Halfdan Egedius „Spiel und Tanz“ (Öl auf Leinwand, 1896, 95,5 cm x 83 cm, Nationalmuseum Oslo)

Berlin – Halfdan Egedius war gegen Ende des 19. Jahrhunderts eines der vielversprechendsten Talente der norwegischen Malerei und schickte sich an, in die Fußstapfen von Edvard Munch zu treten, als er in jungen Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Das, was er hinterließ, läßt Raum für Spekulationen, was aus ihm wohl noch hätte werden können?

Unser Titelbild, „Spiel und Tanz“ hängt im Nationalmuseum Oslo im gleichen Raum wie sechs Meisterwerke von Edvard Munch sowie Arbeiten der ausländischen Legenden Edgar Degas, Paul Cézanne, Paul Gauguin, Gustave Courbet und Vincent van Gogh. So ist es also eine interessante Frage, wer dieser Maler war, dem die Norweger eine derartige Prominenz einräumen, während er hierzulande so gut wie unbekannt ist.

Geboren wurde Halfdan Johansen 1877 in Drammen in der einstigen Provinz Buskerud; den Namen Egedius verlieh er sich später selbst. Bereits in früher Kindheit, ließ er ein außergewöhnliches Interesse an Malerei und Zeichnung erkennen, und schon mit neun Jahren, von 1886 bis 1889, nahm er Unterricht bei Knud Bergslien an dessen Kunstschule.

Von 1889 bis 1891 war Erik Werenskiold sein Lehrer, und anschließend besuchte er bis 1892 die Kunstschule in Kristiania (Oslo). 1894 besuchte er die private Kunstschule der Malerin Harriet Becker, und 1896 war er in Kopenhagen kurzzeitig Schüler Kristian Zahrtmanns. Man kann somit sagen, daß unter seinen Lehrern einige der bedeutendsten Künstler der angehenden Moderne Skandinaviens waren.

Schon mit 15 Jahren begann er die Landschaften der Telemark in Gemälden festzuhalten, mit einigem Erfolg. Werke aus jenen Jugendjahren finden sich in bedeutenden Museen und Privatsammlungen.

Ab dem Alter von 16 bis zu seinem frühzeitigen Tod mit 21 Jahren schuf er ein vielseitiges und beeindruckendes Werk zwischen Nationalromantik, Naturmagie und Symbolismus, wobei das bekannteste seine stilistisch an Werenskiold angelehnten Buchillustrationen zur etwa 1230 in Island von Snorri Sturluson niedergeschriebenen Heimskringla-Saga sind (in der norwegischen Fassung „Kongesagaer“ betitelt).

Dabei war er Teil einer von Werenskiold geleiteten Künstlergruppe, zu welcher mit Gerhard Munthe und Christian Krohg noch zwei weitere Größen gehörten. Allerdings konnte Egedius seinen Teil der Arbeit nicht vollenden; sein Freund Wilhelm Wetlesen führte die Arbeit fort.

Er war im Sommer 1898 gerade wieder in der Telemark, als er sich eine bakterielle Infektion einfing, wegen welcher er zu Weihnachten ins Krankenhaus in Kristiania eingeliefert wurde, wo er im Februar 1899 schließlich verschied. Er wurde auf dem Friedhof des Stadtteils Vestre Aker beigesetzt, wo die Kommunalverwaltung fünfzig Jahre später einen Gedenkstein errichten ließ. Sein beeindruckend schneller und so abrupt beendeter künstlerischer Aufstieg läßt Fachleute bis heute grübeln, was noch aus ihm hätte werden können ...

 

Verweise:

https://artsandculture.google.com/entity/m04jk2kv?categoryid=artist
https://nkl.snl.no/Halfdan_Egedius
http://www.blather.net/north/archives/2005/12/egedius.html
http://www.artnet.de/künstler/halfdan-egedius/
https://www.discogs.com/artist/2956150-Halfdan-Egedius

Halfdan Egedius: Norwegens unvollendetes Genie https://art-depesche.de/images/2022/0830/Halfdan_Egedius_-_Spiel_und_Tanz.jpg Ruedi Strese
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