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Gocha Ginturi „Altes Tbilisi“ (Bleistift auf Papier, 80 cm x 120 cm)

Berlin – Noch bis zum 30. August 2022 wird in der Galerie Ars Pro Dono im Prenzlberger Kiez eine, „Georgische Groteske“ betitelte, Ausstellung des georgischen Künstlers Gocha Ginturi zu sehen sein, dessen Schwerpunkt bei der Grafik liegt. Seine besondere Liebe gilt der traditionellen Architektur seines Landes, vor allem von dessen Hauptstadt Tbilisi.

Die uns verfügbaren biografischen Angaben des Künstlers sind schmal: Von 1998 bis 2000 studierte er an der Fakultät für Malerei der Jacob-Nikoladze-Kunstschule in Tbilisi, von 2000 bis 2004 dann Kinematografie an der Staatlichen Akademie der Künste „Kutateladze“.

Grotesk ist das erstmal nicht; suchen wir also den Grund für diese Benennung der Ausstellung in Ginturis Arbeiten. Den Hauptteil dieser bilden großformatige Bleistiftzeichnungen, in welchen er sich mit, wir erwähnten es, georgischer Architektur befaßt. Das Hauptbild, nicht als einziges Werk schlicht „Altes Tbilisi“ betitelt, mißt in der Breite gar 2,90 Meter.

Dabei zieht ihn vor allem das Alte, vom Zahn der Zeit Angebrochene an; in dieser Neigung zur (Beinahe-)Ruine ist er durchaus Romantiker. Zum Teil bildet er nur ab, vor allem in den kleineren Arbeiten, doch bevorzugt bedient er sich real existierender oder mindestens für einen bestimmten Typus stehender Gebäude, um diese zu fantastisch anmutenden Stadtlandschaften zusammenzustellen.

Der Künstler selbst sagt zu diesem „Urbanismus“: „Die alten Gebäude von Tbilisi inspirieren mich, die Realität zu verändern, mir vorzustellen, was jenseits davon liegt, und das Ergebnis sind Werke, in denen die Realität und das Fiktive einen Platz finden.“

So erhält der Betrachter Einblicke in vergangene Tage von Tbilisi, doch auch abgelegenere Regionen Georgiens erfahren ihre Würdigung. Ironisch gebrochen wird diese Märchenwelt durch die Einarbeitung von Symbolen der westlichen Moderne (Schildern einschlägiger Konsummarken) und die Figuren, welche karikaturhaften Charakter besitzen. Zudem gibt es allerlei versteckte Anspielungen, wenn etwa ein Ladenschild einen „Super Market Ginturi“ bewirbt.

Bisweilen bedient sich der Künstler, auch dies sei erwähnt, alter Fotografien als Vorlage. In seinen Handzeichnungen erweist er sich als Meister der Zeichnung und der fein abgestuften Grautöne, und in die gleiche Kerbe schlagen einige wenige Acrylgemälde derselben Thematik und Darstellungsart.

Deutlich verschieden ist eine Zahl von Acryl-Porträts, welche sich, unter Beibehaltung der Skala zwischen Schwarz und Weiß einer divisionistischen Tüpfeltechnik bedienen und im Effekt entfernt an Modefotografien der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erinnern. Einige weitere Arbeiten weichen vom Schwarzweiß ab, doch hier ist auch der spezifische Stil Ginturis wenig erkennbar.

Insgesamt durchaus lohnend, insbesondere, wenn man einen Hang zu alten, etwas verfallenen Städten besitzt. Die Galerie Ars Pro Dono befindet sich in der Prenzlauer Allee 191 in 10405 Berlin. Die derzeitigen Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 14 bis 19 und Sonnabend von 11 bis 16 Uhr.

 

Verweise:

https://www.arsprodono.de/shop_content.php?coID=3210127
https://www.instagram.com/gochaginturi/?hl=de
https://www.facebook.com/gocha.ginturi
https://art-depesche.de/malerei/611-„georgische-motive“-gruppenausstellung-bei-ars-pro-dono.html
https://art-depesche.de/malerei/761-das-iii-kunstfestival-der-galerie-ars-pro-dono,-teil-2-graphik-und-skulptur.html

Gocha Ginturis altes Georgien in der Grafik: Ausstellung in Berlin https://art-depesche.de/images/2022/0815/Gocha_Ginturi_Altes_Tbilisi.jpg Ruedi Strese