessin Elisabeth Christine, die Frau des künftigen großen Preußenkönigs, sich selbst als Malerin versucht hatte. Ihr „Selbstbildnis als Schäferin“ (1736) zeigt freilich nicht die Meisterschaft eines Pesne oder Graff, ist aber doch von dokumentarischem Wert als Zeugnis einer Herrschaftsschicht, für welche der Bezug zu Kunst und Kultur essentiell war.

Lohnt es sich also, nur um der Gemäldesammlung willen nach Rheinsberg zu reisen? Wohl allenfalls für Rokoko-Spezialisten. Aber wer sich eine zauberhafte kleine und geschichtsträchtige Stadt am See ansehen möchte, sollte bei der Gelegenheit auch dem Inneren des Schlosses und seiner Kunstsammlung die Aufwartung machen. Und auch für ein paar Tage Erholung taugt Rheinsberg allemal.

Das Schloß Rheinsberg befindet sich in 16281 Rheinsberg. In der Sommersaison (von April bis Oktober) hat es von Dienstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet, in der Wintersaison (November bis März) von Dienstag bis Sonntag von 10-16 Uhr. Montage sind Schließtage. Der Eintritt kostet regulär 10,-, ermäßigt 7,- Euro.

 

Verweise:

https://www.spsg.de/presse-foto-film/pressearchiv/pressemeldung/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=274&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail
https://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-rheinsberg/

Das Schloß Rheinsberg und seine Gemäldesammlung https://art-depesche.de/images/2022/0811/Das_Schlo_Rheinsberg.jpg Ruedi Strese