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Józef Mehoffer „Seltsamer Garten“ (Öl auf Leinwand, 1903, 222,5 cm x 208,5 cm, Nationalmuseum Warschau)

Berlin – Mit dem „Jungen Polen“ haben wir uns in der ART DEPESCHE bereits einige Male befaßt; diese Gruppierung vereinte einige der wichtigsten Vertreter der frühen Moderne Polens aus Musik, Literatur und bildender Kunst. Äußerst interessant ist dabei der Beitrag Mehoffers, welchen wir unseren Lesern heute kurz vorstellen möchten.

Józef (bisweilen auch Jósef) Mehoffer kam 1869 in Ropczyke bei Lemberg (Lwiw) zur Welt, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte; er entstammte einer polonisierten österreichischen Beamtenfamilie.

Er studierte Recht an der Jagiellonen-Universität in Krakau und von 1887 bis 1889 parallel Malerei an der Kunstakademie in Krakau; seine Lehrer waren Izydor Jabłoński, Józef Unierzyski, Władysław Luszczkiewicz und Jan Matejko; letzterer gilt als bedeutendster polnischer Historienmaler; es folgte 1889/90 eine Zeit an der Akademie in Wien.

Über Salzburg, Innsbruck und Basel (wo ihn die Arbeiten Arnold Böcklins sehr beeindruckten) ging es 1891 nach Paris, wo er praktisch alle namhaften Lehranstalten besucht haben soll, die Académie Julian wie die École Nationale des Arts Décoratifs, dann die Académie Colarossi, wo ihn Joseph Blanc und Jacques Courtois unterrichteten, und ab 1892 lernte er im Atelier Léon Bonnats an der École Nationale des Beaux-Arts.

Es folgten künstlerische Bildungsreisen durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich, wo ihn insbesondere die gotischen Kathedralen von Rouen, Amiens, Straßburg und Beauvais in Erstaunen versetzten. 1900 weilte er in Italien und eignete sich die in den Werkstätten Muranos praktizierte Mosaiktechnik an.

Bereits in den frühen 1890er Jahren konnte er internationales Renommée mit seinen bemalten Kirchenfenstern erringen, welche dem Symbolismus und Jugendstil der Wiener Secession verwandt sind und dabei auf mittelalterliche Elemente zurückgreifen. Am berühmtesten sind die von ihm gestalteten 13 Fenster der Kathedrale St. Nikolaus in Freiburg im schweizerischen Üechtland; weitere Arbeiten entstanden in Gotteshäusern in Balice, Jutrosini, Krakau, Wien, Opava, Włoclawek, Przemyśl und Gołuchoów.

In seinen Gemälden wiederum verband er vom Impressionismus inspirierte Tüpfeltechnik und Lichteffekte mit mystischen Motiven, welche seine Einordnung als Symbolist rechtfertigen. Daneben ist er Urheber eines äußerst vielseitigen Werkes, welches auch angewandte Kunst umfaßt.

So schuf er Kreidezeichnungen, Lithografien, Radierungen, Theaterdekorationen, gestaltete Buchumschläge, Wasserzeichen und Vorlagen für Banknoten, Briefmarken, entwarf sogar Möbel. Damit lag er freilich auf einer Wellenlänge mit zahlreichen Künstlern des Jugendstils, die sich in einer Vielzahl von Medien ausprobierten und die Grenze zwischen Kunst und Handwerk niederzureißen trachteten.

Mehoffer starb 1946 in Wadowice und ist heute in Polen hochgeehrt. Sein Krakauer Wohnhaus fungiert als seinem Leben und Werk gewidmetes Museum und gehört zum Krakauer Nationalmuseum. In Turek stellt eine lebensgroße Statue Mehoffer dar, mit übereinander geschlagenen Beinen auf einer Bank sitzend.

 

Verweise:

https://www.biographien.ac.at/oebl_6/192.pdf
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/041125/2007-12-03/
http://www.artnet.com/artists/jósef-mehoffer/
https://web.archive.org/web/20070311204336/http://www.mitchozog.addr.com/Jozef_Mehoffer.htm
https://culture.pl/en/artist/jozef-mehoffer

Józef Mehoffer - ein „junger Pole“ zwischen Symbolismus und Postimpressionismus https://art-depesche.de/images/2022/0819/Jozef_Mehoffer_Seltsamer_Garten.jpg Ruedi Strese