Ernst Graner „Kaiser Franz Joseph in seiner Kutsche aus der Burg kommend“ (Aquarell auf Papier, 1912, 41 cm x 54 cm)

Berlin – Es gibt eine Art der realistischen Vedutenmalerei, die im italienischen Barock ihren Anfang nahm und sich bis heute nur minimal verändert hat, sich vor allem an der genauen Zeichnung der Architektur orientiert. Um 1900 gehörte der Aquarellist Ernst Graner zu den größten Könnern seines Faches in Wien; ihm wollen wir unser neues Kurzporträt widmen.

Zur Welt kam er 1865 im sächsischen Werdau. Er kam bereits als Kind nach Wien, wo er die Volksschule in Hiertzing besuchte. Er machte zunächst eine Lehre als Goldschmied, dann eine als Lithograf und nahm zwei Jahre Zeichenunterricht bei Josef Grandauer.

Von 1885 bis 1890 besuchte er dann die Wiener Akademie der bildenden Künste, war Schüler in der Landschaftsklasse von Eduard Peithner von Lichtenfels, einem für Österreich bedeutenden Lehrer der Landschaftsmalerei, welcher selbst von der Düsseldorfer Schule beeinflußt war. Ein weiterer seiner Lehrer dort war Franz Rumpler.

Nach Abschluß des Studiums stellte er seine Aquarelle regelmäßig auf Wiener Ausstellungen aus. Zunächst beschäftigte er sich mit Landschaften und Genreszenen, sein wahres Talent entfaltete er jedoch in der Veduten- und Architekturmalerei, die in seinem Schaffen nach und nach einen immer bedeutenderen Platz einnahm.

Dabei kommt vielen seiner oft mit reicher Staffage versehenen Arbeiten auch insofern ein besonderer Wert zu, als daß sie bedeutende architektonische Stätten im damaligen Zustand zeigen, genannt seien die Hofburg oder das Schloß Schönbrunn. Gerne zeichnete Graner auch den überaus beliebten Kaiser Franz Joseph bei seinen Ausfahrten.

Manche der gezeigten Gebäude, wie etwa die Wiener Rotunde (1937 einem Großbarnd zum Opfer gefallen), der Philipphof (1945 durch alliierte Bombenangriffe zerstört) oder das Wiener Stadttheater (1960/61 abgerissen) sind heute gar nicht mehr erhalten. Auch die Wiener Umgebung bildete er bisweilen ab, zudem entstanden einige Porträts.

1895/96 war Graner Mitwirkender der Münchner Zeitschrift „Meggendorfer Blätter“. 1910 trat er der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, an deren Ausstellungen er sich schon seit längerem beteiligt hatte, bei.

Stand er in frühen Jahren etwas im Schatten von Rudolf von Alt (1812-1905) und Franz Alt (1821-1914), wurde er später zum bedeutendsten Vedutenmaler Wiens, wo er 1943 auch starb. 1961 wurde im Stadtteil Inzersdorf die Granergasse nach ihm benannt. Seine Arbeiten sind u.a. im Historischen Museum der Stadt Wien zu besichtigen.

 

Verweise:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Graner
https://kunsthandel-stradmann.de/artist/ernst-graner/
https://sammlung.belvedere.at/people/641/ernst-graner
https://www.kunstkaufen.at/kuenstler/ernst-graner/
https://www.dorotheum.com/de/k/ernst-graner/
https://imkinsky.com/kuenstler/90982
http://www.artnet.de/künstler/ernst-graner/

Der Wiener Vedutenmaler Ernst Graner https://art-depesche.de/images/2022/0825/Ernst_Graner_Kaiser_Franz_Joseph_in_seiner_Kutsche_aus_der_Burg_kommend.jpg Ruedi Strese
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