Bernard Boutet de Monvel „Selbstporträt am Place Vendôme“ (Öl, auf Leinwand, um 1932, 107,4 cm x 89,2 cm)

Berlin – Wäre er ein Amerikaner gewesen, würde man seinen Stil wohl als „Präzisionismus“ bezeichnen, und in Deutschland hätte man ihn der magisch-realistischen Strömung der „Neuen Sachlichkeit“ zugeordnet. In seiner französischen Heimat jedoch stand Bernard Boutet de Monvel mit seiner Mischung aus kühler Eleganz, Genauigkeit und Atmosphäre recht einzigartig dar. Ein klarer Fall für unsere biografische Reihe!

Geboren wurde er 1881 im 4. Arrondissement von Paris. Sein Vater war der Maler und Kinderbuchillustrator Maurice Boutet de Monvel (1850-1913), und Bernard, der in Paris und Nemours aufwuchs, richtete spätestens mit 16 Jahren den Blick auf das Ziel, selbst Künstler zu werden.

Ab Frühjahr 1897 nahm er Unterricht bei dem akademischen Maler Luc-Olivier Merson, später im selben Jahr zusätzlich bei Jean Dampt, der vor allem als Bildhauer in Erinnerung geblieben ist. Im Folgejahr führte ihn der amerikanische Maler Louis McClellan Potter in die Technik der Radierung ein, welche er bald meisterlich beherrschte, wobei er farbigen Radierungen den Vorzug gab.

Ein Thema, dem er mit der Zeit besondere Aufmerksamkeit schenkte, waren die Dandies, modebewußte junge Männer, wie sie zum fin de siècle aufgekommen waren. Er selbst gewann in jenen Pariser Kreisen den Ruf als „schönster Mann der Welt“. 1912 wurde im Art Institute of Chicago gar eine eigens seinen Radierungen gewidmete Rückschau veranstaltet.

Doch auch der Ölmalerei widmete er sich von Anbeginn, und ab 1903 konnte er seine Gemälde im Neuen Salon der Société Nationale des Beaux-Arts ausstellen, bald auch im Pariser Herbstsalon sowie im Salon der Unabhängigen, wodurch auch ausländische Kunstliebhaber auf sein Schaffen aufmerksam wurden, und ab 1907 konnte er regelmäßig im Carnegie Institute of Pittsburgh ausstellen.

Stilistisch begann er mit postimpressionistisch und pointillistisch inspirierten Arbeiten, bis er 1908 mit einem Lineal und zwei Zirkeln ein lediglich „Skizze“ betiteltes Werk schuf, welches, 1909 ausgestellt, zwar spöttische Kritiken erntete, jedoch einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum später Art Déco bezeichneten Stil darstellte.

Boutet de Monvel selbst verharrte nicht bei diesem Experiment, sondern nutzte es als Ausgangspunkt für seinen reifen Stil, welchen wir bereits in die Verwandtschaft von Präzisionismus und Magischem Realismus setzten, wobei er die kühle Art durch die Verwendung einer Palette, die sich erdiger und grauer Töne bediente, verstärkte.

Im Ersten Weltkrieg diente er in der Truppe, wobei er im Herbst 1917, in Marokko stationiert, auf Anraten seines Vorgesetzten begann, die dortigen Städte und deren Bewohner zu malen, wobei er bei seinem geometrisch geprägten Stil blieb. Auch diese Werke nehmen in seinem Oeuvre einen bedeutenden Platz ein. Ein Album mit Kriegsbildern ist bis auf den heutigen Tag unveröffentlicht geblieben.

Nach Paris zurückgekehrt, knüpfte er an sein Schaffen der Vorkriegsjahre an, verdingte sich vor allem als Porträtist von Sportlern und Dandies, zudem verdingte er sich als Illustrator für diverse Modezeitschriften; auch eine Reihe von Büchern wurden von Boutet de Monvel veredelt. 1928 entstanden einige Bilder von Stahlwerken in Chicago und 1929 mehrere New Yorker Stadtlandschaften, welche die Nähe zum Präzisionismus etwa eines Charles Sheeler am stärksten deutlich werden lassen. Erwähnenswert sind auch einige Porträts international bekannter Persönlichkeiten, etwa des Maharadschas von Indore.

Während des Zweiten Weltkrieges blieb er in Frankreich, unterbrach sein Schaffen nicht. In der Nachkriegszeit stellte er wieder vermehrt in den USA aus, doch als er sich 1949 auf dem Weg zwischen Paris und New York befand, wurde er Opfer eines Flugzeugabsturzes über den Azoren. In den letzten Jahren ist seinem Schaffen in Frankreich wieder erhöhte Aufmerksamkeit zugekommen.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/bernard-boutet-de-monvel/
https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article153971846/Das-war-der-schoenste-Mann-Europas.html
https://www.edition-originale.com/de/nachrichten-gazette/bernard-boutet-de-monvel-1881-1949-229
http://www.stephane-jacques-addade.com/en/bernard-boutet-de-monvel/biography

Mondäne Eleganz im frühen 20. Jahrhundert: Bernard Boutet de Monvel https://art-depesche.de/images/2022/0824/Bernard_Boutet_de_Monvel_Selbstportraet_am_Place_Vendome.jpg Ruedi Strese
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